Seit fünf Jahren unterwegs

Pilger Maik John machte Station in Rotenburg

Das Pilgern ist des Johns Lust: Der Kasseler ist nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren unterwegs. Unser Foto zeigt ihn auf der Alten Fuldabrücke mit Wanderrucksack, Pilgerstab, Jakobsweg-Gedenk-Mütze und seinem inzwischen neunten Paar Schuhe. 

Rotenburg. Seit gut fünf Jahren pilgert Maik John aus Kassel quer durch Europa. Der 53-Jährige ist den Jakobsweg gelaufen, war in Rom, durchquerte Finnland und Norwegen. 

John kennt die Wanderwege Deutschlands so gut wie kaum ein anderer. Jetzt hat der Bäckermeister Station in Rotenburg gemacht. Wer den kleinen, drahtigen Mann mit den ausgeprägten Waden und dem riesigen Wanderrucksack trifft, merkt gleich: Maik John liebt Superlative. „Es gibt in Deutschland, wahrscheinlich in ganz Europa, keinen Pilger, der länger unterwegs ist als ich“, sagt er. „Ich bin jetzt 24 800 Kilometer am Stück gepilgert.“ Und: „Mir winkt ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.“

Überprüfen lassen sich seine Aussagen nur bedingt. Das weiß er auch. Deshalb holt er gut ein Dutzend Hefte aus seiner Beintasche und zeigt voller Stolz Hunderte von Pilgerstempeln, die ihm Geistliche und Bürgermeister in halb Europa gegeben haben. Seinen ersten Stempel habe er von der Vatikan-Polizei bekommen. „Der Weg nach Rom war eines meiner Highlights“, sagt er, „die Menschen in Südtirol waren so herzlich und hilfsbereit, das war schon außergewöhnlich.“

Gastfreundlichkeit ist für Pilger das A und O. „Da ich meine EC-Karte vor fünf Jahren zu Hause gelassen habe und seitdem ohne Geld lebe, bin ich auf Spenden angewiesen“, sagt John. Wie es sich für einen echten Pilger gehört, übernachtet er nur in Pfarrämtern, Klöstern, Pilgerherbergen und im eigenen Zelt, das er stets in seinem 24 Kilogramm schweren Rucksack mit sich herumträgt. In Rotenburg hat er im Pfarramt übernachtet. „Pfarrer Dorfschäfer war ausgesprochen nett“, sagt John, „ich komme gerne wieder“.

Dass er ein echter Pilger ist, darauf legt der gebürtige Thüringer, der später nach Kassel zog, übrigens gesteigerten Wert. „In Innsbruck hat mich der Sänger Frank Zander ein Stück begleitet und lud mich abends ins Hotel ein. Das habe ich abgelehnt.“ Auch der Komiker Hape Kerkeling, der für sein Buch „Ich bin dann mal weg“ auf dem Jakobsweg pilgerte, ist in Johns Augen eine pilgernde Mogelpackung: „Er ist zwischendurch mit der Bahn gefahren und hat im Hotel geschlafen. Das macht ein richtiger Pilger nicht.“

Vom Bäckermeister zum Pilger

Wie kommt ein Bäckermeister, der im elterlichen Betrieb in Mühlhausen (Thüringen) jahrelang Brote gebacken hat, eigentlich auf die Idee, auf Schusters Rappen die Welt zu erkunden? „Die Idee kam mir während einer Bibelstunde in Kassel“, erinnert sich der gläubige Katholik. „Mich hat das einfach fasziniert.“ Als dann sein Pfarrer gescherzt habe, John würde es doch höchstens bis zur Bäckerei schaffen, ging dieser halb aus Trotz, halb aus Abenteuerlust einfach los. Und läuft seitdem. Tag für Tag. Immer weiter. Doch spätestens im Herbst soll vorerst Schluss sein: „Ich will dann erstmal wieder als Bäcker arbeiten.“

Acht Paar Schuhe hat der Junggeselle seit seinem Start vor fünf Jahren verschlissen. „Wenn ich neue Kleidung benötige, jetzt zum Sommer beispielsweise, schicke ich meinen Eltern ein Paket mit meinen Wintersachen und sie schicken mir dann neue Klamotten in das nächste Pfarramt auf meiner Route.“

John geht meist auf Wanderwegen, lässt sich gerne treiben. An guten Tagen läuft er 45 Kilometer. „Morgen will ich es aber nur bis Lispenhausen schaffen, da soll es ein katholisches Kloster geben“, frohlockt er.

Vielleicht kauft er sich dann auch wieder Postkarten. Das macht er gerne, wenn ihm ein Ort gefällt und er Geld aus Spenden übrig hat. „Eine schicke ich dann immer meinen Eltern und eine meinem Pfarrer“, sagt der Pilger, „damit er sieht, dass er sich damals in der Bibelstunde geirrt hat.“

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