Kunden greifen jetzt zu Bio

Nach Fipronil-Skandal: Kunden wollen Produkte heimischer Produzenten

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Vom Huhn zum Ei: Leonhard Häde (links) und sein Sohn Fabian bemerken die Auswirkungen des Fipronil-Skandals deutlich. Die Nachfrage übersteige aktuell die Produktion des Alheimer Unternehmens. 

Hersfeld-Rotenburg. Nachdem erst in den vergangenen Tagen das Ausmaß des aktuellen Fipronil-Skandals um verseuchte Eier, die auch in deutschen Supermärkten verkauft wurden, bekannt geworden ist, steigen viele Bewohner des Landkreises auf die Produkte regionaler Anbieter um.

In Hersfeld-Rotenburg gibt es knapp 1000 Hühnerhalter. Der Großteil besitzt nur einige Tiere zur Eigenversorgung oder Hobbyzwecken. Insgesamt werden laut Kreissprecher Dirk Herrmann in Hersfeld-Rotenburg rund 140 000 Legehennen gehalten, es gibt fünf Großbetriebe. 

Einen deutlichen Anstieg der Nachfrage verzeichnet Leonhard Häde, Geschäftsführer des Herstellers Sonnenei aus Alheim. „Viele Kunden haben sich rückbesonnen. Die Nachfrage nach unseren Eiern ist aktuell doppelt so hoch wie sonst. Allerdings legen unsere Hennen nach wie vor genauso viele Eier. Wir sind quasi ausverkauft.“ In den Sonnenei-Partnerbetrieben, zum Beispiel der Geflügelzucht Löwenei oder dem Eierhof Weber in Heinebach, gestalte sich die Situation ähnlich.

Herkunft wird erfragt

Dass sein Unternehmen so transparent und nachhaltig arbeite, sei in Fällen wie diesem von besonderem Vorteil, sagt Häde. „Leider hält diese Entwicklung nie lange an. Viel zu schnell greifen die Kunden wieder auf billige Alternativen zurück. Bis dann der nächste Lebensmittelskandal kommt. “

Aktuell würden Kunden verstärkt nach der Herkunft seiner Produkte fragen, auch die Herstellung sei für viele von Interesse. „Dass wir keine giftigen Stoffe verwenden und dass in unseren Produkten kein Fipronil enthalten ist, wurde uns durch die Kwalis Qualitätsforschungs GmbH jetzt offiziell bestätigt“, sagt Häde.

Die verschiedenen Sonnen-ei-Ställe mit insgesamt bis zu 36 000 Legeplätzen werden ausschließlich per Hochdruckreiniger und mit organischen Desinfektionsmitteln gereinigt. Probleme hiermit habe es in Jahrzehnten der Unternehmenshistorie nicht gegeben.

Nachfrageanstieg beobachtet

Auch Tobias Thomas vom gleichnamigen Geflügelhof in Unterweisenborn konnte in den vergangenen Tagen einen Anstieg der Nachfrage feststellen. Er versorgt im Moment circa 9000 Legehennen. In den Sommermonaten sind es saisonbedingt immer etwas weniger, als im Winter. Thomas bemerkt: „Die Leute achten im Moment schon ein wenig mehr darauf, wo sie ihre Eier kaufen.“ Gar mitten in der Nacht angerufen wurde Landwirt Gerhard Kessler aus Bebra, der seit November 2015 einen Stall für bis zu 15000 Legehennen betreibt. Er sagt: „Ein Mann hatte herausgefunden, dass seine Eier von unserem Hof stammen und fragte nach, ob seine schwangere Frau diese ruhigen Gewissens essen könne. Das ist natürlich der Fall.“

Von Pelle Faust

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