In der Oberen Hausbergstraße

Ominöse Briefzustellungen in Rotenburg: Nachbarn als Ersatz-Postboten

Ärger über Fehlzustellungen: In den Briefkästen von Wilhelm Bämpfer (links) und Heinz Möller in Rotenburg landet seit einigen Wochen Post, die gar nicht für sie ist.
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Ärger über Fehlzustellungen: In den Briefkästen von Wilhelm Bämpfer (links) und Heinz Möller in Rotenburg landet seit einigen Wochen Post, die gar nicht für sie ist.

Anwohner der Oberen Hausbergstraße in Rotenburg sind sauer auf die Deutsche Post.

Rotenburg – Wenn sie ihren Briefkasten öffnen, dann schauen sie immer öfter entweder in die Röhre oder es fällt ihnen gleich ein Berg von Post in die Hände – Briefe, die nicht an sie adressiert sind. Darunter Wahlbenachrichtigungen oder andere, dem Anschein nach, amtliche Schreiben.

Zunächst haben die Betroffenen einzelne Briefe bei den richtigen Empfängern eingeworfen. Doch mit der Zeit sei das regelrecht in Stress ausgeartet. Immer mehr Post landete in Briefkästen, wo sie nicht hingehört. „Bis jetzt haben wir das auf dem kleinen Dienstweg geregelt“, sagt der 79-jährige Heinz Möller. Man kennt sich in der näheren und weiteren Nachbarschaft und hilft sich gegenseitig. Aber auf Dauer könne diese Postboten-Ersatztätigkeit keine Lösung sein, meint der Rentner.

Die private Briefzustellung der Fehleinwürfe ist für Möller und seine Nachbarn auch nicht ohne. Schließlich geht es vom Schneppental zur Oberen Hausbergstraße steil bergauf oder natürlich wieder bergab. „Das muss man zum Beispiel bei winterlichen Verhältnissen erst mal schaffen“, sagt Möller.

Auch Nachbar Wilhelm Bämpfer klagt über Fehleinwürfe und späte Zustellungszeiten. „Die Post hat heimliche Heinzelmännchen, die nur nachts kommen und die Briefe bringen“, scherzt er. Beide Männer haben Verständnis für die Zusteller. „Früher kam immer ein und derselbe Postbote. Der hatte immer eine Route zu bewältigen und oft mehr Zeit, auch manchmal für ein Schwätzchen an der Tür. Es war alles individueller“, erinnert sich Bämpfer. Heute absolviere der Postbote sein Pensum im Dauerlauf. Springer, vertretungsweise eingesetztes Personal, seien oft nicht in die Gebiete eingearbeitet, vermuten Möller und Bämpfer. „Die Zusteller stehen so unter Druck, dass sie nur auf die Hausnummer schauen. Sie sind einfach überlastet, die gucken gar nicht mehr nach dem Namen“, vermuten die beiden Männer als Grund für die Missstände.

Genervt von den zahlreichen Pannen sind sie – bei allem Verständnis – trotzdem. Das kann auch Post-Pressesprecher Thomas Kutsch nachvollziehen. Er verweist auf die Postkunden-Telefonnummer in Bonn, 0 22 8/ 43 33 112. Hier würden Fälle dieser Art weitergeleitet „bis zu der Einheit, in der dieser Fehler passiert ist“. Manchmal könne das Problem auch im Bereich der Sortierung liegen. Das müsse man prüfen, ergänzt Kutsch. „Auf dem Weg zum Empfänger gibt es viele Parameter, wo Fehler entstehen können“, bedauert er. Sollte versehentlich ein Brief falsch eingeworfen worden sein, der für einen anderen Empfänger bestimmt war, könne der Kunde diesen in jeden öffentlichen gelben Briefkasten der Deutschen Post einwerfen – die Sendung werde dann noch einmal neu zugestellt. (Susanne Kanngieser)

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