Auch für die Fuldaaue zuständig

Lebensgefahr: Ranger sorgt für Einhaltung des Betretungsverbots am Niederellenbacher See 

+
Die Idylle soll nur noch aus der Ferne betrachtet werden, sagen Bürgermeister Georg Lüdtke (links) und Ranger Gerhard Bruchhäuser. Am Hang hinten rechts sind zwei Steinbrocken zu erkennen, die direkt an einem Trampelpfad abgebrochen sind – und laut Lüdtke vor zwei Wochen noch nicht dort lagen.

Das ging schnell: Die Probleme mit illegalen Badegästen am Niederellenbacher See werden seit einigen Tagen aktiv angegangen

Die Zahl der Besucher hat sich schon deutlich verringert. Vor drei Wochen berichtete unsere Zeitung vom schon seit Jahren bestehenden Müllproblem und den Nöten der Anwohner durch die Wild- und Falschparker. Viel wichtiger aber: Anfang August hat die Bergbehörde in einem Gutachten erklärt, dass rund um den See erhöhte Lebensgefahr besteht. Die Gemeinde reagierte umgehend.

Ein neuer Zaun wurde rund um den See errichtet und jede Menge neuer Schilder aufgestellt – sodass eigentlich jeder, der den Zaun überwindet, genau weiß, dass er etwas Verbotenes tut. Doch weil das viele nicht von einem Besuch des Sees abhält, wird dort zusätzlich seit einigen Tagen Gerhard Bruchhäuser als Ranger eingesetzt. „Schilder können eben nicht reden. Ich suche das Gespräch und erkläre den Menschen, warum sie hier nicht baden können. Das ist zu ihrem eigenen Schutz“, sagt der Baumbacher, der bei einem Alheimer Elektro-Unternehmen arbeitet.

Reicht alleine nicht: Der neue Zaun hat zwei dünne Drahtseile, damit Tiere das Hindernis passieren können. Auch die Zahl der Verbotsschilder wurde deutlich erhöht.

Und der Grund für das Betretungsverbot ist einleuchtend. Der See ist in einem ehemaligen Gipssteinbruch entstanden. Der Untergrund ist also nicht stabil. Am Ufer können der Hang abrutschen und Gesteinsbrocken abbrechen sowie Hohlräume unter der Erdoberfläche einstürzen. „Wenn der Grundwasserspiegel sinkt, kann sich außerdem am Grund des Sees etwas lösen. Es entsteht ein Strudel, der selbst gute Schwimmer nach unten ziehen kann“, erklärt der 52-Jährige. Und: Wer von den Klippen herunterspringe, könne zwar heil im Wasser ankommen – doch dann könnten sich an der Absprungstelle Steine lösen und auf den Badenden fallen.

Das heiße Wetter hat Bruchhäuser schon am ersten Wochenende in seiner neuen Tätigkeit voll gefordert. Er hat ab Freitagnachmittag viele Stunden am See verbracht. „Am Samstag kamen über 100 Gäste.“ Jeder einzelne davon verließ nach einem Gespräch mit dem Ranger das Gelände. „Die waren verwundert, dass hier auf einmal jemand da ist, der nach dem Rechten schaut – aber alle waren kooperativ“, sagt Bruchhäuser. Er rede freundlich mit dem Menschen, erkläre ihnen die Gründe für das Betretungsverbot und gebe ihnen Tipps, wo man legal baden kann.

Lediglich in drei Fällen musste er bislang etwas resoluter auftreten. „Ich kann einen Platzverweis aussprechen. Das wird aber in den seltensten Fällen notwendig sein. Die Androhung reicht meistens – aber selbst die versuche ich zu umgehen und baue auf Aufklärung.“ Wenn ein Platzverweis ignoriert würde, könnte er Amtshilfe von der Polizei anfordern.

Die Badegäste kommen laut Bruchhäuser zu 80 Prozent aus Gegenden wie Fulda, Kassel, Melsungen und Fritzlar – und von der Rotenburger Landesfinanzschule. In Internetforen und auf Facebook-Seiten wird der See als Geheimtipp angepriesen. Bruchhäuser sorgt nun auch dafür, dass dort das Betretungsverbot und der Grund dafür bekannt gemacht werden.

Positiv sei seine Präsenz am See schon jetzt in der Dorfbevölkerung, beim Jagdpächter und bei den Landwirten aufgenommen worden. Der Ranger sagt: „Das Ziel ist, dass hier niemand mehr badet.“ 

Auch ein Auge auf Angler und Hundebesitzer

Ranger Gerhard Bruchhäuser ist auf Beschluss des Gemeindevorstands auf Minijob-Basis eingestellt worden – ein zweiter Ranger soll hinzukommen. Das Aufgabenfeld beinhaltet die Überwachung von allen Steinbrüchen und Kiesgruben auf dem Gemeindegebiet. 

Außerdem schaut Bruchhäuser, ob illegal Grünschnitt und Abfälle entsorgt werden und ob Angler sich korrekt verhalten. „Ich habe schon erlebt, dass Menschen mit dem Auto in der Fuldaaue bis auf einen Meter an die Abbruchkante des Flusses herangefahren sind“, sagt er. Angler wüssten in der Regel ganz genau, wo sie angeln dürfen. Dazu brauchen sie neben dem Jahresfischereischein auch den auf das jeweilige Gewässer bezogenen Erlaubnisschein. Falls Bruchhäuser Verstöße feststellt, meldet er diese den zuständigen Angelvereinen. Auch auf Hundehalter, die ihre Tiere ohne Leine herumlaufen lassen, wird er ein Auge haben – vor allem in der Brutzeit von März bis Ende August. 

Für die Aufgabe des Rangers ist er prädestiniert. Er ist ausgebildeter Forstwirt, beim Naturschutzbund Nabu aktiv und als Naturfotograf ohnehin sehr oft draußen unterwegs. Also kann er den Bauhof auf Probleme wie beschädigte Sitzbänke und Wanderschilder hinweisen oder zugewachsene Schilder selbst freischneiden. Acht Jahre lang hat Bruchhäuser bei der Bundeswehr gearbeitet und danach als Fachkraft für Schutz und Sicherheit unter anderem in der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung. Dadurch hat er die Befugnis zu ordnungsbehördlichen Tätigkeiten, soll aber zusätzlich noch weitergebildet werden. 

Ranger Gerhard Bruchhäuser hat auch die Fuldaaue im Blick. 

Bruchhäuser ist klar, dass es häufig seine Aufgabe ist, die Menschen darauf hinzuweisen, dass sie das, was sie gerne tun, nicht tun dürfen. „Ich bin aber kein Knöllchenjäger, sondern möchte den Menschen erklären, warum etwas verboten ist. Ich liebe die Natur – und die müssen wir vernünftig behandeln.“ Allerdings ist der Baumbacher nicht nur Ranger, sondern auch Naturraumbotschafter der Gemeinde. In der Funktion soll er Touristen und interessierten Einheimischen die Natur in Alheim näherbringen. Er macht auch Bestandsaufnahmen zu bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Seine Zählungen könnten dann dazu führen, dass neue Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen werden. 

Im Winter soll der 52-Jährige an der Erstellung eines Konzeptes für den Naturraum in der Gemeinde mitarbeiten – das entsteht laut Bürgermeister Georg Lüdtke unter anderem in Zusammenarbeit mit der Stadt Bebra und deren Ranger Jürgen Rieger, den Bruchhäuser aus seiner Bundeswehrzeit kennt. 

„Wir sind sehr froh, dass wir Herrn Bruchhäuser für diese Aufgabe gewinnen konnten. Wir standen schon im vergangenen Jahr im Austausch“, sagt Bürgermeister Lüdtke. Bezahlt werden soll der Ranger mit Geld aus der Naturschutzabgabe. Außerdem will Alheim Fördergeld beantragen. 

Kommentar von Christopher Ziermann: Unpopulär, aber sinnvoll

Baden an einem traumhaften See, versteckt in einer Senke, wo man eigentlich niemanden stört, wenn man sich benimmt? Den Hund in der Fuldaaue mal von der Leine lassen? Dort angeln, wo es am schönsten ist? Ist doch nichts dabei? Eben doch. 

Deutschland reguliert sich tot. Es gibt für alles eine Vorschrift. Es gibt zu viele Verbote – all das ist unpopulär, aber es gibt eben auch Gründe dafür. Im Fall des Niederellenbacher Sees sind es besonders gute. Große Unfälle gab es dort bislang zwar nicht – aber in Deutschland muss nicht erst etwas passieren, bevor reagiert wird, und das ist gut so. 

Losgelöst vom Sicherheitsproblem sind alle anderen Zuständigkeitsbereiche des Rangers zu betrachten. Warum braucht man ihn? Weil kurioserweise ausgerechnet die Menschen, die die Natur suchen, sich dort oft so verhalten, wie man es nicht sollte. 

Die Rangerlösung, mit der Alheim und Bebra das Problem nun angehen, ist sinnvoll und sollte auch bei den Nachbarn flächendeckend – mindestens in den Kommunen entlang der Fulda – umgesetzt werden, denn die Probleme sind überall die gleichen

Quelle: HNA

Kommentare