Unterwegs mit den Superstars aus Kassel

Martin Wenk aus Nentershausen tourt mit Milky Chance durch die USA

Nie aus der Puste: Martin Wenk aus Nentershausen begleitet die Kasseler Electrofolk-Band Milky Chance für vier Wochen auf ihrer Tour und spielt wie in seiner Stammband Calexico Trompete.

Nentershausen. Für einen Moment hatte Martin Wenk dann doch Zweifel. Als das Milky-Chance-Management eine Kopie seines Reisepasses haben wollte, rechnete der 47-Jährige wegen des Altersunterschiedes kurz mit seiner Absage. Die kam nicht – und deswegen tourt Wenk jetzt an der Seite der beiden Mittzwanziger Clemens Rehbein und Philipp Dausch durch die USA und surft mit auf der Erfolgswelle der Superstars aus Kassel.

„Musik kennt keine Altersgrenzen, sie ist Magie“, sagt Wenk. Und deswegen habe er auch nur kurz nachdenken müssen, als die Anfrage kam, Livemusiker Antonio Greger während dessen Babypause zu vertreten. Vier Wochen lang ist die Band quer durch die USA unterwegs, mit fünfzehn Konzerten von New York über Las Vegas bis Hollywood. Die Euphorie ist gewaltig. „Wenn die Band hier die Bühne betritt, ist das Geschrei ohrenbetäubend. Das kenne ich sonst nur aus alten Videos der Beatles“, sagt er.

Dabei sind große Bühnen für den Nordhessen ein gewohntes Terrain. Bereits seit 1998 gehört Multiinstrumentalist Wenk als festes Mitglied zu der Alternative-Country Band Calexico aus Tucson, Arizona. Daneben spielt er in der Liveband des deutschen Indie-Poppers Bosse und erhält Engagements bei Arcade Fire, Feist, Wilco und Country-Legende Willie Nelson.

Und so klingt es mindestens souverän, wenn nicht sogar völlig unspektakulär, wenn Wenk über die Tour einer der derzeit erfolgreichsten deutschen Bands spricht. „Drei Viertel des Tages bestehen aus Warten“, sagt er und empfiehlt, „man ist gut beraten, ein Buch und Lust auf Museen für die erste Tageshälfte mitzubringen.“ Bei Festivalauftritten nutzt der Nentershäuser seine Zeit, um sich andere Bands anzusehen – und erlebte so einen seiner größten Helden nur Tage vor dessen Tod. „Tom Petty spielen zu sehen, war ein Riesengeschenk des Zufalls“, sagt Wenk.

Zu dem eigenen, frischen Sound, den er als einen Grund für den weltweiten Erfolg der Nordhessen nennt, fügt Wenk seine persönliche Note bei. Die meisten Harmonika-Parts, die Antonio Greger gerade auf dem neuen Album „Blossom“ beigesteuert hat, spielt Wenk auf seiner Trompete. „Das funktioniert überraschend gut“, sagt er, „damit kann ich noch mal eine ganz andere musikalische Tür öffnen. Das gefällt den Fans und auch den Milkys.“ Gregers Harmonikaspiel bezeichnet er als „Champions League“, er dagegen sei auf dem Instrument eher „Kreisklasse, auf der Reservebank“.

Understatement ist bei Wenk eigentlich fehl am Platze. Und das wissen auch Rehbein und Dausch, die kürzlich ein Video ins Internet stellten, in dem sie auf einer leeren Bühne stehend einen Hit des schwedischen Folkrockers The Tallest Man on Earth covern.

Nur zum Klang zweier Akustikgitarren und Martin Wenks Trompetenspiel. Das Video wurde innerhalb weniger Tage über 125 000 Mal geklickt.

Zur Person:

Martin Wenk (47) kam in Rotenburg zur Welt und wuchs im Nentershäuser Ortsteil Weißenhasel auf. Nach einer Ausbildung zum Augenoptiker und einigen Berufsjahren widmete er sich letztlich ausschließlich der Musik. Er lebt mit seiner Verlobten in Leipzig.

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