1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Kreisteil Rotenburg

Niederellenbacher See: Bürger kämpfen fürs Baden - Interessengemeinschaft holt Expertenrat ein

Erstellt:

Von: Christopher Ziermann

Kommentare

Den Niederellenbacher See darf man derzeit nur aus der Ferne betrachten.
Den Niederellenbacher See darf man derzeit nur aus der Ferne betrachten. © Jörg Becker

Darf man im Niederellenbacher See künftig baden oder nicht? Diese Frage stand bislang in der politischen Debatte um den ehemaligen Gipsbruch eher hintenan.

Niederellenbach – Denn schon für das illegale Baden ist die Frage der Haftung aus Sicht der Gemeinde Alheim bislang nicht zufriedenstellend geklärt. Die sogenannte Interessengemeinschaft Niederellenbacher See möchte noch mehr: den Badespaß legalisieren.

In dieser Initiative haben sich einzelne Bürger zusammengeschlossen – nicht nur aus Niederellenbach, sondern auch aus Oberellenbach, Sterkelshausen, Baumbach und weiteren Alheimer Ortsteilen. Martin Spieker sagt: „Das Naturerlebnis im ehemaligen Gipsbruch ist etwas so Besonderes – das muss man den Menschen der Region zugänglich machen.“ Jakob Klassen fügt hinzu: „Der See ist ein Ort der Begegnung. Für verschiedene Generationen und auch für Bevölkerungsgruppen, die sonst keine Berührungspunkte miteinander haben.“

Bürger kämpfen fürs Baden: Gute Freizeitmöglichkeit für Kinder und Jugendliche in Alheim

Eine Bademöglichkeit vor der Haustür sei für Kinder und Jugendliche ein guter Grund, ihre Freizeit lieber im Freien und mit Bewegung als drinnen am Computer zu verbringen. Ein weiterer Punkt ist Klassen besonders wichtig. „Wir müssen auch an die Menschen denken, die nicht das Geld dafür haben, zweimal im Jahr in den Urlaub zu fliegen. An den See kann jeder kommen.“

Ähnlich wie die Interessengemeinschaft sehen es offenbar auch rund 600 andere Personen, die das Anliegen im Sommer auf einer Unterschriftenliste unterstützt haben. Seitdem ist aus dem zunächst vermeintlich frommen Wunsch nach dem Baden ein auch mit Fachwissen untermauerter Vorschlag geworden, betonen die Bürger um Spieker und Klassen sowie Jörg Becker, der bereits im Juni öffentlich fürs Baden eingetreten war – wir berichteten. Die Gruppe hat sich mit dem Thema Sicherheit auf dem laut einem Gutachten teilweise einsturzgefährdeten Gelände ebenso beschäftigt wie mit der Haftungsfrage.

Wie es mit dem See weitergeht, dazu will die Alheimer Verwaltung in der übernächsten Gemeindevertretersitzung einen Beschlussvorschlag auf den Tisch bringen

„Unserer Meinung nach ist es möglich, die Gefahrenstellen zu lokalisieren, zu bewerten und dann zu schauen, wie man damit umgeht. Wie man sie sicherer machen kann oder in manchen Fällen vielleicht auch sperren muss“, sagt Spieker. Er und seine Mitstreiter stützen sich dabei auf geologische Expertise, die sie demnächst auch den gemeindepolitischen Gremien vorstellen wollen. „Wir haben zu allen Gefahrenstellen schon in Ansätzen Vorschläge gemacht.“ Auch der juristische Blickwinkel mit der Frage nach der Haftung werde beleuchtet.

Die Gruppe betont weiter, dass man auf keinen Fall den ausufernden und unkontrollierten Badetourismus der vergangenen Jahre haben wolle. Dafür müsse Verantwortung übernommen werden. „Natürlich wollen wir uns auch selbst engagieren – und bei und mit den Kindern und Jugendlichen das Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir Bürger gemeinsam zu einem solchen Ort der Begegnung beitragen müssen“, sagt Jörg Becker. Das funktioniere aber nicht über Hinweisschilder und Zäune, sondern über persönliche Ansprache. Die Interessengemeinschaft identifiziert sich mit den Naturschutzzielen des Vereins Niederellenbacher See, betonen die Mitglieder. Mit dem Verein wolle man ebenso zusammenarbeiten wie mit der Firma Beisheim und der Gemeinde Alheim. „Wir wollen letztlich alle das Beste für diesen einzigartigen Ort und die Menschen“, sagt Martin Spieker.

Wie und unter welchen rechtlichen Bedingungen es mit dem See weitergeht und welche Akteure dabei einbezogen werden – dazu will die Alheimer Verwaltung voraussichtlich in der übernächsten Gemeindevertretersitzung einen Beschlussvorschlag auf den Tisch bringen, heißt es aus dem Rathaus. Die Sitzung ist für April geplant.

Vorbild ist der Grüne See bei Witzenhausen

Was nach dem Willen der Interessengemeinschaft in Niederellenbach entstehen soll, gibt es im Witzenhäuser Ortsteil Hundelshausen schon. Dort ist in einem ehemaligen Gipsbruch der sogenannte Grüne See entstanden.

Er war lange als Naturschwimmbad eingestuft. Im Frühjahr 2020 wurde dort aber auch die Frage der Haftung neu diskutiert. Der Rückbau von Kiosk, Toilette, Steg und weiterer Einrichtung, die man sonst aus Schwimmbädern kennt, stand im Raum. Die Infrastruktur ist durch Engagement der Bürger entstanden.

Die Stadt Witzenhausen ließ den See rechtlich bewerten – ein Gutachten ergab, dass das Gewässer sowohl Elemente eines Naturbades als auch einer Badestelle hat. Die Haftung ist bei Letzterem weniger kompliziert. Die Stadt stellte Schilder auf, die den Grünen See als Badestelle ausweisen, und nahmen kleine Änderungen vor. Zum Beispiel erhielt der Steg ein Geländer und die Badeinsel wurde am Ufer vertäut. Eine Badeaufsicht der DLRG gibt es seither auch nicht mehr. Mit einer Rettungssäule kann man im Notfall direkt die Leitstelle kontaktieren. (Christopher Ziermann)

Auch interessant

Kommentare