Informationstag für die Bürger

Pilotprojekt im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Hausarzt kommt mit dem Medibus

Auch in Nentershausen war der Andrang groß: Viele Bürger wollten sich den Medibus anschauen. Auch viele Medienvertreter waren vor Ort.

Nentershausen. Am 1. Juli startet ein besonderer Versuch, an dem Kommunen aus den Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner teilnehmen: der Medibus. Er ist nicht unumstritten.

Die neue Mobile Hausarztpraxis ist ein Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) und der DB Regio. Ziel ist, Patienten dort besser zu versorgen, wo sich der Hausarztmangel bereits zeigt und die vorhandenen Ärzte zu entlasten.

Pilotprojekt Medibus wurde der Öffentlichkeit vorgestellt 

Der Medibus wurde am Dienstag in allen beteiligten Kommunen der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bürger erhielten Informationen und konnten sich den Bus anschauen.

An dem Projekt beteiligt sind die Kommunen Cornberg und Nentershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg), Sontra, Sontra-Weißenborn, Ringgau und Herleshausen (Werra-Meißner-Kreis). Das Pilotprojekt soll über zwei Jahre laufen. Die KV hat den Bus von der DB Regio gemietet. Der Bus wird in einem Teil der Kommunen ein Mal pro Woche für 3,5 Stunden Station machen, in den anderen zwei Mal pro Woche.

Das Versprechen

„Der Medibus wird nicht dazu führen, dass wir unsere Bemühungen einschränken, die Ärzte für Sie vor Ort zu halten oder Nachfolger zu finden“, betonte Dr. Eckhard Starke, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Hessen in Nentershausen, wo der „Tag des offenen Medibusses“ startete und etwa 70 Bürger und zahlreiche Medienvertreter gekommen waren. „Der Medibus soll eine Entlastung für die überlasteten Hausärzte sein und eine kleine Hilfe für die Patienten“, betonte Starke und ging damit auf die kritischen Stimmen ein, die befürchten, dass sich der Einsatz des Medibusses in den beteiligten Kommunen nachteilig auf die Zuweisung von Hausärzten auswirken könne. „Unsere Bemühungen für Sie vor Ort Ärzte zu finden, werden nicht nachlassen. Dafür stehe ich bei Ihnen im Wort“, betonte Starke. „Man muss aber auch ehrlich sagen, dass es ein erhebliches Problem ist, Ärzte zu finden, die auf dem Land arbeiten wollen.“

"Bus löst das Grundproblem nicht"

„Die medizinische Grundversorgung in unseren Kommunen ist nicht mehr ausreichend“, betonte der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes. „Es gibt Bürger, die einen Hausarzt suchen und keinen mehr finden, der sie aufnimmt.“ Vor allem die KV müsse dafür sorgen, diese Probleme zu lösen. Aber auch die Landes- und Bundesregierung hätten Fehler gemacht. „Wir bekommen eine Ergänzung der Versorgung. Darüber freue ich mich. Der Medibus kann aber in keiner Weise das Problem Ärztemangel im ländlichen Raum lösen“, betonte Hilmes. „Ein Bus, der 3,5 Stunden pro Woche kommt, kann keinen Arzt ersetzen, der 60 bis 70 Stunden pro Woche arbeitet.“

Im Versorgungsbereich Sontra, zu dem Sontra, Nentershausen, Cornberg und Herleshausen gehören, sind laut Bedarfsplan zurzeit 3,5 Hausarztstellen unbesetzt.

In Nentershausen sind noch zwei Allgemeinmediziner tätig. In Cornberg gibt es seit über einem Jahr keinen Hausarzt mehr, berichtete Bürgermeister Achim Großkurth im Gespräch mit unserer Zeitung. „Für einige Patienten ist das Projekt Medibus eine Erleichterung. Deshalb begrüße ich es“, sagte Großkurth. Die Bemühungen, eine wohnortnahe Versorgung mit Hausärzten zu sichern, dürfen deshalb aber nicht nachlassen“, sagte er.

EKG und kleines Labor

Im Medibus können Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch Hochbetagte versorgt werden. Der Medibus ist wie eine hausärztliche Praxis mit einem EKG und einem kleinen Labor ausgestattet. Eine fachärztliche Behandlung findet im Medibus nicht statt. Falls notwendig, kann der Arzt des Medibusses den Haus- oder Facharzt seiner Patienten zur Beratung hinzuziehen. Es gibt feste Haltezeiten, zu denen die Patienten eine offene Sprechstunde besuchen können. In Nentershausen hält der Bus mittwochs von 13.30 bis 17 Uhr, in Cornberg montags von 13.30 bis 17 Uhr und mittwochs von 8.30 bis 12 Uhr, in Sontra montags von 8.30 bis 12 Uhr.

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