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Noch 300 Lehrstellen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg frei

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Von: Daniel Göbel

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Eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe eröffnet vielfältige  Karriereoptionen. Trotzdem sind viele Ausbildungsstellen im Handwerksbereich unbesetzt.
Eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe eröffnet vielfältige Karriereoptionen. Trotzdem sind viele Ausbildungsstellen im Handwerksbereich unbesetzt. © Timo Volz

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es aktuell noch rund 300 offene Ausbildungsstellen, die sofort besetzt werden könnten. Das teilt die zuständige Agentur für Arbeit Hersfeld-Fulda auf Nachfrage mit.

Hersfeld-Rotenburg – „Es gibt also auch nach dem Ausbildungsbeginn im Sommer zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr gute Chancen, mit einer Berufsausbildung zu starten“, erklärt der Leiter der Arbeitsagentur, Waldemar Dombrowski.

Der Bedarf an Auszubildenden bestehe in nahezu allen Branchen. Der Arbeitsagentur liegen freie Ausbildungsplätze vor von A wie Altenpfleger bis Z wie Zweiradmechatroniker. Besonders gefragt sind laut Dombrowski junge Menschen, die eine Ausbildung im Baubereich anstreben. Dazu gehören beispielsweise Berufe wie Baugeräteführer und Hoch- oder Tiefbauarbeiter. Ebenso werden angehende Berufskraftfahrer, Kaufleute für Büromanagement und Auszubildende im Lebensmittelfachverkauf (Bäckerei) gesucht.

Die meisten jungen Menschen im Landkreis würden auch in diesem Ausbildungsjahr bei ihrer Berufswahl an der traditionellen Einteilung in „Männer- und Frauenberufe“ festhalten, stellt die Agentur für Arbeit fest: „Wir empfehlen angehenden Auszubildenden eine Erweiterung der Blickwinkel, um die eigenen Potenziale zu nutzen“, so Dombrowski.

Hoch oben auf der Beliebtheitsskala rangierten bei den Jugendlichen im Landkreis kaufmännische Berufe. Während sich bei jungen Frauen unter den Top-Ten der Wunschberufe beispielsweise die medizinische Fachangestellte, Friseurin und Verkäuferin am häufigsten wiederfindet, strebten junge Männer eher eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, zum Elektroniker oder zum Tischler an.

Dass es schwieriger wird, alle Ausbildungsplätze zu besetzen, bestätigen auch große Betriebe und Organisationen im Landkreis. Sie setzen in Sachen Nachwuchsrekrutierung vor allem auf Berufsbildungsmessen und Werbung im Internet. Bereits jetzt werben Arbeitgeber um junge Menschen für das kommende Ausbildungsjahr.

Firmen buhlen um Nachwuchs

In nahezu allen Branchen gibt es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg freie Ausbildungsplätze, die sofort besetzt werden könnten. Dabei wird es auch für größere Ausbildungsbetriebe und Institutionen zunehmend zur Herausforderung, alle Stellen zu füllen.

„Das ist verschiedenen Einflüssen geschuldet, unserer eigenen Situation, aber auch der Corona-Pandemie“, sagt Torsten Buske, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Vitesco Technologie über den Standort Bebra. Dennoch sei die ehemalige Continental-Tochter in der glücklichen Situation gewesen, auch in diesem Jahr alle Ausbildungsplätze besetzen zu können. Derzeit arbeiten im Bebraer Werk laut Azubi-Teamleiterin Antje Geiger acht Vitesco-Auszubildende und neun externe Auszubildende, die im Rahmen einer überbetrieblichen Ausbildung von anderen Firmen kommen – darunter angehende Elektroniker, Industriemechaniker und Produktdesigner.

Auch im Landratsamt konnten laut Kreissprecherin Jasmin Krenz alle elf Ausbildungsplätze in den Bereichen Verwaltung und Informatik besetzt werden. „Wir prüfen aktuell, ob wir 2023 noch mehr Ausbildungsstellen schaffen können. Das benötigt mehr Betreuung, die erst einmal organisiert werden muss.“ Bis zum 20. September läuft noch die Bewerbungsfrist für das kommende Ausbildungsjahr.

27 neue Pflegekräfte am Klinikum

Im Klinikum Hersfeld-Rotenburg haben laut Sprecherin Loreen Sippel 27 junge Menschen eine Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen sowie zwei als Kaufmann im Gesundheitswesen. Neben drei neuen Auszubildenden als MFA beginnt ein Student das Duale Studium Gesundheitsmanagement.

Da die Ausbildung im Klinikum erst zum 1. Oktober beginnt und noch freie Plätze vorhanden sind, können sich Interessierte noch bis zum Ende des Monats im Klinikum bewerben.

Laut der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg gibt es im Bereich des Handwerks noch etliche freie Stellen. Besonders gute Chancen haben angehende Bäcker, Metzger und Friseure, sagt Geschäftsführer Hans Wilhelm Saal. Momentan befinden sich im Landkreis 179 junge Menschen in einer Ausbildung im Handwerk. Nach acht Jahren Pause ist auch das Forstamt in Rotenburg wieder auf der Suche nach zwei Auszubildenden für das kommende Jahr. Wer sich für den Beruf des Forstwirts interessiert, kann sich noch bis zum 1. Oktober bewerben.

Unser Bild zeigt Daniel Ernst (von links), zuständig für die Ausbildung im Forstamt Rotenburg mit dem stellvertretenden Forstamtleiter Hilmar von Bodelschwingh.
Das Forstamt Rotenburg bildet nach acht Jahren Pause ab dem kommenden Jahr wieder Forstwirte aus. Unser Bild zeigt Daniel Ernst (von links), zuständig für die Ausbildung im Forstamt mit dem stellvertretenden Forstamtleiter Hilmar von Bodelschwingh. © Daniel Göbel

„Der Umbau zu Mischwäldern erfordert auch bei uns wieder einen höheren Bedarf an Fachpersonal“, erklärt Daniel Ernst, der im Forstamt für den Bereich Ausbildung zuständig ist. Das Berufsfeld sei äußerst vielfältig – und nicht bloß auf das Fällen von Bäumen beschränkt. Daher sucht sich das Forstamt die künftigen Mitarbeiter ganz genau aus. Dazu zählt etwa ein Bewerbungsverfahren, das aus einem Wissenstest, einem Interview und einer praktischen Aufgabe verbunden ist. Ein Grundmaß an körperlicher Fitness sowie technischen Verständnis seien dabei von Vorteil.

Auch das Forstamt in Bad Hersfeld bietet jedes Jahr zwei Ausbildungsplätze im Bereich Forstwirt an, im Forstamtbüro wird darüber hinaus ebenfalls ausgebildet, erklärt Forstamtleiter Oliver Scholz. Ein Mangel an Bewerbern konnte bislang nicht festgestellt werden.

Die zwei Plätze, die wir zu vergeben haben, konnten wir immer gut besetzen, weil es auch nicht so viele Betriebe gibt, die eine solche Ausbildung anbieten.“

Mehr als 300 Auszubildende bei K+S

Mit mehr als 300 Auszubildenden ist das Werk Werra des Bergbauunternehmens K+S eine der größten Ausbildungsstätten in der Region. Auch K+S setzt in Sachen Rekrutierung laut Konzernsprecher Marcus Janz auf Werbung. So können Interessierte bei einem Ausbildungs-Erlebnistag am Donnerstag, 22. September, mehr über das Ausbildungsangebot in der Ausbildungswerkstatt am Standort Hattorf erfahren.

Im Bebraer Hilti-Werk haben in diesem Jahr drei Nachwuchskräfte ihre Ausbildung als Kaufleute für Büromanagement begonnen. „Speziell im Ausbildungsberuf „Mechatroniker haben wir einen Rückgang an Bewerbungen festgestellt und konnten diesen Ausbildungsplatz am Standort Bebra nicht besetzen“, sagt Konzernsprecherin Claudia Wallner. Sie sieht den Grund für den Rückgang in den geburtenschwachen Jahrgängen ab 2000 und in einem Trend zum Hochschulstudium. Daher setze die Firma auf ein umfangreiches Ausbildungsprogramm. „Jeder Auszubildende profitiert neben attraktiven Rahmenbedingungen von einer individuellen Förderung.“ (Daniel Göbel)

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