Neue Eltern für fünf Kinder: Im Kreis kaum Adoptionen aus dem Ausland

Hersfeld-Rotenburg. Fünf Kinder haben im vergangenen Jahr im Landkreis Hersfeld-Rotenburg neue Eltern gefunden. In allen Fällen wurden Stiefkinder adoptiert.

Umfassende Beratung: Irmgard Plappert (von links) und Ines Georges helfen in der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle Paaren und Einzelpersonen, die gerne ein Kind adoptieren möchten. Viele Paare zögern lange, bis sie sich für diesen Schritt entscheiden. Foto:

Dass sich ein Paar für ein Kind aus dem Ausland entschied, gab es zuletzt vor fünf Jahren. „Diese Form der Adoption ist bundesweit stark rückläufig“, sagt Ines George, von der Gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Jugendämter der Kreise Hersfeld-Rotenburg und Fulda sowie der Stadt Fulda. Sie und ihre Kollegin Irmgard Plappert ermöglichten in den vergangenen zehn Jahren 52 Adoptionen – überwiegend Stiefkindadoptionen. Diese sind sinnvoll, wenn das Kind seit Jahren keinen Kontakt mehr zum getrennt lebenden Elternteil hat, wenn ein Elternteil verstorben oder unbekannt ist.

Laut Plappert werden im Kreis Hersfeld-Rotenburg jährlich zwischen fünf (2013) und acht (2016) Kinder adoptiert. Im vergangenen Jahr wurden dort 20 Adoptionsverfahren neu begonnen – dabei geht es nicht immer direkt um eine Kindesadoption, sondern auch um die Beratung der leiblichen Eltern, die Suche nach Eltern für Kinder und die Überprüfung von Bewerbern sowie die Unterstützung Herkunftssuchender. Wenn sich ein Paar für eine Adoption entscheidet, muss es sehr viel preisgeben. Das Jugendamt prüft, ob die Bewerber wirtschaftlich und gesundheitlich in der Lage sind, ein Kind aufzunehmen. 

Laut Plappert eine Vorsichtsmaßnahme, da es darum geht, für jedes zur Adoption stehende Kind die besten Eltern zu finden. Darum schauen sie und ihre Kollegin, wie gefestigt die Partnerschaft der künftigen Adoptiveltern ist, welche Wertevorstellungen sie haben und wie sie das Kind erziehen möchten. Eine gesetzlich festgelegte Altersobergrenze für Adoptiveltern gibt es nicht. Allerdings sollte der Altersunterschied zwischen Eltern und Kind nicht mehr als 40 Jahre betragen.

Und hier ein konkreter Fall:

Es war soweit. Das Telefon klingelte und von diesem Augenblick an änderte sich das Leben von Nicole und Martin Schmidt*. „Es war der krasseste Moment in meinem ganzen Leben“, sagt die junge Frau. Plötzlich waren sie und ihr Mann Eltern geworden.

Während die Schmidts sich auf den Weg ins Krankenhaus zum Neugeborenen machten, richteten die künftigen Großeltern und Freunde des Paares das Kinderzimmer ein. Dann stürzte sich das junge Paar ins Elterndasein. Bei Fragen und Problemen stehen ihnen Irmgard Plappert und Ines George von der Gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Jugendämter der Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Fulda sowie der Stadt Fulda helfend zur Seite. Auch mit anderen Adoptiveltern tauscht sich das Paar regelmäßig aus.

„Es ist noch schöner als gedacht“, sagt Martin Schmidt über seine Rolle als Adoptivvater. Die letzten Zweifel an der Entscheidung, ein fremdes Kind aufzuziehen, waren nach Toms Ankunft schnell ausgeräumt. Das Paar fragte sich: „Warum haben wir das nicht gleich gemacht?“ Trotz anfänglich schlafloser Nächte – Tom schlief wie die meisten Neugeborenen nicht durch – fanden die Schmidts schnell ins Elterndasein. Und so wuchs nach einiger Zeit der Wunsch, ein weiteres Kind zu adoptieren. Auch das klappte. Seit drei Jahren ist Emma Teil der Familie. „Wir sind uns bewusst, wie viel Glück wir haben“, sagt Nicole Schmidt.

Wissen Tom und Emma, dass sie adoptiert sind? „Verheimlichen macht keinen Sinn“, sagt Martin Schmidt. Beide leiblichen Mütter möchten anonym bleiben und wollen vorerst keinen Kontakt zu ihren Kindern. Tom und Emma gehen inzwischen in die Schule und den Kindergarten. Beide beschäftigt laut ihren Eltern durchaus, woher sie kommen. Nicole und Martin Schmidt reden mit ihren Kindern offen über das Thema Adoption und beantworten ihre Fragen so gut wie möglich. Das Paar ist den leiblichen Müttern ihrer Kinder sehr dankbar: „Sie haben uns die größten Geschenke gemacht.“

Die Entscheidung, Adoptiveltern zu werden, trafen die Schmidts, nachdem sie trotz künstlicher Befruchtung keine eigenen Kinder bekommen konnten. „Wir haben gesagt, nach dem dritten gescheiterten Versuch hören wir auf“, sagt Nicole Schmidt. Andere Paare, das erlebten die beiden mit, versuchen bis zu zehnmal verbissen, auf diesem Weg ein eigenes Kind zu bekommen. „Jedes Mal hoffen, bangen und enttäuscht werden, das ist eine Tortur“, sagt Schmidt. Das wollte das Paar nicht länger mitmachen.

Ein Jahr lang wurden die Schmidts in Gruppen- und Einzelgesprächen auf ihre Rolle als Adoptiveltern vorbereitet, das Jugendamt besuchte das Paar zu Hause. Natürlich plagten auch Nicole und Martin Schmidt Zweifel, ob sie ein nicht leibliches Kind lieben könnten – Tom und Emma gewannen ihre Herzen aber im Handumdrehen. Daher möchten die Schmidts andere Paare darin bestärken, über die Adoption eines Kindes nachzudenken.

* Um die Familie zu schützen, wurden die Namen von Nicole und Martin Schmidt und die ihrer Kinder geändert.

Ein Infoabend zum Thema Adoption findet am Dienstag, 25. September, ab 19 Uhr im St. Bonifatiuskloster in Hünfeld, Klosterstraße 5, statt. Anmeldungenunter 06 61/6 00 06 94 47 oder E-Mail: adoption@landkreis-fulda.de.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Frank Leonhardt/dpa

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