Interview zur Stadtentwicklung in Bebra

Neuer SEB-Chef Stefan Pruschwitz: „Pause können wir uns nicht leisten“

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Neu in der Biberstadt, aber im Landkreis kein Unbekannter: Stefan Pruschwitz übernimmt im April den Chefposten von Bebras Stadtentwicklung SEB.

Im April übernimmt Stefan Pruschwitz den Chefposten von Bebras Stadtentwicklung SEB. Wir haben mit dem 52-Jährigen gesprochen. 

Unter anderem waren die 1250-Jahrfeier der Biberstadt sowie Konkurrenz und Kooperation mit den Nachbarstädten Thema.

Herr Pruschwitz, in der Region kennt man Sie als kaufmännischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele. Jetzt werden Sie Stadtentwickler in Bebra – wie viel des Jobs ist Zahlenwerk, wie viel Vision?

Als Geschäftsführer ist man per se erst einmal für die Zahlen verantwortlich. Wir haben in Bebra mit dem be! und dem Lokschuppen Projekte im Portfolio, bei denen es fahrlässig wäre, nicht auf die Zahlen zu achten. Aber Stadtentwicklung heißt auch, die Stadt voranzubringen. Neue Ideen und neue Projekte zu entwickeln. Ich werde mit Sicherheit nicht nur im Kämmerchen sitzen und meine Tabellen wälzen. Deshalb hat man in Bebra eine Stadtentwicklungsgesellschaft gegründet, die neben der Verwaltung solche Prozesse anpacken kann.

Das be! und der Lokschuppen sind Projekte Ihres Vorgängers Stefan Knoche. Welches wird Ihres?

In den Vorgesprächen kam häufiger das Thema Breitenbacher Seen auf. Es gibt Ideen, dieses Kleinod zu entwickeln. So richtig vorangekommen ist man da aber noch nicht. Dafür eine Vision, dafür ein Konzept zu entwickeln, das ist eines meiner Ziele.

Aber auch in der Innenstadt gibt es Flächen, bei denen überlegt werden muss, wie es weitergeht. Das be! war der richtige Akzent, den Handel in Bebra als Kleinstadt noch einmal zu stärken. Das ist aus meiner Sicht voll aufgegangen und ist eine Blume, die weiter gepflegt werden muss.

Beim Neujahrsempfang haben Sie gesagt, die Kreisstadt schaue mit Neid nach Bebra. Was war damit gemeint?

Wenn man sich in Bad Hersfeld auf seine Stärken besinnen würde, wäre das überhaupt keine Diskussion. Bad Hersfeld hat eine tolle Einkaufsinnenstadt, einen Kurpark, der seinesgleichen sucht, das Lullusfest. Veranstaltungen wie die Festspiele. Mensch, einfach mal stolz drauf sein. Man beschäftigt sich stattdessen gern mit internen Themen. Was Bebra der Kreisstadt aktuell voraushat, ist, dass man positiver auf die eigene Stadt schaut und stolz ist auf das, was man geleistet hat.

Bad Hersfeld will sein Stadtmarketing verbessern. Wollten Sie nicht so lange warten?

Das ist jetzt eine Falle, oder? (lacht) Der Job in Bebra passt einfach zu mir. Ich arbeite mit einem eingespielten Team und einem Aufsichtsrat, der bereit ist, Visionen mitzugehen.

Mir ist ein Modell, das bereits bewiesen hat, dass es funktioniert, mehr wert gewesen, als noch einmal das Wagnis Bad Hersfeld einzugehen. Bebra ist für mich nah genug dran, um auch abends und am Wochenende präsent zu sein. Aber es gibt mir auch die Möglichkeit zu sagen: Jetzt fahre ich mal nach Hause.

Apropos eingespieltes Team: Ist es von Vorteil, wenn der Bürgermeister auch der Vorgänger als Stadtentwickler ist?

Er wird auf alle Fälle verstehen, was ich von ihm will. Wir haben uns die letzten Wochen kennengelernt und wissen, wie der jeweils andere tickt. Sicher gab es die ein oder andere Warnung: Machst du das, quatscht der dir doch laufend in deinen Job rein. Ich habe als Geschäftsführer, genau wie Stefan Knoche als Aufsichtsratschef und Bürgermeister, einen klar umrissenen Auftrag. Da sind genügend Schnittstellen, aber auch genügend eigene Kompetenzen.

Beim Nachbarn in Rotenburg gibt es mit dem Red Castle Run und Annotopia Events mit großer Strahlkraft. Will Bebra das auch?

Ich möchte das nicht ausschließen. Ich habe mit „Bamberg zaubert“ eines der größten Kleinkunstfestivals ins Leben gerufen, das mittlerweile 20 Jahre alt ist. Solche Events haben dann Relevanz, wenn sie Menschen von außen und damit Kaufkraft in die Stadt locken. Aber der Kosten-Nutzen-Aufwand muss passen, und es muss eine Idee da sein, die zu Bebra passt. Wir werden im Team überlegen, ob es dafür einen Ansatz gibt, und wenn die Chance da ist, werden wir es versuchen.

Aber ich sehe die Aufgabe der Stadtentwicklungsgesellschaft nicht allein darin, Events zu veranstalten. Mir ist wichtiger, dass der Lokschuppen auf Dauer funktioniert und als eine der coolsten Veranstaltungslocations in der Region angesehen wird. Mir ist es wichtiger, dass unsere Mieter im be! sagen: Hey, das ist der richtige Standort, um Geschäfte zu betreiben. Und mir ist es wichtiger, dass die Bebraner jeden Tag in die Stadt gehen können und finden, was sie brauchen.

Es heißt immer: Gemeinsam geht mehr. Wird es Projekte mit Rotenburg geben?

Wir sind einem Austausch gegenüber sehr offen. Es ist immer besser, wenn es in der Umgebung gut gehende Städte gibt und die Region stark ist. Wir haben nicht den Anspruch, die „große“ Stadt in Nordhessen zu sein. Wir sehen das realistisch und wissen, dass wir eine Kleinstadt mit 13 000 Einwohnern sind. Da wollen wir allerdings stark sein. Und wenn Rotenburg nebenan eigene Ideen hat, die auch stark sind, dann hilft uns das nur.

Das klingt nach Zusammenarbeit, indem man sich nicht gegenseitig das Wasser abgräbt.

Bei 365 Tagen wird es auch Zeiten geben, wo man um die gleichen Wochenenden kämpft. Eine gewisse Konkurrenz wird schon noch da sein. Aber Wettbewerb, wenn er gut geführt ist, wenn er kooperativ ist, kann Rotenburg und Bebra nach vorne bringen.

Wir werden aber sicherlich nicht dasitzen und sagen: Nur weil die anderen bestimmte Termine belegen, machen wir nichts.

Haben Sie schon eine Idee, was Anfang April auf Ihrem Schreibtisch wartet?

Ich bin momentan einmal die Woche für eine Stunde im Team, um einfach den Übergang hinzubekommen. Wir haben das Stadtjubiläum vor der Nase, das im Juni ansteht. Für „Ab in die Mitte“ ist jetzt ein Konzept erstellt worden, das umgesetzt werden muss. Es liegen genügend Dinge auf dem Schreibtisch, die erledigt werden müssen.

Wird die Jubiläumsfeier bereits Ihre Handschrift tragen? Im Programm gibt es noch einige Lücken.

Das wird schon meine Handschrift. Wir werden nicht jedes Wochenende etwas machen und es soll ein großes Abschlussevent geben. Das ist von der Grundidee schon vorbereitet, aber die Umsetzung obliegt mir und da werde ich auch meine Ideen miteinbringen.

Ich habe schon die ein oder andere neue Stelle in meinem Leben angetreten. Jetzt kommt es darauf an, sehr schnell Kontakte aufzubauen, aber auch zu zeigen, was wir als Stadtentwicklung im neuen Team drauf haben. Es gibt kein Abtasten. Das ist rein in die Vollen. Pause können wir uns nicht leisten.

Bleibt da überhaupt noch Zeit für Ihre große Leidenschaft, das Waldbaden?

Auf alle Fälle. Im Stadtmarketing kann es häufiger mal heiß hergehen, und ich habe mit Waldbaden etwas gefunden, das mich entschleunigt. Es gibt hier in der Region Wälder, die perfekt dafür geeignet sind.

Ich war in den letzten Wochen vermehrt rund um Bebra unterwegs, da gibt es ganz tolle, stille Orte, wo man Energie tanken kann. In Lüdersdorf zum Beispiel werde ich sicher noch die ein oder andere Ecke erkunden. Das schafft man auch in der Mittagspause, aber am besten geht es am Wochenende.

Es bleibt meine Passion: Andere sind Fußballtrainer, ich bin Waldbademeister.

Zur Person: 

Stefan Pruschwitz (52) ist gebürtiger Oberfranke und in Münchberg (Bayern) aufgewachsen. Nach dem Geografie-Studium in Bayreuth arbeitete er ab 1995 als Projektleiter für die Industrie- und Handelskammer, bevor er 1997 Geschäftsführer des Bamberger Stadtmarketings wurde. Ab 2003 organisierte er für die Festspielstadt Wunsiedel das Königin-Luise-Jahr, 2005 übernahm er die Geschäftsführung des Stadtmarketings in Worms (Rheinland-Pfalz). 2011 wechselte er ins Marketing des niedersächsischen Lüneburg. 

2014 verschlug es Pruschwitz in den Kreis: bis 2016 übernahm er die kaufmännische Leitung der Bad Hersfelder Festspiele und gestaltete federführend die Hessentagsbewerbung der Kreisstadt mit. Nach knapp zwei Jahren in der Geschäftsführung des Ansbacher Citymarketing (Bayern) übernahm er im August 2018 die Fachbereichsleitung Wirtschaftsförderung in Borken (Schwalm-Eder-Kreis). Stefan Pruschwitz ist geschieden, lebt mit seiner Partnerin in Bad Hersfeld und ist Vater von zwei Kindern. (cig)

Quelle: HNA

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