Keiner will sie labberig

Neue EU-Regeln für Pommes: Imbisse im Kreis bemerken keine große Veränderung

Hersfeld-Rotenburg. Weniger Hitze, weniger braun: Für die Zubereitung von Pommes frites gelten ab jetzt neue Regeln.

Grund ist Acrylamid, das beim starken Erhitzen von stärkehaltigen Produkten wie Kartoffeln oder Mehl entsteht und krebserregend sein kann. Aufgestellt hatte die EU die Regeln bereits im Dezember – nun ist die Übergangszeit vorüber und die knusprigen Kartoffelsticks dürfen nur noch bis 168 Grad in der Fritteuse landen. Außerdem müssen Fette häufiger ausgewechselt werden.

Gibt es jetzt nur noch labbrige Pommes? Wir haben in Imbissbuden im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nachgefragt.

Für Jürgen Groß, Besitzer des Imbiss’ „Zur Alten Fuldabrücke“ in Rotenburg, ändert sich in seiner Arbeitsweise durch die neuen Regeln nichts, sagt er. Er habe die Pommes auch zuvor nicht über 160 Grad erhitzt. Von Kunden höre er oft, dass diese ihre Pommes knusprig haben möchten „Dann muss man sie länger in der Fritteuse lassen“, erklärt Groß – die Kunden müssten dann länger warten.

Neue Regeln: Für Jürgen Groß, Besitzer des Imbisses „Zur Alten Fuldabrücke“ in Rotenburg, ändert sich nicht viel. Damit die Pommes knusprig werden, müssen sie ab jetzt aber etwas länger in die Fritteuse.

Ob die Regelung sinnvoll sei? „Ich bin ja kein Arzt, das kann ich nicht sagen“, so der Besitzer des Rotenburger Imbiss’ an der Fulda. Er bemängelt, dass Imbissbesitzer nicht genügend aufgeklärt würden. Zwar sei Anfang des Jahres ein Mitarbeiter der Lebensmittelkontrolle bei ihm gewesen, doch eine Liste mit Vorschriften oder Ähnliches habe der nicht hinterlassen.

Gefährlich nur in Massen

Stefan Hanke, Inhaber des Bratspießes in Bad Hersfeld, hält die neue Regelung nicht für sinnvoll. „Gefährlich für die Gesundheit wäre es nur, wenn man Acrylamid in Massen zu sich nehmen würde“, sagt er. Er habe seine Pommes immer mit 180 Grad frittiert. Beim Erhitzen mit 160 Grad muss er die Pommes bis zu zwei Minuten länger in der Fritteuse lassen – also insgesamt bis zu fünf Minuten. „Das ist ja dann kein Schnellimbiss mehr“, ärgert sich der Gastronom. Und die Kunden wollen knusprige Pommes: „Keiner will sie labberig“, sagt Hanke.

Ein Befürworter der neuen Regelung ist Andreas Izgin, Betreiber des „Imbiss Spezial“ an der Schule in Bebra. „Frittieren mit hoher Temperatur ist gesundheitsschädlich“, sagt er. Er erhitzt seine Pommes stets bei 155 Grad, trotzdem seien sie knusprig. „Meine Kunden sind zufrieden“, gibt er sich gelassen.

Ob die neuen Regeln eingehalten werden, wird kontrolliert: Bei Verdacht auf einen Verstoß gegen die Acrylamid-Regelung werden Proben ins Labor gebracht und untersucht, erklärt Jasmin Krenz, Mitarbeiterin der Pressestelle des Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Die Kontrollen der Betriebe, die Fritteusen nutzen, übernimmt der Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Dabei werden die Temperatur der Fritteusen, das verwendete Fett sowie die fertigen Pommes überprüft. „Liegt ein Verstoß vor, wird das der Staatsanwaltschaft vorgelegt“, sagt Krenz, „die Ahndung erfolg durch Geldstrafe oder Bußgeld.“

Angst vor Kontrollen herrscht unter den Imbissbesitzern im Kreis aber keine. Regelmäßige Überprüfungen zweimal im Jahr seien ohnehin üblich. „Ich mache ja nach wie vor nichts falsch“, sagt der Rotenburger Jürgen Groß.

Die Pommes würden seine Kunden aber auch in Zukunft knusprig wollen.

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