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Peta attackiert Alheimer Kaninchenzüchter

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Von: Sebastian Schaffner

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Typische Situation bei einer Ausstellung: Ein Kaninchen sitzt vor Preisrichtern, die das Tier nach bestimmten Kriterien bewerten. Unter anderem geht es um das Gewicht, die Körperform, das Fell und den Pflegezustand. Je näher das Kaninchen am „Idealzustand“ ist, desto mehr Punkte bekommt es.
Typische Situation bei einer Ausstellung: Ein Kaninchen sitzt vor Preisrichtern, die das Tier nach bestimmten Kriterien bewerten. Unter anderem geht es um das Gewicht, die Körperform, das Fell und den Pflegezustand. Je näher das Kaninchen am „Idealzustand“ ist, desto mehr Punkte bekommt es. © Lukas Lehmann/Landesverband der Kaninchenzüchter Kurhessen

Kurz vor der Jungtierausstellung in Heinebach macht die Tierrechtsorganisation Peta dem Kaninchenzüchterverein K41 schwere Vorwürfe.

Heinebach – Peta unterstellt den Hobby-Züchtern aus Alheim und Umgebung unter anderem „Rassenwahn“ und wirft ihnen vor, an diesem Wochenende eine „Tierqualausstellung“ veranstalten zu wollen. Der Heinebacher Verein und sein Landesverband weisen die Vorwürfe zurück.

Seit 27 Jahren ist Gerd Becker Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins K41. Aber mit derartigen Vorwürfen, die Peta Deutschland kurz vor der für den Verein so wichtigen Ausstellung per Pressemitteilung verbreitet hat, sah er seinen Verein noch nicht konfrontiert.

Peta behauptet etwa, dass der K41 Besucher dazu verleiten würde, „gezüchtete Kaninchen zu kaufen, während in deutschen Tierheimen tausende Tiere auf ein neues Zuhause warten.“ Gerd Becker sagt: „Wir verkaufen keine Tiere.“ Mit einem großen Publikum rechnet der Vorsitzende ohnehin nicht: „Wir haben doch fast gar keine Zuschauer mehr.“ Gerade einmal zwölf Züchter hätten sich für das Wochenende angemeldet, 87 Tiere würden zu sehen sein, vor allem Blaue Wiener und Lohkaninchen. „Für uns ist das eine Veranstaltung, um nach Corona wieder reinzukommen.“

Unsere Tiere fühlen sich wohl, das hoffe ich jedenfalls.

Gerd Becker Kaninchenzuchtverein K41

Auch den Vorwurf, dass die Jungtierschau „für die sensiblen Fluchttiere, die in sozialen Strukturen leben, zudem massiven Stress“ bedeute, wie Peta behauptet, versteht der Vereinsvorsitzende nicht. „Unsere Tiere fühlen sich wohl, das hoffe ich jedenfalls. Und unsere Ausstellung findet nach den Richtlinien des Tierschutzes statt.“ Viel mehr möchte er zu den Vorwürfen auch nicht sagen, sondern verweist an den Landesverband Kurhessen.

Dessen Vorsitzender Bernhard Große macht schnell klar, was er von diesen teils drastisch formulierten Vorwürfen hält: nichts. „Peta betreibt eine Kampagne gegen Rassekaninchenausstellungen und ist dabei komplett fehlinformiert“, sagt der Eschweger. Etwa der von Peta vorgebrachte Fluchtinstinkt sei beim Hauskaninchen gegenüber dem Wildkaninchen genetisch nachweisbar verloren gegangen, argumentiert der Vorsitzende der kurhessischen Kaninchenzüchter. Zudem handele es sich bei der Schau in Heinebach nicht um eine Verkaufsveranstaltung. „Ziele von Ausstellungen sind die Bewertungen und die Auswahl der zukünftigen Zuchttiere, die frei von körperlichen Defekten sein müssen“, erklärt Große.

Auf Nachfrage unserer Zeitung, woher die Tierschützer die Information haben, dass in Heinebach Tiere gequält und verkauft würden, räumt Peta-Fachreferentin Monic Moll („Bereich Tierische Mitbewohner“) ein, dass sie bei noch keiner Ausstellung in Heinebach gewesen sei. „Das Tierleid präsentiert sich überall im selben Maße“, teilt sie mit. Kaninchen in kleinen, engen Käfigen zu halten, sei kein artgerechter Umgang.

Die Tiere wollten vielmehr „ihren Auslauf im Gras genießen, sich sonnen oder buddeln oder in soziale Interaktionen mit ihren Artgenossen treten“. Unter Tierquälerei verstehe sie, dass Tieren „grundlos Schmerzen oder Leiden zugefügt werden“, etwa bei sogenannten Qualzuchten. Dazu zählten Schlappohrkaninchen, Teddy-Kaninchen und Zwergkaninchen, die nach menschlichen Idealvorstellungen gezüchtet würden, ohne auf das Wohlbefinden der Tiere zu achten.

Zumindest in einem Punkt seien sich die Kaninchenzüchter und Peta einig, sagt Bernhard Große vom Landesverband. Wer ein Heimtier haben möchte, sollte sich im Tierheim umschauen. „Schön wäre es“, sagt Große, „wenn Peta seine Spendeneinnahmen den notleidenden Tierheimen zur Verfügung stellen und nicht für derart sinnlose und fachlich falsche Kampagnen ausgeben würde.“

Kontakt mit dem K41 habe Peta im Zuge der Pressemitteilung übrigens nicht aufgenommen, teilt Peta-Vertreterin Moll mit. Weshalb? „Erfahrungsgemäß lassen sich Züchter und Züchterinnen im direkten Gespräch leider nicht überzeugen, von ihrem traurigen „Hobby“ abzulassen.“

In der Tat sieht es so aus, als perlten die Vorwürfe an den Heinebacher Züchtern ab wie Wassertropfen am Kaninchenfell. „Unsere Jungtierschau findet selbstverständlich statt“, sagt Gerd Becker. Für Publikum geöffnet ist die Veranstaltung am Vereinsheim (In der Katzenlache, Alheim-Heinebach) am heutigen Samstag von 15 bis 18 Uhr und am morgigen Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. (Sebastian Schaffner)

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