Ein Gefühl von Zeitreise

Auf der Tannenburg wird das Mittelalter jetzt noch lebendiger

Größte Baustelle bleibt der Erbenstein, ein Nebengebäude der Burg: Mit historischem Mörtel wurden Teile der Außenmauer wiederhergestellt, und hinter dem Eingangstor ist eine Plattform entstanden, auf der Burgvogt Stefan Ley steht. Fotos: Achim Meyer

Nentershausen. Vieles hat sich in jüngster Vergangenheit auf der Tannenburg bei Nentershausen und rundherum getan.

Die Burgbesatzung weiß, dass es auf die Details ankommt. Es sind die Kleinigkeiten, die beim Besucher den Eindruck erwecken, durch die Jahrhunderte zurück ins Mittelalter gereist zu sein – und genau das ist seit vielen Jahren das Ziel der Betreiber der Nentershäuser Tannenburg. 

Die Fenster

Echte Bleiglasfenster gehören zu den Details, die genau dieses Gefühl von Zeitreise erwecken. Mehrere Luken des Wohnturms wurden mit aus Glasstücken und Bleiruten gefertigten Fenstern auf schmuckvolle Weise so verglast wie einst im Mittelalter, als große Glasflächen noch kostbar und schwer herzustellen waren. Stefan Ley, Mitglied der Betriebsgesellschaft und selbst ernannter Burgvogt, schwärmt von den besonderen Fenstern: „Jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe, freue ich mich daran.“

Der Garten

Mit der gleichen Liebe zum Detail bewirtschaftet die Burgbesatzung auch den Burggarten: Färberpflanzen wachsen hier, darunter auch der so genannte Färberwaid. Die Geschichte der Burg, erklärt Ley, sei eng mit dem Färberwaid verbunden. Denn die Pflanze, aus der blaue Farbe gewonnen wurde, war im Mittelalter eine wichtige Handelsware. Waid-Händler, die in großen Zügen aus zahlreichen Kutschen reisten, suchten den Schutz der Burg und machten hier Station. Auch die Färberkamille wächst im Garten sowie zahlreiche Arzneipflanzen, etwa die Weinraute oder das Wermutkraut.

Das Nebengebäude

Größte Baustelle bleibt der sogenannte Erbenstein, ein Nebengebäude der Burg, das vermutlich den fahrenden Händlern als Unterkunft diente und aus Sicht der Burgbesatzung manches Geheimnis birgt. Die Mitglieder der Mittelaltergruppe „Allerley“, die sich in den 1990er-Jahren an die Wiederbelebung der Burg machten, fanden den Erbenstein stark verfallen vor. Der Förderverein der Tannenburg sorgte zunächst nur für die Sicherung der zur Burg weisenden Mauer mit Spitzbogentor - wir berichteten.

Inzwischen macht der Erbenstein wieder etwas her: Ein Gewölbe innerhalb des Gebäudes wurde abgestützt. Mit historischem Mörtel wurden Teile der Außenmauer wiederhergestellt, und hinter dem Eingangstor ist eine Plattform entstanden. Rund 110 000 Euro haben Förderverein, die deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesamt für Denkmalpflege zuletzt für die Maßnahmen aufgebracht, und doch ist der Erbenstein noch nicht vollständig restauriert. „Wir könnten einen Lottogewinn gebrauchen“, sagt Stefan Ley lachend.

Der Keller

Wenn wieder Geld da ist, wollen die Burgbetreiber die Kellerräume ausgraben lassen. Hier könnte noch die ein oder andere Überraschung lauern, so Ley. Ein Wunschtraum wäre, die übrigen Mauern zu sanieren und dann gemäß eines historischen Vermessungsplans ein Fachwerkgeschoss mit Walmdach auf das Gebäude zu setzen.

Der Erbenstein könnte sich einmal in ein Gästehaus verwandeln, oder eine Freilichtbühne könnte davor entstehen. Stefan Ley hofft, dass die Arbeiten im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden. Wie es weitergeht, hänge unter anderem auch vom Verlauf der nächsten Burgfeste ab, die wieder Geld in die Kasse spülen sollen. (zmy) 

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