"25 Deutsche und zwei Ziegenficker", schrieb der Lokalpolitiker auf Facebook

Nach Özil- und Gündogan-Beleidigung: Nun prüft die Staatsanwaltschaft den Fall

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Bernd Holzhauer

Bebra. Nach der Beleidigung der Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan durch Bebras Ersten Stadtrat Bernd Holzhauer beschäftigt der Fall nun auch die Staatsanwaltschaft. 

Aktualisiert um 14.34 Uhr - Manfred Knoch, Polizeisprecher Polizeipräsidium Osthessen: "Wir haben den Vorfall zur Kenntnis genommen und den Vorgang der Staatsanwaltschaft Fulda zur weiteren Entscheidung vorgelegt. Dort wird der Sachverhalt daraufhin geprüft, ob ein Straftatbestand vorliegt."

Die Bebraer SPD will in einer Fraktionssitzung Anfang kommender Woche beraten, wie sie mit dem Fall Bernd Holzhauer (SPD) weiter verfährt. Der Sportkreis Hersfeld-Rotenburg forderte den Politiker zum Rücktritt auf.

Nach Bekanntgabe des WM-Kaders hatte sich der Erste Stadtrat in einem Post auf seiner privaten Facebook-Seite zum Treffen der deutschen Fußballer Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan beleidigend über die beiden Nationalspieler geäußert. Er postete: „Das vorläufige deutsche Aufgebot zur WM – 25 Deutsche und zwei Ziegenficker“. Mittlerweile wurde der Post gelöscht, er hat allerdings hohe Wellen geschlagen.

Holzhauer engagiere sich seit vielen Jahren mit viel Herzblut nicht nur für die SPD, sondern auch für die Gewerkschaft und den Fußball und in den vergangenen Jahren auch in der Hilfe für Flüchtlinge. Seine Leidenschaft für die Demokratie verleite ihn immer mal wieder zu Äußerungen, die unbedacht und verletzend seien „und bei denen wir uns fragen, wie ein so warmherziger Mensch solche Sprüche loslassen kann“, hieß es seitens des Sportkreises.

SPD-Stadtverband distanziert sich von Böhmermann-Zitat

Von seinem Böhmermann-Zitat auf Facebook bezogen auf die beiden türkisch-stämmigen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan distanzieren sich SPD-Stadtverband und die SPD-Fraktion in Bebra in aller Deutlichkeit. 

Christina Kindler

„Es handelt sich hier um eine schwerwiegende Beleidigung nicht nur der beiden Fußballer, sondern aller in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem Hintergrund, die sich dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan verbunden fühlen“, erklärten Christina Kindler und Gerhard Schneider-Rose vom Stadtverband. Der Erste Stadtrat und andere politische Verantwortungsträger stünden aber auch in den sozialen Medien immer in öffentlicher Verantwortung.

Mehr als verärgert sei man darüber, dass Bernd Holzhauer ein fremdenfeindliches Video des österreichischen Rechtspopulisten Gerald G. Grosz auf seiner Seite platziert habe. Auch hiervon distanziere man sich ausdrücklich.

Die örtliche SPD spricht von der Nutzung eines hochgradig beleidigenden Begriffes. Mit der feindseligen Haltung gegenüber den beiden Fußballern stehe Bernd Holzhauer leider nicht alleine.

Erdogan-Huldigung durch Özil und Gündogan verdiene Kritik

Die öffentliche Huldigung des türkischen Präsidenten durch die beiden Fußballstars verdiene Kritik. „Aber muss man ihnen deshalb die deutsche Staatsangehörigkeit und das Recht, Deutschland zu repräsentieren, absprechen? Migranten geben mit der Erlangung einer neuen Staatsbürgerschaft die Geschichte ihrer Familie nicht ab, sie sind über Generationen zwei Kulturen verbunden und oft genug zerrissen zwischen auseinander liegenden Wertesystemen beider Welten“, führen Kindler und Schneider-Rose weiter aus.

Gerhard Schneider-Rose

Die Diskussion zeige, dass wir in Deutschland noch am Konzept für die Integration arbeiten müssten: Es gehe nicht nur um Einpassung der Zugewanderten, sondern auch um Akzeptanz der Verbundenheit von Migranten mit ihrer Herkunftsgesellschaft.

„Wenn wir das ohne Beleidigungen, Wahlkampfgetöse und populistische Vereinfachungen hinkriegen, sind wir aus Sicht der Sozialdemokraten auf einem guten Weg“, heißt es weiter vonseiten des SPD-Stadtverbands. Nach seiner Entschuldigung müsse Bernd Holzhauer jetzt zeigen, dass er diesen Weg aktiv mitgehen wolle. 

"Ziegenficker"-Äußerungen nicht entschuldbar

Der Vorstand des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg distanziert sich ausdrücklich von den Beleidigungen seines Vorstandsmitglieds Bernd Holzhauer gegenüber den Fußball-Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Der Vorstand habe, so Vorsitzender Christian Grunwald, aufgrund der unentschuldbaren Äußerungen einstimmig beschlossen, Bernd Holzhauer zum Rücktritt aus dem Sportkreisvorstand aufzurufen.

Christian Grunwald

Mit der bundesweit und international wahrgenommenen Verunglimpfung der beiden Fußballer als „Ziegenficker“ habe Holzhauer in besonderer Weise die satzungsmäßigen Grundsätze des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg verletzt. Dieser wende sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie gegen antidemokratische, nationalistische und antisemitische Tendenzen insbesondere im Sport.

Auch Holzhauers Entschuldigung, die erst auf öffentlichen Druck zustande kam, könne den entstandenen Schaden, den er als maßgeblicher Funktionär dem Sport im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zugefügt habe, nicht heilen. Der Vorstand habe daher einhellig entschieden, Bernd Holzhauer die Niederlegung des Amts im Sportkreisvorstand nahezulegen.

Dies auch aus dem Grund, dass ein Ausschluss eines Vorstandsmitglieds aus dem Gremium satzungsmäßig nicht geregelt sei. Holzhauer war kürzlich beim Sportkreistag des Landkreises erstmals in den Sportkreisvorstand gewählt worden.

Mit der an ihn gerichteten Rücktrittserwartung will der Vorstand des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg seine eindeutige Haltung dokumentieren. „In unserem Sportkreis muss jeder, der sich einer solchen Wortwahl bedient sowohl auf den Sportplätzen, wie auch in den Gremienzimmern dafür sofort und ohne vorherige Verwarnung die rote Karte bekommen“, sagt Grunwald. 

Quelle: HNA

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