Gebürtiger Rotenburger reist nach Taiwan

König der Kämpfer: Jan Openkowski tritt bei Videospiel-WM an

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Jan Openkowski 

Jan Openkowski ist ein Kämpfer. Mit festen Tritten und Schlägen zwingt der gebürtige Rotenburger seine Gegner in die Knie. Allerdings, ohne selbst in den Ring zu steigen.

Denn Jan Openkowski ist ein sogenannter E-Sportler: Er trägt seine Kämpfe virtuell an der Konsole aus. Aber nicht nur auf dem heimischen Sofa, sondern auf internationalem Wettkampfniveau: In Taiwan vertritt der 29-Jährige nächsten Monat Deutschland als Finalist bei der Weltmeisterschaft der Videospielserie „The King of Fighters“ (Der König der Kämpfer).

Das Spiel zählt zu den Fighting-Games (Kampfspiele). Als Wettkampf betrieben sind sie eine Unterform des E-Sports, bei dem sich Menschen mit Hilfe von Computern oder Spielkonsolen miteinander messen. In China und Japan füllen Kampfspiel-Turniere ganze Stadien. Die Veranstaltungen laufen dort mit Live-Kommentator und jubelnden Fans ähnlich ab wie hierzulande ein Spiel der Fußball-Bundesliga. In Deutschland ist das Phänomen hingegen eine Randerscheinung. „Hier nehmen etwa 2000 Videospieler regelmäßig an Kampfspiel-Turnieren teil“, schätzt Openkowski. Er ist einer davon.

Obwohl es mittlerweile auch in Europa Menschen gibt, die mit Kampfspielen ihren Lebensunterhalt bestreiten, sieht Openkowski sie als Hobby an. Eines, das er sehr ernst nimmt: Er steht bei dem Unternehmen Dark Origin unter Vertrag, in dem sich Spieler verschiedener Kampfspiele unter anderem zu Trainingszwecken zusammengeschlossen haben. Der Rotenburger ist auf The King of Fighters spezialisiert. Im August hat er sich in einem knapp siebenstündigen Turnier auf der Videospielmesse Gamescom in Köln für die diesjährige Weltmeisterschaft qualifiziert. „Dass ich bei so einem großen Turnier dabei sein darf, ist völlig neu für mich“, sagt Openkowski.

Bei The King of Fighters schicken die Spieler bis zu drei virtuelle Kämpfer in den Ring. Die Version von 2014 ist die heute noch aktuelle. Screenshot: SNK

Angefangen hat alles in seinem Kinderzimmer in Rotenburg. „Schon damals habe ich gern Kampfspiele gespielt“, erzählt Openkowski. Als das Internet Ende der 90er-Jahre zunehmend die Vernetzung zwischen den Menschen ermöglichte, begann er, sich online mit anderen Spielern zu messen. 2006 nahm er das erste Mal bei einem Kampfspielturnier in Stuttgart teil. Erfolgreich war der damals 16-Jährige zwar nicht, doch er hatte Blut geleckt.

Bei rund 50 Turnieren hat er seitdem seine Krieger in den virtuellen Ring geschickt. Seit neun Jahren organisiert Openkowski auch ein eigenes Turnier: den Hessen Crash, der zweimal pro Jahr in seiner Wahlheimat Frankfurt stattfindet. Auch hierbei liegen die Anfänge in Rotenburg: Die erste Ausgabe ließ Openkowski 2010 in der Jugendherberge austragen. Konnte er damals gerade mal 23 Spieler anlocken, kommen mittlerweile weit über 100 bei seinen Turnieren zusammen. Nun soll Hessen Crash zurück zu seinen Wurzeln. „Ich arbeite daran, die Veranstaltung auch in Rotenburg zu etablieren“, verrät der E-Sportler.

Der Deutsche Olympische Sportbund stuft E-Sport nicht als Sportart ein – doch für Openkowski ist er das. „Ich renne zwar nicht über einen Sportplatz, aber es ist mental sehr anstrengend. Ich muss hoch konzentriert sein.“ Das sei vergleichbar mit Schach – aber mit einer viel höheren Geschwindigkeit.

Die Figuren auf dem Bildschirm bewegen sich mit vollem Körpereinsatz, die Spieler vor der Konsole vor allem ihre Hände. So sieht es aus, wenn Jan Openkowski (rechts) auf einem Kampfspiel-Turnier wie dem Hessen Crash antritt. Foto: David Khan to tuan/nh

Das Klischee vom übergewichtigen Videospieler, der sich die Nächte beim Zocken um die Ohren schlägt und sich nur von Fastfood ernährt, treffe auf E-Sportler nicht zu. „Jeder, der das ernsthaft betreibt, achtet auf eine gesunde Lebensweise, um mental fit zu bleiben“, sagt Openkowski. Er treibt regelmäßig körperlich Sport, trainiert besonders die Hände.

Die wird er bei der kommenden WM brauchen: Sie wird vom 12. bis 14. Juli im Rahmen einer Videospielmesse in Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan, ausgetragen. Außer Openkowski treten nur noch zwei weitere Europäer an, der Großteil der 32 Spieler stammt aus Asien. „Ich denke, ein paar Kämpfe werde ich gewinnen. Aber es wird schwierig, mit den chinesischen Spielern mitzuhalten“, schätzt Openkowski. Kann er sich dennoch durchsetzen, winken 6000 Dollar Preisgeld. Und natürlich ein Titel: Denn dann wäre er buchstäblich der König der Kämpfer. (sgr)

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