Neue Serie zur Weinproduktion in der Region: Schon Leben im Rebstock

Die ersten Knospen sind schon da: Manfred Fehr, Vorsitzender der Rotenburger Weinfreunde, zeigt einen schon gut bestückten neuen Trieb. Vor den Weinfreunden liegt noch ein arbeitsreiches Jahr, bis sie sich an eigenen edlen Tropfen erfreuen können. Fotos: Schäfer-Marg

Rotenburg. Weingasse, Querweingasse, Am Weinberg – die alten Straßenbezeichnungen deuten noch darauf hin, dass in Rotenburg und Lispenhausen im Mittelalter das größte Weinbaugebiet in Nordhessen zu finden war. Das erzählt einer, der den Weinbau mit rund 60 anderen Männern und Frauen zum Hobby gemacht hat: Manfred Fehr ist Vorsitzender des Vereins Rotenburger Weinfreunde. Seit zehn Jahren bauen sie am Teufelsberg Rot- und Weißwein an.

Der Teufelsberg liegt am Südhang zwischen der Stadt und der Zufahrt zum Waldgasthaus Guttels. „Die Lage ist optimal, wir haben von morgens bis abends Sonne“, sagt Fehr, der frühere Bürgermeister der Stadt. 20 Parzellen mit je 50 Rebstöcken sind auf dem Teufelsberg angelegt. Zu zwei Dritteln wächst hier der rote Regent, zu einem Drittel der Grauburgunder.

Das Winzerjahr hat schon begonnen. Bereits im März haben die Weinfreunde die Rebstöcke zurückgeschnitten. An jedem Stock verblieb nur ein längerer Trieb, ein zweiter wurde schon für das kommende Jahr gekürzt stehen gelassen. Der längere Trieb mit etwa sechs bis acht Knospen wird dann gebogen und befestigt. Daran sollen nicht nur Trauben, sondern auch Blätter wachsen, die sich später an Drähten nach oben hangeln. „Man braucht Blattmasse für die Fotosynthese, damit sich Zucker bildet“, erklärt Fehr, der zu den Gründungsmitgliedern der Weinfreunde gehört.

Boden hacken

Zu den ersten Arbeiten gehört es auch, den Boden unter den Rebstöcken aufzuhacken. Außerdem müssen etwa fünf bis zehn Prozent der Rebstöcke nachgepflanzt werden, die abgestorben sind – zum Beispiel, weil sich Mäuse an den Wurzeln gütlich getan haben.

Schon bald muss auch regelmäßig Gras gemäht werden. Der Verein hat eigens einen Weinbergschlepper angeschafft, um das Mähen zu erleichtern. Allerdings stehen die Parzellen an einigen Stellen so eng, dass noch der gute alte Rasenmäher im Handbetrieb eingesetzt werden muss.

Handbetrieb, Handarbeit sind Stichwörter für die Hobbywinzer. Sie leisten in der Tat viel Handarbeit – anders als so manche Profis. Mit der Hand müssen zum Beispiel im Juni überschüssige junge Blätter ausgegeizt, sprich entfernt werden, weil zuviel Laub der Quantität und Qualität des Weines schadet.

Pflanzenschutz betreiben die Weinfreunde mit Spritzmitteln, die im biologischen Landbau zugelassen sind. Gegen Mäuse setzt der Verein eine rein biologische Waffe ein: den Bussard. Über den Teufelsberg verteilt wurden Ansitze für die Raubvögel aufgestellt. Gegen andere Traubenliebhaber wie Vögel und Waschbären versuchen sich die Hobby-Winzer mit Netzen zu schützen – mit unterschiedlichem Erfolg.

Jeder macht seins

„Der Wein wächst nicht von allein“, sagt Manfred Fehr. Ein, zwei Stunden wöchentlich müsse man schon an Arbeit investieren. Zum Ende des Weinjahres, zur Lese auch mehr. Abhängig ist dies auch davon, wie viele Rebstöcke jeder einzelne Hobbywinzer hat. Nach deutschem Weinrecht dürfen es nicht mehr als 50 sein. Manche Mitglieder begnügen sich auch mit fünf.

Jeder kümmert sich um seine eigenen Rebstöcke, allerdings gibt es auch gemeinsame Arbeitseinsätze, die allen zugutekommen. Grob rechnen kann man mit einer Flasche Wein pro Rebstock, sagt Manfred Fehr. Das ist der Lohn im Weinjahr.

Von Silke Schäfer-Marg

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