Anwohner flüchteten vor den Wassermassen

Unwetter mit Schlammlawinen im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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So sehen mehrere Keller an der Königsberger Straße in Nentershausen aus: Die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun, die Räume wieder leer zu pumpen. Unser Foto zeigt den verwüsteten Keller der Familie Kleiber. Zentimeterdick klebt immer noch der Schlamm auf dem Fußboden. Nichts, was dort untergebracht war, ist noch nutzbar. „Du kannst heulen, Du kannst schreien. Das hilft aber alles nichts mehr“, hatte Herbert Kleiber zu seiner Frau Angela gesagt, die kurz nach dem Unwetter nach Hause gekommen war.

Hersfeld-Rotenburg. Das Unwetter am Sonntag hat Kirchheim und Nentershausen stark getroffen. Schlammlawinen flossen durch die Straßen, die Wassermassen richteten viel Schaden an. 

Horst Mangold hat es sich auf seiner Terrasse gemütlich gemacht, genießt die warmen Sonnenstrahlen und die Aussicht auf Wiesen und Felder am Ortsrand von Nentershausen. 

Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nichts davon, dass er eine halbe Stunde später vor den Wassermassen in seinem eigenen Haus fliehen muss.

„Ich habe das Unwetter am Sonntagnachmittag am Himmel kommen sehen. Aber dass es so schlimm werden würde, hätte ich im Traum nicht für möglich gehalten“, berichtet der immer noch sichtlich geschockte Hauseigentümer.

Hausbesitzer Horst Mangold türmt vor dem Haus seine zerstörte Inneneinrichtung auf.

In einer breiten Schneise schießen die Wassermassen auf der Wiese den Hang hinunter in Richtung der idyllischen, von den Bewohnern liebevoll gestalteten Bergarbeitersiedlung. 

Sie überfluten den Garten samt Grillplatz und schleudern auf der Terrasse die Pflastersteine durcheinander, die Horst Mangold in den vergangenen Tagen neu gesetzt hat.

Die Wassermassen brachen die Tür auf

Schnell findet der reißende Fluss den Weg die steinerne Treppe hinunter. „Dort brachen die Wassermassen die Tür zum Erdgeschoss auf“, berichtet Mangold. 

Der Nentershäuser rennt durch das Erdgeschoss, reißt die Haustür zur Straße auf, bringt sich draußen in Sicherheit und schließt die Haustür sofort wieder. 

Obwohl ein großer Teil der Wassermassen den Weg in den Keller findet, steigt die Flut im Erdgeschoss auf 1,10 Meter an und zerstört alles, was sich ihr in den Weg stellt.

Die Starkregen-Flut samt großen Hagelkörnern suchte sich ihren Weg über die Wiese den Hang hinunter Richtung Bergarbeitersiedlung.

Das Unglück nimmt etwa 200 Meter weiter oben an einem Hang, der nach Nentershausen hin abfällt, seinen Anfang. Am Höhenzug Schöne Aussicht läuft das Wasser in Sturzbächen aus dem Wald und über das Maisfeld am Hang. 

„Das Regenwasser wird normalerweise über einen offenen Graben am Aussiedlerhof vorbei abgeleitet“, berichtet Bürgermeister Ralf Hilmes. Der Graben sei frei gewesen. „Der Starkregen hatte aber vom angrenzenden Maisfeld Boden abgespült. Dadurch war der Graben versandet und verstopft“, sagt Hilmes.

Das Wasser sucht sich seinen Weg den Hang und die Wiese hinunter in Richtung Bergarbeitersiedlung. Es erreicht von hinten die Gärten der Häuser an der Königsberger Straße und richtet in mehreren Häusern große Schäden an.

Dieser Abflussgraben verstopfte, weil der Starkregen Boden vom Maisfeld hineingespülte. Das Gras dort ist erst nach dem Unwetter gemäht worden.

 

Eine genaue Bilanz gibt es noch nicht. Dann fließt das Wasser in einem breiten Strom am Park in der Bergarbeitersiedlung entlang Richtung Marktplatz.

Gestern Vormittag wurde der Graben oberhalb von Nentershausen wieder ausgehoben.

Nicht alle Betroffenen sind gut versichert

Mangold schätzt den Schaden, den das Unwetter in seinem Haus angerichtet hat, auf mindestens 20 000 Euro. Auch die Ölheizung ist hinüber. 

Vor dem Haus türmt sich alles, was die Naturgewalten zerstört hat: Regale, Kleidung, Staubsauger, Kühlschrank und Waschmaschine. Es wird Monate dauern, bis alles wieder trocken ist und so, wie es war. 

Zum Glück sind die Mangolds versichert. Das ist nicht bei allen Betroffenen der Fall.

Fassungslos: Auch die Familie Kleiber hat es hart getroffen. Ihr Garten stand unter Wasser, ihr Keller lief voll. Auf den Kosten werden sie wohl sitzenbleiben. Sie sind nur gegen Feuer versichert. Das Foto zeigt Herbert Kleiber, rechts, Angela Kleiber und Bruder Waldemar Krause. „Das Unwetter zog lange nicht ab“, berichten sie.

„Wir leben seit 25 Jahren hier und hatten noch nie einen Wasserschaden. Ich war nach dem Unwetter am Sonntagnachmittag kurz vor der Verzweiflung“, erzählt Horst Mangold.

„Und ich befürchte, dass die Unwetter in den nächsten Jahren noch schlimmer werden.“

In Kirchheim wurden Sonnenschirme durch die Luft gewirbelt

Von Bernd Löwenberger

Schlammlawinen flossen in Kirchheim durch die Schulstraße und schwemmten Erdreich von der Autobahnbaustelle mit sich. 

Die rotbraune Flut ergoss sich auch über die Bundesstraße und das Gelände des SVG-Autohofes bis in die Industriestraße, die teilweise nicht mehr passierbar waren.

Starkregen schwemm Erdreich von der Autobahnbaustelle in Kirchheim. Ein Schlammfluss fließt die Straße hinab.

Die Feuerwehren rückten zu insgesamt zehn Einsätzen aus. Zusätzlich waren die Gemeindearbeiter mit schwerem Gerät im Einsatz. 

Ebenfalls stark betroffen von Sturzbächen von den Autobahnen in Zusammenhang mit den derzeitigen Umbauarbeiten waren im Bereich der A4 die Anwohner im „Uferweg“ und „Am Wolfsstück“. Dort sind teilweise Keller überflutet worden und mussten leer gepumpt werden.

Kirschgroße Hagelkörner 

Auch bei der „Scheune an der Aula“ wurden die zusammen geklappten Sonnenschirme abgeknickt und durch die Luft gewirbelt. Kirschgroße Hagelkörner bedeckten den Boden.

Schirme umgeknickt: Das heftige Unwetter am Sonntagabend wirbelte bei der Scheune an der Aula in Kirchheim Schirme durch die Luft.

Eine Gruppe von Radfahrern, die dort eingekehrt war, saß bis zu zwei Stunden dort fest, bis die Straßen wieder passierbar waren, berichtet Bertold Schmidt. 

Immerhin war es in der Scheune warm und trocken und versorgt wurden die Radler auch mit Getränken und Speisen.

Quelle: HNA

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