Ein Hauch von Hollywood-Romanze

Pianist Michael Kaeshammer spielt im Bebraer Lokschuppen 

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Glückliches Paar: Josephine Neumann aus Ronshausen und Jazzmusiker Michael Kaeshammer. Der 43-Jährige ist Pianist, Sänger und Entertainer und kennt sich Dank mehrerer Familienbesuche in der Region gut aus. 

Werden mit den Juno-Awards die kanadischen Grammys vergeben, ist Michael Kaeshammer oft einer der Nominierten. Bald spielt er im Bebraer Lokschuppen.

Wenn mit den Juno-Awards die kanadischen Grammys vergeben werden, steht Michael Kaeshammer regelmäßig auf der Liste der Nominierten. Der erfolgreiche Jazzmusiker mit den deutschen Wurzeln ließ sein Geburtsland als 16-Jähriger hinter sich, schmerzlich vermisst hat er es lange nicht. Das hat sich geändert: Er ist in seiner alten Heimat auf Tournee, am Freitag spielt er im Bebraer Lokschuppen.

Wer nach einem Grund für die wiederentdeckte Heimatliebe des kanadischen Starmusikers sucht, wird schnell fündig: Sie heißt Josephine Neumann und ist in Ronshausen aufgewachsen. Das Kennenlernen der beiden ist eine deutsch-kanadische Produktion, doch ein Hauch von Hollywood-Romanze steckt ebenfalls in der Geschichte. Sie begegnen sich im April 2017 in Vancouver. 

Josephine Neumann arbeitet während ihres Studiums im deutschen Konsulat. Sie soll das Konzert eines Pianisten promoten, in dessen kanadischen Pass als Geburtsstadt Offenburg steht: Michael Kaeshammer. Man lernt sich kennen, man kann sich gut leiden, doch die Zeit tickt. Im August fliegt die 29-Jährige nach Deutschland – Kaeshammer reist ihr nach, muss zurück nach Kanada, kommt wieder. Im Oktober wird die Stadt Victoria auf Vancouver Island zu Josephines neuer Heimat.

Auf der Insel im Südwestzipfel der kanadischen Provinz British Columbia ist es 9.20 Uhr – fast noch Frühstückszeit. Das Paar hat das Telefon auf Lautsprecher gestellt und plaudert über die letzten Deutschlandbesuche: bei der Hochzeit einer Freundin, beim Besuch der Bad Hersfelder Festspiele („Hair“, anschließend gab es Eis auf dem Marktplatz) und die Kirmes in Ronshausen. 

In der kleinen Gemeinde wird durch die neunstündige Zeitverschiebung wahrscheinlich gerade das Abendessen aufgetischt, aber Michael Kaeshammer erinnert sich, wie er im Sonnenschein an der Straße saß, während die TV Volleyballer als Mona Lisa verkleidet vorbeizogen. „Das war total zum Genießen.“

Angefangen hat er als klassischer Pianist, mit 13 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Jazz und Boogie-Woogie. Als die Familie auswanderte, hatte er bereits Konzerte in ganz Deutschland gespielt. Kanada ist eine Jazzhochburg, das jährliche Festival in Montreal gilt als das größte der Welt. 

Kaeshammer wurde nicht nur am Klavier, sondern auch als Sänger zum Shooting Star. Mittlerweile hat er ein Dutzend Platten veröffentlicht, ist mehrfacher Juno-Preisträger und spielt weltweit Konzerte. Im Oktober bereiste er das neunte Jahr in Folge China für eine vierwöchige Tour.

In Deutschland ist das Paar ein- bis zweimal im Jahr zu Besuch. „Ich bin sehr heimatverbunden“, sagt Josephine Neumann, die an der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule ihr Abitur gemacht hat. Ihre Mutter wohnt in Weimar, es gibt ein gleichnamiges Instrumentalstück auf Kaeshammers Album „Something New“, das damit zu tun hat. Sie besuchte ihre Mutter, er saß in Kanada und komponierte, die beiden telefonierten und vermissten sich. 

Kaeshammer macht das zu Musik. „Ich muss immer aufpassen, was ich sage, weil sonst ein Song daraus wird“, sagt die 29-Jährige. Sie ist auch beruflich Kaeshammers Partnerin ist: „Wir planen mehr für Michael in Deutschland.“ Ihre Künstleragentur sitzt in Ronshausen, im Oktober kommt das Album „Lucky man“ und die nächste Tour.

Beide sind gespannt, wie der Lokschuppen nun aussieht, den sie nur als Baustelle kennen. Der Pianist mag kleine Clubs: „In New Orleans sitzen die Leute einem teilweise auf dem Schoß.“ In Bebra wird er mit einer fünfköpfigen Band auf der Bühne stehen – drei Bläser, ein Bassist, ein Drummer. Kaeshammer spielt Piano und singt.

Eine wachsende Leidenschaft des 43-Jährigen, die fast schon dem Musizieren Konkurrenz macht, ist das Kochen: „Bei beidem muss man die richtigen Zutaten zusammenbringen“, sagt er. Gekaufte Pasta gibt es im Hause Kaeshammer daher nicht: „Wir machen das immer selbst, das ist in einer Stunde fertig.“ Würde er sein Rezept denn verraten? „Na klar“, sagt der Star-Pianist – und tauft das Gericht kurzerhand Bebra-Bolognese. 

Quelle: HNA

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