Corona-Krise in Hersfeld-Rotenburg

Ohne Altpapier kein Klopapier: Müllverbände warnen vor Engpass

Besteht aus bis zu 100 Prozent Altpapier: Toilettenpapier scheint in der Corona-Krise gefragt wie nie. Sollte es beim Recycling von Altpapier zu Engpässen kommen, ist auch die Klopapier-Produktion gefährdet.  
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Besteht aus bis zu 100 Prozent Altpapier: Toilettenpapier scheint in der Corona-Krise gefragt wie nie. Sollte es beim Recycling von Altpapier zu Engpässen kommen, ist auch die Klopapier-Produktion gefährdet.  

Vor einem Monat hatte Deutschland Altpapier im Überfluss. In der Corona-Krise droht ein Engpass. Die Müllverbände in Hersfeld-Rotenburg mahnen, kein Altpapier zu horten. 

  • Das Coronavirus breitet sich in Hersfeld-Rotenburg aus.
  • Hamsterkäufe nehmen zu, vor allem beim Klopapier.
  • Die Müllverbände warnen nun davor, Altpapier zu horten, damit kein Engpass entsteht.

Die Geschäftsführer der beiden Müllverbände im Landkreis, Jörg Goßmann (AZV) und Sigmar Schäfer (MZV), appellieren an die Bevölkerung, kein Altpapier zu horten, damit es zügig recycelt werden kann – und so die Produktion auch von Toilettenpapier nicht gefährdet wird.

Während im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die Müllabfuhr derzeit gesichert ist, bleiben in anderen Regionen Abfalltonnen bereits stehen, weil wegen des Coronavirus nicht mehr genug Personal da ist. Erschwerend komme hinzu, so MZV-Geschäftsführer Sigmar Schäfer, dass Teile der Industrie und des Einzelhandels stillgelegt seien – alles wichtige Altpapier-Lieferanten. „Umso wichtiger ist das Papier aus der Haussammlung.“

Corona-Krise: Altpapier-Engpässe könnten ganze Produktionslinien gefährden

Fehlender Nachschub könnte bundesweit weitreichende Folgen haben, betont auch AZV-Geschäftsführer Jörg Goßmann „Die Papierindustrie arbeitet just-in-time und hat lediglich Lagerbestände von fünf bis zehn Tagen“. Engpässe könnten ganze Produktionslinien gefährden. Deshalb setzen AZV und MZV alles daran, Papier, Pappe und Kartonagen – kurz PPK – weiterhin regelmäßig abzufahren. 

„Wenn es bei unseren Entsorgern zu personellen Engpässen kommen sollte, würden wir die Sperrmüll- und E-Altgerätesammlung aussetzen, um den PPK-Nachschub zu gewährleisten“, sagt Goßmann. Eine höhere Priorität hat nur noch die Entsorgung von Restmüll und Bioabfall – aus hygienischen Gründen.

Von den Umschlagplätzen im Landkreis gelangt das Altpapier in eine Papiersortieranlage nach Bayern. Dort wird es sortiert, gepresst und in einer Papierfabrik recycelt – zu Verpackungen für Lebensmittel und medizinische Produkte, Zeitungspapier, aber auch Toilettenpapier und andere Hygieneartikel bestehen je nach Art aus 30 bis 100 Prozent Altpapier.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Kreis produziert jährlich Altpapier mit Gewicht des Eiffelturms 

„Vom Einsammeln bis zum neuen Produkt vergehen lediglich zwei bis vier Wochen“, sagt Goßmann. Umso wichtiger sei es, diese Recyclingkette aufrechtzuerhalten.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fallen jährlich pro Haushalt umgerechnet rund 173 Kilogramm Altpapier an. Beide Müllverbände – der MZV, der für Bebra, Ronshausen und Rotenburg zuständig ist, und der AZV, der sich um die Abfälle in den anderen 17 Kreiskommunen kümmert – haben im vergangenen Jahr insgesamt 9043 Tonnen Papier, Pappe und Kartons eingesammelt. Das entspricht etwa dem Gesamtgewicht des Eiffelturms in Paris.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Mehr Zeit zu Hause - mehr Müll zu Hause?

Mehr Zeit zu Hause – mehr Müll zu Hause? Diese naheliegende Gleichung in Corona-Zeiten gilt nach Auskunft des Abfallwirtschaftszweckverbandes Hersfeld-Rotenburg (AZV) und des Müllabhol-Zweckverbandes Rotenburg (MZV) bislang noch nicht im Landkreis. „Bei uns läuft alles stabil“, sagt AZV-Chef Jörg Goßmann, „die Abholung von Abfällen und Wertstoffen ist derzeit sichergestellt“. 

Zwar habe sich die Anzahl der Selbstanlieferungen an der Mülldeponie „Am Mittelrück“ in Friedlos zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen vor einer Woche sprunghaft verdoppelt. „Das hat sich aber inzwischen auf ein normales Maß eingependelt“, so der Geschäftsführer des AZV, der für den Abfall in 17 der insgesamt 20 Kreiskommunen verantwortlich ist. Auch der MZV, der für Bebra, Ronshausen und Rotenburg zuständig ist, teilt auf Nachfrage mit, dass die Leerung der Mülltonnen wegen der Corona-Krise nicht in Gefahr sei.

Außergewöhnlich hohe Abfallmengen seien in den vergangenen Tagen auch nicht angefallen. „Wir haben aber sicherheitshalber unseren Wertstoffhof geschlossen, deshalb entgehen uns Gebühren“, sagt MZV-Geschäftsführer Sigmar Schäfer. Noch seien die Verluste dadurch gering. „Solange wir in drei Monaten aus dem Corona-Schlamassel sind und alles wieder seinen Gang geht, können wir das tragen.“ Seit dieser Woche öffnet der Wertstoffhof in Bebra montags, mittwochs und freitags jeweils von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr – allerdings nur für die Anlieferung von Grünschnitt, „um dem Bedarf der Bürger bei dem jahreszeitlich bedingt steigenden Anfall von Grünabfällen gerecht zu werden“, sagt Schäfer. 

Um den Zahlprozess möglichst kontaktlos zu halten, sollten Anlieferer 3,50 Euro pro 500 Liter passend mitbringen und das Geld in eine extra aufgestellte Box geben. „Gewerbliche Kunden werden über Lieferschein bedient“, so Schäfer. 

Corona Hersfeld-Rotenburg: Schadstoffmobil und Altkleidersammlung entfallen derzeit

Die Sperrmüllabholung findet nach wie vor statt. Auch Elektrogroßgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde werden nach Anmeldung abgeholt. Die Altkleidersammlung ist zunächst eingestellt worden, die Sammelcontainer werden eingezogen, so der MZV. 

Verschoben worden ist auch die ursprünglich in dieser Woche beginnende und noch bis zum 5. Mai geplante kreisweite Sammelaktion von Sonderabfällen mit dem Schadstoffmobil. Ersatztermine teilt der AZV mit, sobald sie feststehen. Das Entsorgungszentrum in Ludwigsau hat noch regulär geöffnet, wochentags von 7.30 bis 16 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr. Aus Sorge vor dem Coronavirus können Anlieferungen allerdings nicht mehr bar oder per EC-Cash bezahlt werden. „Wir arbeiten nur noch mit Rechnungen“, sagt Goßmann, „selbst bei kleinen Beträgen“. 

Info: Beide Müllverbände sind während der Coronakrise über ihre Servicetelefone erreichbar: azv-hef-rof.de, Telefon 06621/923714 und 06621/923715 (AZV) sowie mzv-rotenburg-bebra.de, Telefon 06622/926210 und 06622/926211 (MZV).

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Müll entsorgen aus der Quarantäne

Die beiden Müllverbände im Landkreis, AZV und MZV, unterstützen die Forderung des Bundesumweltministeriums an die Bevölkerung, in der Corona-Krise Abfall zu vermeiden und den Müll möglichst exakt zu sortieren, um eine Überlastung des Entsorgungssystems zu vermeiden. 

Für Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, als Covid-19-Verdachtsfall gelten oder unter häuslicher Quarantäne stehen, gelten hingegen besondere Regeln. Darüber informiert das Umweltministerium und gibt Tipps für die richtige Entsorgung aus Corona-Haushalten:

  • Sämtliche Abfälle, die kontaminiert sein könnten, also auch Bio- und Verpackungsmüll, sollten in stabile, möglichst reißfeste Abfallsäcke oder Müllbeutel gegeben werden. „Das Einwerfen von beispielsweise losen Taschentüchern in eine Abfalltonne ist zu unterlassen“, teilt das Ministerium mit.
  • Die Säcke und Beutel sollten fest verknotet oder zugebunden in die Restmülltonne gegeben werden. „Sie dürfen nicht neben die Mülltonne gestellt werden“, heißt es weiter.
  • Drei Tage vor dem Abholtermin sollten keine Abfälle mehr in die Mülltonnen geworfen werden.
  • Das Ministerium empfiehlt zudem, Glasabfälle und Pfandverpackungen nicht über den Hausmüll zu entsorgen, sondern bis zur Aufhebung der Quarantäne im Haushalt aufzubewahren. Eine Reinigung der Oberflächen sei empfehlenswert.

Von Sebastian Schaffner

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Quelle: HNA

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