Entrüstung nach "Ziegenficker"-Post auf Facebook

Nach rassistischer Entgleisung: Bebraer Politiker entschuldigt sich bei Özil und Gündogan

Bebra. "25 Deutsche und zwei Ziegenficker": Mit seinem Facebook-Post zum vorläufigen deutschen WM-Aufgebot hat der Erste Stadtrat von Bebra, Bernd Holzhauer, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Aktualisiert um 21 Uhr - Er habe, nachdem sich die türkischstämmigen DFB-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren ließen, „fälschlicherweise vollkommen überreagiert und jetzt erkannt, dass dies nicht richtig war“. Holzhauer hatte nach Bekanntgabe des WM-Kaders gepostet: „Das vorläufige deutsche Aufgebot zur WM – 25 Deutsche und zwei Ziegenficker“. Der Post ist inzwischen gelöscht.

Bernd Holzhauer

Holzhauer bereut seinen Facebook-Eintrag. Er wolle sich auch bei allen anderen Menschen entschuldigen, für die seine Wortwahl ebenfalls verletzend war –- „ausdrücklich bei Herrn Özil und Herrn Gündogan“, so Holzhauer gegenüber unserer Zeitung. „Die Brisanz dieses Themas hätte bei mir nicht zu dieser Kurzschlussreaktion führen dürfen“, räumte der leidenschaftliche Fußball-Fan Holzhauer ein. „Ohne dass ich dies als Entschuldigung anführen möchte, ist vielleicht meine jahrelange Arbeit mit Flüchtlingen und meine damalige Betroffenheit für diese Reaktion verantwortlich.“ Das mache sie jedoch nicht nachvollziehbar.

Dieser Facebookpost von Bernd Holzhauer ist seit Mittwochnachmittag gelöscht.

Bürgermeister Uwe Hassl (parteilos) sagte, der Vorfall sei schlimm für Bebra. Er setze aber auf den Selbstreinigungsprozess innerhalb der SPD und fordere nicht Holzhauers Rücktritt. Dieser habe ihn stets sehr gut vertreten. Hassl sprach von Entgleisung, betonte aber auch, Holzhauer sei nicht ausländerfeindlich. Die Aussage passe nicht zu Bernd Holzhauer, sagte Hassl, der erst aus dem Urlaub zurückgekehrt ist und während dieser Zeit von Bernd Holzhauer vertreten wurde.

Holzhauer habe sich einer Wortwahl bedient, die nicht zu ihm als Privatperson passe. Der Erste Stadtrat habe sich stets für Flüchtlinge eingesetzt und engagiere sich im Jugendfußball, betonte Hassl. „Das ist nicht Bernd Holzhauer“, so der Bürgermeister und sprach von einer „bescheuerten Aussage“, zu der Holzhauer sich im Zusammenhang mit dem Fußball habe hinreißen lassen.

Aufs Schärfste verurteilen Christina Kindler und Gerhard Schneider-Rose vom SPD-Stadtverband die Aussage Holzhauers. Solche Beleidigungen habe man als Politiker gefälligst zu unterlassen. Bereits am Mittwoch distanzierte sich die Bebraer CDU von Holzhauer. Man sei geschockt und beschämt, so Friedhelm Claus und forderte Holzhauer zum Rücktritt auf.

Auch die hessische SPD entschuldigte sich bei Mesut Özil und Ilkay Gündogan. „Was Bernd Holzhauer auf Facebook gepostet hat, ist absolut inakzeptabel und missachtet alle politischen, gesellschaftlichen und menschlichen Werte, für die unsere Partei steht“, sagte SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser der Deutschen Presse-Agentur. Trotz Entschuldigung bleibe ein Schaden. „Deshalb erwarte ich, dass die Verantwortungsträger der SPD in Bebra jetzt sehr kritisch und sehr schnell überprüfen, welche Konsequenzen aus dem Vorgang zu ziehen sind.“

Für Aufregung hatte am Donnerstag zudem ein Anrufer gesorgt, der sich gegenüber unserer Zeitung und der Bebraer SPD als Mesut Özils Bruder und Manager Mutlu Özil ausgab. Er kündigte eine Strafanzeige gegen Holzhauer an. Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Firma Özil Marketing, die den Fußballprofi vertritt, stellte sich jedoch heraus, dass der echte Mutlu Özil „nirgendwo angerufen“ habe.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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