Arbeiten kosten 130.000 Euro

Platz für Hochwasser: Bagger verändern bei Rotenburg den Lauf der Fulda

Als würde der Fluss sich schlängeln: Die Umgestaltung des Fuldalaufs, geplant von Heinrich Wacker, zwingt den Fluss in leichte Kurven. Das veränderte Strömungsbild soll der Natur zugute kommen.

Rotenburg. Bagger haben an der Fulda zwischen Rotenburg und Braach tausende Tonnen Erde und Kies bewegt. Das Ziel: Raum für Hochwasser und ein besseres Ökokonto der Stadt. 

Der Auftrag für die Arbeiten kommt von der Stadt Rotenburg. Der starke und anhaltende Frost hat in der vergangenen Woche für festen Boden gesorgt und damit Baumaßnahmen ermöglicht, die eigentlich erst für den Sommer geplant war.

Genau genommen handelt es sich um zwei verschiedene Maßnahmen: Während im oberen Bereich sogenannter Retentionsraum, also Überschwemmungsraum für Hochwasser als Ausgleich für Verlust an Überschwemmungsraum beim künftigen Bau des Feuerwehrgerätehauses am Breitinger Kirchweg geschaffen wird, bessert die Stadt mit den Veränderungen am unteren Teil der Fulda ihr Ökokonto auf. Mithilfe sogenannter Ökopunkte kann die Stadt schon im Vorhinein ökologischen Ausgleich für künftige Bauprojekte schaffen.

Stadt muss Überschwemmungsraum schaffen

Die Wasserbehörde hat ermittelt, dass beim Bau des Feuerwehrgerätehauses 5000 Kubikmeter Retentionsraum wegfallen werden. Dabei, erklärt Heinrich Wacker, Umweltbeauftragter der Stadt, beziehe sich die Behörde auf das Jahrhunderthochwasser von 1995 und greife auf Satelliten-gestützte Vermessung der Landschaft zurück. Die Stadt sei nach dem Wasserhaushaltsgesetz verpflichtet, dieselbe Menge Überschwemmungsraum in der Nähe zu schaffen.

Frost sorgte in der vergangenen Woche für harten Boden und ermöglichte so die Arbeiten am Flusslauf.

Dafür, dass nicht nur Lehm und Kies weggeschafft werden, sondern auch der Natur gedient wird, hat Wacker mit seiner Planung gesorgt. Durch die schon bestehende Flutmulde wird künftig ein dünner Seitenarm der Fulda parallel zum Fluss verlaufen. Links und rechts davon werde es im Sommer „blühen wie verrückt“, freut sich Wacker jetzt schon. 

Die ausgehobene Erde haben die Laster in die Braacher Kiesgrube gekippt, wo eine Flachwasserzone entsteht. Der Röhricht soll sich hier entfalten, Seerosen blühen und verschiedene Entenarten brüten.

Die Fulda hat nun mehr Kurven

Am unteren Teil des Flusses haben die Bagger den Lauf der Fulda leicht verändert. Als Buhnen bezeichnete Landzungen auf der einen Seite des Ufers und „Kolke“ genannte Vertiefungen auf der anderen Seite sorgen dafür, dass die Fulda nun in leichten Kurven fließt. 

Das Strömungsbild verändere sich, erklärt Wacker. Dadurch entstünden neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere, etwa Stillwasserzonen zum Laichen oder Brutplätze für Vögel an den Ufern.

Beide Maßnahmen zusammen kosten laut Wacker circa 130.000 Euro. Die Firma Beisheim wurde damit beauftragt. Bei der Planung hat Wacker auf historisches Kartenmaterial zurückgegriffen, um den Flusslauf möglichst naturnah zu gestalten. 

Einer der neu geschaffenen Kolke habe genau so früher schon existiert und sei bei der Bevölkerung unter dem Namen „Kaninloch“ bekannt gewesen. Spaziergänger würden künftig mehr Natur an der Fulda beobachten und erleben können, verspricht Wacker.

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