„Staatssekretär Conz hat es nicht verstanden“

Nach Interview zum Wolf in Hessen: Scharfe Kritik an Argumentation des Umweltministeriums

Hat wiederholt Weidetiere angegriffen: Die Stölzinger Wölfin, die vermutlich auf diesem Bild zu sehen ist. Welches Tier das Bild einer Fotofalle zeigt, ist in der Regel nicht zweifelsfrei zu sagen.
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Hat wiederholt Weidetiere angegriffen: Die Stölzinger Wölfin, die vermutlich auf diesem Bild zu sehen ist. Welches Tier das Bild einer Fotofalle zeigt, ist in der Regel nicht zweifelsfrei zu sagen.

„Das ist kein Wolfsmanagement, sondern eine Katastrophe.“ So kritisiert der Kreisbauernverband Hersfeld-Rotenburg den Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium, Oliver Conz.

Rotenburg – Conz hatte im Interview mit unserer Zeitung von vergangenem Freitag unter anderem die künftig geplante Praxis beim Einzäunen von Weidetieren zum Schutz vor der Stölzinger Wölfin beschrieben und verkündet, dass es beim Stellen von höheren Zäunen Hilfe vom Landwirtschaftlichen Maschinenring geben soll. „Der Staatssekretär redet bei der Kalkulation des Maschinenrings davon, dass der Zaunbau im Rahmen der Förderrichtlinien liegen würde und demonstriert eine Einigkeit, die nicht vorhanden ist. Verschwiegen wird, dass es sich hier um Millionenbeträge ohne tatsächlichen Nutzen handelt“, sagt der Kreisbauernverbandsvorsitzende Jörg Schäfer aus Niedergude.

Er kritisiert auch, dass Rinder und Pferde in den Planungen bislang überhaupt nicht berücksichtigt würden. Das Ministerium verweist dabei in der Regel darauf, dass diese Tiere wesentlich seltener zu Beute von Wölfen werden als Schafe.

Der ländliche Raum spiele für „Ideologen wie Staatssekretär Conz“ anscheinend keine Rolle. Politiker wie er und seine Chefin, Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), nähmen billigend in Kauf, dass „Nutztiere qualvoll getötet werden“ und ihre Besitzer und Menschen, die sich in der Natur aufhalten, gefährdet würden.

CDU Rotenburg: Fassungslos über die Aussagen des Staatssekretärs

Auch der CDU-Stadtverband Rotenburg äußert scharfe Kritik. In einer Pressemitteilung ist von „grüner Ideologie“ die Rede, die Rotenburger CDU lädt Conz dazu ein, „sein warmes Büro zu verlassen und sich direkt in der Natur von der Arbeit der vielen Tierhalter zu überzeugen“. Man sei fassungslos über die Aussagen des Staatssekretärs. Durch dessen Pläne würde die Weidetierhaltung – die einen enormen Beitrag zum Naturschutz, zum Artenschutz und zur Erhaltung der Landschaft leiste – noch mehr unter Druck geraten.

Christian Möller, der für die CDU im Stadtparlament kandidiert, ist einer der von Übergriffen der Stölzinger Wölfin betroffenen Schafhalter. „Die Tiere waren mit einem 90 Zentimeter hohen Elektrozaun eingezäunt. Also dem Grundschutz, den Herr Conz als ausreichend bezeichnet. Der Verlust meiner Tiere war für mich nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein emotionaler Schaden“, sagt Möller. Conz hatte im Interview gesagt, dieser Grundschutz sei in Hessen noch von keinem Wolf überwunden worden.

Erstes Wolfspaar in Hessen: Stölzinger Wölfin hat wohl einen Partner

Was schon länger als Gerücht die Runde machte, ist nun vom Hessischen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) bestätigt worden: „Erstmals wurden zwei Wölfe zeitgleich sicher nachgewiesen, seit die Art wieder nach Hessen zurückkehrt. Die beiden Wölfe sind auf einem Kamerafallenfoto vom 24. Februar 2021 gemeinsam an einem Rotwildkadaver zu sehen.“ Ob die sogenannte Stölzinger Wölfin zu dem Paar gehöre, könne anhand des Fotos, das in Ludwigsau entstanden ist, allerdings nicht sicher festgestellt werden.

Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende Jonas Rudolph: „Bei einem Wolfsangriff entsteht naturgemäß viel Bewegung in einer Herde. Dabei passiert es regelmäßig, dass ein ordnungsgemäß gebauter Zaun umgedrückt wird – sei es vom Wolf oder von den flüchtenden Tieren. Hinterher kann man nicht sicher sagen, ob der Wolf zuerst über den Zaun gesprungen ist oder ob er die Schafe vorher so in Panik versetzt hat, dass diese den Zaun umgerannt haben. Das Ergebnis ist aber immer das Gleiche: vom Wolf erlegte Weidetiere.“

CDU: Stölzinger Wölfin muss abgeschossen werden

Wenn Conz nur die Überwindung, also das Überspringen des Grundschutzes, als Problem sehe, habe er nicht verstanden, worum es auf der Weide bei einem Wolfsangriff wirklich gehe. „Weidetierhalter sind Tierliebhaber, sie produzieren nachhaltige und regionale Produkte. Sie würden nie die Tötung eines Tieres fordern, wenn es nicht notwendig wäre. Die Stölzinger Wölfin stellt aber eine wirkliche Bedrohung unserer Herden dar und muss deswegen abgeschossen werden“, erneuert Möller die Forderung der CDU. Rudolph fügt hinzu, Wölfe müssten ins Jagdrecht aufgenommen werden.

Als Frechheit bezeichnet er das von Conz angeführte Beispiel eines „Zahnarztes, der zwei Schafe als Rasenmäher hält“. Weidetierhaltung sei auch mit wenigen Tieren keine Bagatelle. Jeder Tierhalter müsse sich 365 Tage im Jahr um seine Tiere kümmern. (Christopher Ziermann)

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