„Wertvolles Fahrgastaufkommen wird verschenkt“

NVV will mehr IC-Halte in Bebra und bietet Bahn Zusammenarbeit an

Eisenbahnknoten mit nur einem IC-Halt: Der Bahnhof in Bebra wurde aufwendig modernisiert, auch mit einem Gleis für den Fernverkehr. Derzeit fahren die meisten Fernzüge aber ohne Halt weiter.
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Eisenbahnknoten mit nur einem IC-Halt: Der Bahnhof in Bebra wurde aufwendig modernisiert, auch mit einem Gleis für den Fernverkehr. Derzeit fahren die meisten Fernzüge aber ohne Halt weiter.

Auch der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hofft auf mehr IC-Halte am Bahnhof Bebra.

Bebra – In einem gemeinsamen Schreiben mit der Stadt Bebra und dem Kreis Hersfeld-Rotenburg an den Vorstandsvorsitzenden der DB Fernverkehr heißt es, die Bahn verschenke derzeit „wertvolles Fahrgastaufkommen“, weil die Intercity-Züge auf der Linie Gera-Köln/Düsseldorf nicht in der Eisenbahnerstadt stoppen.

Zuvor hatte bereits die Bebraer Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kritisiert, dass von den drei IC-Linien, die täglich durch Bebra fahren, nur die Intercitys auf der Strecke Kassel – Gera halten. Auch das Stadtparlament hatte eine Resolution, das zu ändern, einstimmig unterstützt. Die Rückmeldung der Bahn durch Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter Hessen: Kurzfristig seien keine weiteren Stopps in Bebra geplant – schon gar nicht im Fahrplan 2021.

Der NVV bietet der Bahn nun eine Kooperation an, die in Wabern bereits in einer ähnlichen Situation bestehe und die für Zuwachs bei den Fahrgastzahlen gesorgt habe. So stellt der der Verkehrsverbund in Aussicht, die Fernverkehrsanbindungen über die eigenen Marketing-Medien zu bewerben. „Wir könnten uns auch vorstellen, bestimmte Verbindungen ähnlich wie bei der City-Funktion der Deutschen Bahn im Fernverkehr zu integrieren“, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Gemeint ist die Nutzung anderer Verkehrsmittel wie Bus und Bahn, um den Bahnhof in Bebra oder andere Ziele im NVV-Gebiet von Bebra aus zu erreichen. „Dies wäre dann bei der Buchung Teil der DB-Fahrkarte und kann von den Fahrgästen genutzt werden“, so Herms. Zudem schlägt der Verkehrsverbund mit Sitz in Kassel vor, dass Fahrgäste innerhalb des NVV-Gebiets auch den IC und ICE mit einer Zusatzfahrkarte ab und nach Bebra nutzen können.

Die Diskussion um das Auslassen der IC-Halte in Bebra erhitze seit Jahren die Gemüter und schade dem Image des öffentlichen Verkehrs, heißt es in dem Offenen Brief weiter. Bebra sei mit 6000 Ein- und Aussteigern pro Tag einer der wichtigsten Bahnhöfe in Nordhessen und biete eine hervorragende Ausgangslage für die Kombination von Nah- und Fernverkehr.

Mit dem NVV-Fahrplanwechsel im Dezember werde Bebra zudem zu einem attraktiven Eisenbahnknoten. Der NVV sieht in der Zusammenarbeit viel Potenzial und eine „große Chance, die wir nicht verstreichen lassen sollten“.

Verschickt wurde der Brief am vergangenen Donnerstag. Eine Rückmeldung der Bahn liegt bisher noch nicht vor.

Fahrplanwechsel: Express-Fahrt nach Frankfurt

Der Knotenpunkt Bebra wird ab Dezember weiter ausgebaut. Mit dem Fahrplanwechsel will der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) sein Angebot zwischen Kassel, Bebra und Bad Hersfeld auf einen 30-Minuten-Takt verdichten. Die Ortsgruppe Bebra der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) begrüßt den Ausbau, nennt aber auch Kritikpunkte.

Positiv sei, dass die ursprünglich nur von Montag bis Freitag vorgesehene Express-Linie zwischen Kassel und Bad Hersfeld alle zwei Stunden auch am Wochenende unterwegs sein wird. Allerdings verpassen die Züge in Bad Hersfeld den angedachten Anschluss an die ICE von und nach Erfurt, Leipzig und Dresden um wenige Minuten.

Für die Zuglinie Göttingen – Eschwege – Bebra ist ein durchgehender Takt geplant, nach dem die Züge zur selben Minute Richtung Bebra oder Göttingen starten und die teils langen Standzeiten von fast 30 Minuten in Eschwege entfallen. Bebra werde zudem als Umsteigebahnhof weiter aufgewertet, weil sich dort die Züge aus verschiedenen Richtungen treffen. Zudem werde der Bahnhof mehrmals täglich zusätzlich an das Rhein-Main-Gebiet angebunden. Dabei werden die bislang in Bad Hersfeld beginnenden und endenden Regionalzüge künftig ab und bis Bebra fahren und bedienen dabei bis Fulda die Halte Bad Hersfeld und Hünfeld.

Besonders hebt die GDL die Verbindung um 6.20 Uhr ab Bebra hervor, die eine Cantus-Fahrt (Abfahrt bisher 6.23 Uhr) ersetzt und in Fulda umsteigefrei auf eine bestehende Express-Fahrt nach Frankfurt übergeht, zu der bisher kein Anschluss bestand. Der Zug fährt dabei künftig um 5.36 Uhr in Kassel ab und bedient neben dem Halt in Wilhelmshöhe auch Melsungen (6 Uhr) und Rotenburg (6.14 Uhr) sowie zusätzlich Neukirchen und Burghaun. Ankunft am Hauptbahnhof Frankfurt ist um 8.08 Uhr.

„Die neue Express-Linie aus Kassel endet leider bereits in Bad Hersfeld“, kritisiert Patrick Rehn. Die Verbünde NVV und RMV sollten sich im Sinne der Kunden an einen gemeinsamen Tisch setzen und den Regionalexpress Kassel-Bad Hersfeld und den Hessen-Express Bebra-Frankfurt miteinander verknüpfen, um somit eine umsteigefreie Linie Kassel – Bebra – Bad Hersfeld – Fulda – Frankfurt zu ermöglichen, so die Forderung. Auch sollte für die Linie Bebra – Eisenach eine bessere Abstimmung auf die Anschlüsse in Eisenach und die Durchbindung über Bebra hinaus nach Kassel geprüft werden. Beides würde die Attraktivität der Linie erhöhen.

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