Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung

Bürger machen Druck: Über 3000 Unterschriften für Erhalt des Medibusses

Die betroffenen Bürgermeister präsentierten am Mittwoch die Unterschriftenliste, die der KV überreicht werden soll. Von links: Thomas Mäurer (Weißenborn), Ralf Hilmes (Nentershausen), Lars Böckmann (Herleshausen), Alfred Knoch (Erster Beigeordneter Cornberg) und Thomas Eckhardt (Sontra).
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Die betroffenen Bürgermeister präsentierten am Mittwoch die Unterschriftenliste, die der KV überreicht werden soll. Von links: Thomas Mäurer (Weißenborn), Ralf Hilmes (Nentershausen), Lars Böckmann (Herleshausen), Alfred Knoch (Erster Beigeordneter Cornberg) und Thomas Eckhardt (Sontra).

Der Medibus steht auf der Kippe. Noch ist unklar, ob das Pilotprojekt über 2020 hinaus fortgeführt wird. Die Bürgermeister der Kommunen haben eine Unterschriftenaktion gestartet.

Nentershausen/Coernberg/Sontra – 3159 Bürger der Kommunen Cornberg, Herleshausen, Nentershausen, Sontra und Weißenborn haben sich gefunden, um mit ihrer Unterschrift gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) ihrer Forderung Ausdruck zu verleihen, dass der Medibus auch über das Ende des Jahres hinaus ihre Wohnorte ansteuern soll. Initiiert haben die Aktion die fünf Bürgermeister der Kommunen. Die KV lässt bislang offen, ob das vor zweieinhalb Jahren gestartete Pilotprojekt weitergeführt wird. Dabei sind in der Region bereits vier Hausarztstellen vakant.

„Der Medibus entlastet die niedergelassenen Ärzte, die oft bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit für die Patienten da sind“, sagte Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt am Mittwoch bei der Präsentation der Unterschriften-Listen in Sontra. Solange die ausgeschriebenen Praxisstandorte nicht besetzt seien, sei der Medibus deswegen unerlässlich, sind sich alle fünf Bürgermeister einig. In der Verantwortung sehen sie nun die KV und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration.

„Wir sind den Verantwortlichen entgegengekommen“, sagte Alfred Knoch, Erster Beigeordneter der Gemeinde Cornberg und Vertreter von Bürgermeister Achim Großkurth.

133.000 Euro für das Zentrum in Sontra

„Allein für das Interkommunale Gesundheitsversorgungszentrum in Sontra haben wir gemeinsam freiwillig 133 000 Euro in die Hand genommen und Rahmenbedingungen geschaffen. Wir nehmen uns selbst auch nicht aus der Verantwortung“, ergänzte Thomas Eckhardt.

Dabei rennt die Zeit bei der Entscheidung über die Zukunft des Busses: „Wir befinden uns zweieinhalb Monate vor dem Ablauf des Projektes“, sagte Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes. Man dürfe nicht vergessen, dass auch trotz des Busses eine ärztliche Unterversorgung existiere. „Ich habe in meiner Gemeinde Bürger, die müssen 30 Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum nächsten Hausarzt fahren – und das inmitten einer Pandemie“, so Hilmes.

Das Übel an der Wurzel packen

Die Bürgermeister sind sich bewusst, dass der Medibus nur eine Zwischenlösung ist. Es gelte, das Übel an der Wurzel zu packen: „Das Problem der Überalterung von Ärzten im ländlichen Raum ist ein dauerhaftes“, sagte Herleshausens Bürgermeister Lars Böckmann. Es fange damit an, dass Studenten aufgrund ihrer Abiturnote nicht Medizin studieren könnten. „Ich bin der Meinung, dass der Enthusiasmus für einen Beruf vorrangig sein sollte“, so Böckmann.

Landarztquoten gefordert

Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer ergänzte: „Es braucht nachhaltige Lösungen wie Stipendien und Landarztquoten. Die andere Seite wäre jetzt am Zug.“ Es werde darüber gesprochen, dass der ländliche Raum entwickelt werden solle. „Aber welche junge Familie zieht denn in die Region, wenn sie keinen Arzt vor der Haustür hat?“ fragte Böckmann. Auch die Bürgermeister wüssten, dass es utopisch geworden sei, in jedem Ort einen Hausarzt vorzuhalten. „Aber wir haben Bedingungen geschaffen, ein interkommunales Netzwerk aufgebaut – nur Ärzte können wir uns nicht backen. Das Ende des Busses würde uns das Genick brechen “, so Eckhardt. (Maurice Morth)

Das sagt das Sozialministerium

„Eine interkommunale Zusammenarbeit ist zur Sicherung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung notwendig. Innovative Projekte sind in ländlichen Strukturen erforderlich. Gerade im Hinblick auf knappe Personalressourcen muss eine uneingeschränkte medizinische Versorgung erreichbar sein. Im Rahmen der künftigen Finanzierung des Busses ab 2020 hatten wir signalisiert, dass die Angliederung an das Gesundheitszentrum in Sontra vorstellbar ist. Sollten sich Überlegungen konkretisieren, wird sich das Land gerne finanziell beteiligen“, betont Kai Klose, Minister für Soziales und Integration, in einer schriftlichen Stellungnahme. Wegen der Kurzfristigkeit der Einladung und der aktuellen Entwicklung im Corona-Pandemiegeschehen konnten keine Vertreter des Ministeriums und der KV an der Veranstaltung in Sontra teilnehmen. 

Das sagt die Kassenärztliche Vereinigung

„Ich freue mich über die Wertschätzung, als deren Beweis ich die Unterschriften verstehe. Der Bus ist – bei allen Schwächen – die einzige funktionierende Interimslösung. Deshalb setze ich mich für den Erhalt ein. Ich finde, dass die Sicherung der ambulanten Gesundheitsversorgung aber auch nicht mehr allein Sache der KV ist, sondern ein Zusammenspiel von Krankenkassen, Land und Kommunen. Wir wünschen uns in Zeiten, in denen marode Kliniken subventioniert werden, die Übernahme finanzieller Verantwortung auch von Kommune und Land“, schreibt Vorstandsmitglied Dr. Eckhard Starke. 

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