Nach Überfällen: 68-Jähriger muss sechs Jahre und zehn Monate in Haft

Verteidiger Bernd Pfläging (links) beantragte für seinen Mandanten eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Haft. Foto: Nies

Fulda/Wildeck. Ein 68 Jahre alter Mitarbeiter einer Versicherung muss wegen bewaffneter Raubüberfälle auf die Sparkassen-Filiale in Wildeck-Obersuhl und einen Aldi-Markt in Philippsthal für sechs Jahre und zehn Monate in Haft.

Mit diesem Urteil folgte das Landgericht Fulda dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte hatte die Taten in vollem Umfang gestanden.

Staatsanwältin Lambiel beantragte fünf Jahre Haft für jeden der zwei Überfälle und eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und zehn Monate. Sie verwies darauf, dass der Angeklagte eine ganze Tatserie zu verantworten habe. Der 68-Jährige, der vor seiner Inhaftierung im Werra-Meißner-Kreis wohnte, muss sich auch wegen des Überfalls auf die Sparkassenfilialen in Herleshausen und Felsberg sowie einen Rewe-Markt in Spangenberg verantworten. Für diese Tatorte ist jedoch die Staatsanwaltschaft Kassel zuständig. Der Prozess steht noch aus.

Lambiel sagte weiter, dass man berücksichtigen müsse, dass alle betroffenen Mitarbeiter von Bankfiliale und Discounter noch heute unter den Folgen litten. Eine von dem Überfall betroffene Aldi-Mitarbeiterin ist weiter in ärztlicher Behandlung. Die Zweite lässt sich, wenn sie Spätschicht hat, jetzt immer von ihrem Mann abholen, wie sie als Zeugin vor Gericht aussagte.

Die Sparkassen-Mitarbeiter berichteten im Zeugenstand von bis heute anhaltenden beklemmenden Gefühlen, Angstzuständen und Alpträumen. Der Angeklagte hatte am 13. Mai kurz vor Schließung die Sparkassenfiliale und am 26. Juni kurz vor Ladenschluss die Aldi-Filiale überfallen. Nach dem letzten Überfall wurde er festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Verteidiger Bernd Pfläging aus Kassel beantragte eine Gesamtstrafe von fünf Jahren für beide Taten, jeweils vier Jahre für jede einzelne Tat. Bei den Überfällen handele es sich um minderschwere Fälle. Er verwies darauf, dass der Angeklagte die Taten in vollem Umfang gestanden habe. Ihn habe eine Schuldenlast von 200.000 Euro gedrückt. In dieser Situation habe er keinen anderen Ausweg gewusst, als Banken und Märkte zu überfallen.

Zudem sei sein bislang nicht einschlägig vorbestrafter Mandant wegen seines hohen Alters und einer Herzerkrankung besonders haftempfindlich.

Von Volker Nies

Quelle: HNA

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