6000 Teilnehmer in den Kursen von DRK und Johannitern

Nur wenige Menschen erneuern ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse

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Handwerkszeug: Mit solchen Kisten werden die ehrenamtlichen Erste-Hilfe-Ausbilder ausgestattet. Lasse Ellenberger, Ausbildungsleiter beim DRK Rotenburg, packt sogar Handys mit ein, damit man üben kann, wie man einen Notruf absetzt.

Hersfeld-Rotenburg. Es ist der Klassiker: Erste-Hilfe-Kurse werden im Landkreis noch überwiegend von Führerscheinanwärtern besucht. Im vergangenen Jahr haben rund 6000 Menschen an  Lehrgängen im Kreis teilgenommen.

Der DRK-Kreisverband Hersfeld zum Beispiel bietet zwischen 350 und 400 Kurse jährlich an, nur 30 Prozent dienen der Fortbildung beziehungsweise Auffrischung, erklärte Geschäftsführer Frank Leyendecker auf Anfrage.

Im DRK-Kreisverband Rotenburg waren es 2017 104 Grundlehrgänge und 21 Fortbildungskurse. Diese werden überwiegend von betrieblichen Ersthelfern besucht, hat Ausbildungsleiter Lasse Ellenberger beobachtet. Denn diese müssen sich im Gegensatz zu schlichten Autofahrern alle zwei Jahre fortbilden. Das werde von der Berufsgenossenschaft kontrolliert.

Auch die Johanniter bieten Erste-Hilfe-Kurse im Kreis an, 2017 waren es 42, berichtete Marc Dickey vom Regionalverband Kurhessen. Hinzu kamen 19 Auffrischungskurse. Alle Verantwortlichen sind sich einig, dass Auffrischungslehrgänge vor allem für Autofahrer in einem engeren Takt nötig wären. Diese Kurse dauern genauso lange wie die Grundlehrgänge, nämlich neun Stunden, dienen aber nicht nur der Wiederholung, sondern vermitteln auch neue Erkenntnisse. „Wären Autofahrer zur Auffrischung gezwungen, könnte man auch immer wieder auf die wesentlichen Probleme hinweisen – die Bildung von Rettungsgassen und bei Unfällen nicht zu gaffen oder Retter zu behindern“, sagt Frank Leyendecker.

Auch Marc Dickey hält eine verpflichtende Auffrischung, verbunden mit einem Sehtest für Führerscheininhaber etwa alle fünf Jahre für sinnvoll. „Das Problem ist aber, dass dahinter ein Zwang stecken würde. Wir wollen aber, dass die Kursteilnehmer auch motiviert sind, und sehen die Motivation als Aufgabe an.“

Ausbildung ohne Angst

Erste-Hilfe-Kurse sind nicht mehr theoretisch überfrachtet, es geht auch nicht mehr um die reine Lehre des korrekten Kornährenverbands: „Wir wollen Menschen in die Lage versetzen, Verletzten beizustehen“, sagt Lars Ellenberger. Der 44-Jährige ist hauptamtlicher Ausbildungsleiter beim DRK-Kreisverband Rotenburg und räumt gern mit veralteten Vorstellungen in Bezug auf Erste Hilfe auf. 

Die Ausbildung soll realitätsnah sein und den Teilnehmern die Angst nehmen, etwas falsch zu machen, ergänzt Ellenberger, der selbst seit 25 Jahren Kurse leitet und jetzt Chef von 28 ehrenamtlichen Ausbildern ist. Die Lehrgänge wurden zuletzt vor zwei Jahren reformiert und dabei von 16 auf neun Schulstunden reduziert. Beim DRK-Kreisverband Rotenburg findet ein kompletter Erste-Hilfe-Lehrgang jeweils samstags statt. Für Führerscheinanwärter sogar mit einem Rundum-Sorglos-Paket, das heißt, an diesem Tag können die Teilnehmer auch ein Passfoto von sich machen lassen sowie den obligatorischen Sehtest absolvieren. Darum hatten Fahrschulen gebeten. Kurse gibt es an verschiedenen Orten des Kreisverbandes.

Bei einer Mindestteilnehmerzahl von zehn werden die Lehrgänge, auch die, die zur Auffrischung dienen, auch bei den Auftraggebern direkt angeboten. Auch im DRK-Kreisverband Hersfeld hält man es so. „Wir haben sogar schon einen Lehrgang für Motorradfahrer angeboten, bei dem während einer Ausfahrt Unfallszenarien realitätsnah zu bewältigen waren“, bericht Geschäftsführer Frank Leyendecker. 40 ehrenamtliche Ausbilder beschäftigt dieser Kreisverband Hersfeld. 

Die Auffrischungskurse werden fast nur von betrieblichen Ersthelfern genutzt, der Rest der Bevölkerung macht sich rar, haben alle Verantwortlichen der Rettungsdienste festgestellt. Freiwillig besucht werden vor allem Kurse „Erste Hilfe am Kind“. An denen haben im Kreisteil Rotenburg 2017 91 Frauen und Männer teilgenommen. Und – auch das gibt es – „Erste Hilfe am Hund“. Drei bis vier dieser Kurse laufen pro Jahr und sind immer voll, berichtet Lars Ellenberger.

 Mit den Schulen arbeiten alle Rettungsdienste im Kreis gern zusammen. Kinder seien meist hoch motiviert, Lehrgänge werden für Schüler und Lehrer angeboten und Schulsanitätsdienstgruppen ausgebildet.

 „Die Schulen würden solche Lehrgänge noch häufiger buchen, wenn sie entsprechend finanziell unterstützt würden“, glaubt Marc Dickey von den Johannitern. Zwar gibt es schon Kurse wie „Kinderleicht“ für die ganz Kleinen, doch besser wäre es, wenn Kinder und Jugendliche während ihrer gesamten Schullaufbahn etwa dreimal Kurse durchliefen. „Dann hätten wir immer nur Auffrischung“, meint Dickey. 

Und für die Rettungsdienste werde es leichter, ehrenamtlichen Nachwuchs zu rekrutieren, ergänzt Ellenberger.

Hintergrund: 

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin hat Daten rund um die Reanimation (Wiederbelebung) zusammengetragen. Demnach erleiden jedes Jahr rund 50 000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Aber nur in 34 Prozent dieser Notfälle trauen sich Ersthelfer eine Reanimation bis zum Eintreffen des Notarztes zu. Vor neun Jahren lag die Reanimationsquote durch Laien noch deutlich niedriger, bei 16 Prozent. Im europäischen Vergleich liege Deutschland damit im unteren Drittel. Rund 10 000 Menschen mehr könnten jedes Jahr eine Herzattacke überstehen, wenn die Laien-Reanimationsquote höher wäre. (ren)

Quelle: HNA

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