6,5 Millionen Euro investiert

Neuer Firmensitz von m.a.l. in Bebra: Lichttechnik hat Platz zu wachsen

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Green Building: Zurzeit arbeiten in dem Neubau von m.a.l. 70 Mitarbeiter in zwei Schichten. Nachts strahlt das Gebäude, passend zur hier produzierten LED-Lichttechnik in Rot. 

Bebra. Das Gebäude mit dem roten „m.a.l.“ am Eingang fällt auf. Vor allem nachts, wenn es rot beleuchtet ist. M.a.l. heißt „Modern art of lightning“. 2017 ist die stetig expandierende Bebraer Firma, die LED-Module entwickelt, in das neue Gebäude eingezogen.

Dort hat das Unternehmen von Markus Vockenroth jetzt in der Nachbarschaft des toom-Marktes seinen Firmensitz. An der Tromagstraße ging nichts mehr, so sagt er. „Da sind wir aus allen Nähten geplatzt.“

Am Ende werden es 6,5 Millionen Euro sein, die Vockenroth in den neuen Firmensitz investiert hat. Auf 4000 Quadratmetern Fläche in dem zweistöckigen Gebäude ist noch Platz für das wachsende Unternehmen.

Wer als Besucher die 380 Quadratmeter große Fertigungshalle betreten will, muss einen Kittel tragen und an den Schuhen spezielle Bänder mit Hautkontakt, damit die antistatische Atmosphäre nicht gestört wird. In der großzügigen Halle mit Tageslicht und intelligent dazugemischtem LED-Licht stehen drei Fertigungslinien, und es ist Platz für eine vierte.

Hier wird auf die rohen Leiterplatten vollautomatisch die Leiterpaste (Lötzinn mit Bindemittel) gestrichen. Dann werden die Platten maschinell mit bis zu 20.000 LED pro Stunde bestückt. Eine Kamera überwacht, dass die winzigen LED an der richtigen Position sitzen. Anschließend kommen die Module in einen viereinhalb Meter langen Ofen. Hier werden die Dioden in zwölf Schritten mit Temperaturen von 145 bis 255 Grad Celsius fest mit der Leiterplatte verbunden. Was heute vollautomatisch läuft, hat man früher mit den Händen und Pinzette bewerkstelligt, erzählt Vockenroth. Im Lichtlabor kann mithilfe eines Röntgengeräts die Qualität der Lötstelle überprüft werden, ein Spiegel-Resonator soll noch in diesem Jahr angeschafft werden.

In großzügigen Räumlichkeiten befinden sich auch die Metallverarbeitung, das Lager, hochmoderne Büros und eine Caféteria, die auch zum Feiern einlädt. Vor einer Theke sitzt man wie auf Vespa-Rollern.

„Ein Betrieb ist nur so gut wie seine Mitarbeiter“, sagt der 44-jährige Unternehmer. Und die werden gesucht. 90 sollen bei m.a.l. arbeiten, wenn noch in diesem Jahr die vierte Fertigungslinie steht. Zurzeit beschäftigt der Betrieb 70 Mitarbeiter, vor drei Jahren waren es noch 55.

M.a.l. bildet selbst aus, etwa Industriekaufleute, Elektroniker und Zerspanungsmechaniker. Zwei Mitarbeiter studieren berufsbegleitend in Bad Hersfeld Elekronik. Mit den Beruflichen Schulen in Bebra plant Vockenroth einen Wahlpflichtkurs Lichttechnik.

Trotz Hightech ist auch Handarbeit noch gefragt: Gabriele Rehs montiert ein LED-Betriebsgerät.

Der zentral in Deutschland gelegene Firmensitz in Bebra mit günstigen Lebenshaltungskosten und viel Natur sei ein Vorteil, meint er. Was aber die Digitalisierung betrifft, sei der Standort aufgrund des noch fehlenden schnellen Internets ein Nachteil: Mehr als 15 oder 30Mbit/s sind vor Ort noch nicht zu haben. „Die Dörfer kriegen Geschwindigkeiten, von denen die Industrie nur träumt“, sagt Vockenroth, der in Bebra aufgewachsen ist.

In der Fertigungshalle produziert m.a.l. über 1300 verschiedene LED-Module in Stückzahlen von fünf bis 50.000: Unterwasserbeleuchtung und Einsatzleuchten für die Polizei, auswechselbare LED für McDonalds, LED-Module für explosionsgeschützte Räume, die Zug-Innenbeleuchtung für den EC 250 oder die Front- und Lesebeleuchtung für den neuen ICE4. Auch intelligente Stehleuchten mit einer sogenannten HCL-Steuerung (Human Centric Lightning) gehören dazu. Sie passen sich den menschlichen Bedürfnissen und dem vorhandenen Tageslicht an, sorgen etwa am Morgen für bläulich-helleres Licht, am Abend für rötlich-wärmeres.

Die Kunden, für die m.a.l. entwickelt, konstruiert und herstellt, sitzen in Europa, aber auch in den USA oder Malaysia. Zehn bis zwölf Prozent der Produktion gehen in den Export, sagt Vockenroth.

Quelle: HNA

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