Pilotprojekt Rollende Hausarztpraxis

70 Bürger fordern in Nentershausen: Medibus muss weiter fahren

Etwa 70 Bürger demonstrierten am Montagmittag vor der Tannenberghalle für den Erhalt des Medibusses.
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Nicht nur Nentershausen ist in Not: Etwa 70 Bürger demonstrierten am Montagmittag vor der Tannenberghalle für den Erhalt des Medibusses. Zunächst kritisch beäugt, ist er für die Bürger sehr schnell zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden und wird viel genutzt.

Das Projekt Medibus steht auf der Kippe. Bürger und Bürgermeister kämpfen gemeinsam für den Erhalt des wichtigen Angebots. Dabei wurde mit Kritik nicht gespart.

Nentershausen/Cornberg – Die Zeit für diplomatische Formulierungen ist vorbei. Harsche Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Landesregierung hagelte es bei der Demonstration für den Erhalt des Medibusses am Montagmittag vor der Tannenberghalle in Nentershausen. Etwa 70 Bürger aus Nentershausen, aber auch Cornberg kamen zu der Unterstützerveranstaltung, zu der der VdK Kreisverband Rotenburg und die Ortsverbände Nentershausen und Cornberg eingeladen hatten.

Der Medibus fährt seit Juli 2018 landkreisübergreifend Nentershausen, Cornberg, Sontra, Herleshausen und Weißenborn an. Noch immer ist nicht entschieden, ob das Pilotprojekt der KV über den 31. Dezember 2020 hinaus verlängert wird.

„Eine Pflichtaufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung“

„Es ist eine Pflichtaufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, dafür zu sorgen, dass eine adäquate Hauarzt- und Facharztversorgung in den Gemeinden vorgehalten wird. Bis das erreicht ist, ist der Medibus eine notwendige Zwischenlösung und muss erhalten bleiben“, betonte der VdK-Kreisvorsitzende Raymond Singh. Die Gesundheit sei das höchste Gut des Menschen. „Es ist jetzt die Aufgabe der KV, mit oder ohne Landeszuschuss, den Medibus weiter fahren zu lassen“.

„15.000 Patienten betroffen“

„Die KV tut so, als wenn die anstehende Verlängerung vom Himmel gefallen sei, und man sich jetzt erst über die Kosten einigen müsse. Das ist ein schlechter Witz“, kritisierte der für den Bereich der Sozialpolitik zuständige stellvertretende VdK-Kreisvorsitzende Herbert Heisterkamp. „Die KV hat die Zeit verschlafen, und es schon ein starkes Stück, wenn sie jetzt die Kosten anführt und den verpflichtenden Versorgungsauftrag einfach zur Seite schiebt“, sagte Heisterkamp. Das Projekt mitzufinanzieren, sei von den Kommunen nicht zu stemmen. „Von einem Wegfall des Medibusses wären mindestens 15 000 Patienten betroffen.“

„Dass wir betteln müssen ist eine Schande“

„Es ist eine Schande, dass wir hier stehen müssen, um für einen Erhalt des Medibusses zu kämpfen. Es ist die Aufgabe der KV, für eine angemessene Versorgung zu sorgen“, betonte der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes. „Dass wir um eine gesetzlich vorgeschriebene, angemessene Versorgung des ländlichen Raums betteln müssen, muss endlich aufhören“, sagte Hilmes. Er rief die Bürger auf, sich an der Unterschriftenaktion für den Medibus zu beteiligen. „Wenn wir jetzt nicht aufstehen, stehen wir ohne Bus da.“

„Die Finanzmöglichkeiten unserer Kommunen sind extrem knapp. Wir können den Medibus nicht mitfinanzieren und wir dürfen es auch nicht“, sagte Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth. „Es ist ein Drama, dass wir hier auf dem Land von Wiesbaden so abgehängt werden.“ In Cornberg gibt es seit 2016 keinen Arzt mehr.

„Das Land kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Das Sozialministerium hat die Rechtsaufsicht gegenüber der KV“, betonte die SPD-Landtagsabgeordnete Karina Fissmann.

Dr. Doris Gronow versorgt die Patienten im Medibus.

„Viele fühlen sich von uns gut versorgt. Auch wir hoffen, dass es weitergeht“, sagte Dr. Doris Gronow, die Ärztin des Medibusses.

„Möchte die KV als Rechtsbrecher auftreten?“, fragte Karlheinz Bornschier, der Chef des SPD-Ortsvereins. „Sie können sich nicht hier vom Acker machen und uns allein lassen mit einer schlechten Versorgung“, rief Bornschier den Verantwortlichen zu. (René Dupont)

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