Nabu hat Ziegen im Einsatz

Tierische Naturschützer sind gierig auf Gestrüpp in Solz

+
Zwei Naturschützerinnen und ein Landschaftspfleger: Tatjana Wandel (links) und Heidi Hilmes mit Ziege Senta Berger, die mittlerweile aus gegebenem Anlass allerdings Senta Klaus heißt.

Sie meckern nicht über zuviel Arbeit, sondern hauen richtig rein: Die Nabu-Ortsgruppe Solz lässt Magerrasen von einer Ziegenherde pflegen.

In Solz haben die Rasenmäher Namen statt Seriennummern und in vieler Hinsicht sind sie besser als alles, was es im Baumarkt zu kaufen gibt. Seit vier Jahren kümmert sich die dortige Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) um sogenannte Kalkmagerrasen rund um den Bebraer Stadtteil. Bei der Pflege der besonders arten- und blütenreichen Wiesen hilft eine zwölfköpfige Ziegenherde kräftig mit, jetzt sind die Tiere nach der Winterpause wieder im Einsatz.

„Gestrüpp ist mit die bevorzugte Nahrung von Ziegen“, sagt Tatjana Wandel vom sogenannten Ziegenteam der Naturschützer auf einem grünen Hügel hinter dem Berglokal Hohe Buche. Seit sie die eingezäunte, etwa einen halben Hektar große Wiese betreten hat, sind die Tiere ihr hinterhergetrottet, aufgereiht wie auf einer Perlenkette. Als Tatjana Wandel stehen bleibt, senken Leitziege Nora und Kolleginnen den Kopf, verteilen sich und gehen an die Arbeit.

Das Leibgericht der Ziegen sind Gräser und Kräuter, allerdings hat Minnie wohl auch oberhalb der Gürtellinie Leckeres entdeckt.

Die Tiere knabbern Sträucher weg, halten das Gebüsch im Zaum. Und schaffen so Platz für Blühpflanzen: Primeln, Orchideen, Silberdisteln und verschiedene Enzian-Arten. „Wir haben hier fast eine alpine Flora“, sagt Tatjana Wandel. Bevor die Solzer auf die Ziege gekommen sind, wurden die Kalkmagerrasen mit Balkenmähern und anderen Handmaschinen gepflegt – dabei sei allerdings auch viel kaputt gegangen. Da Schafe eher Gras als Pflanzentriebe fressen, fiel die Wahl auf die gehörnten Landschaftspfleger. Dass man beim Ziegenkauf den ein oder anderen Bock schießen kann, mussten die Naturschützer allerdings auch feststellen. Denn Ziegendame Senta Berger (der Verkäufer war ein großer Fan der Schauspielerin) stellte sich beim wenig damenhaften Verrichten der Notdurft auf der Kalkmagerrasenwiese schnell als Mönch, also als ein männlicher Kastrat, heraus. Der Spitzname des Tiers seitdem: Senta Klaus.

Ohnehin scheinen Ziegen so etwas wie der Aufsitzrasenmäher unter den Nutztieren zu sein: Mit ihnen ist Arbeit auch noch unterhaltsam. „Man darf ruhig sagen, dass es sehr viel Spaß macht“, findet Heidi Hilmes, die ebenfalls zum Ziegenteam gehört. Dass die Tiere keine Berührungsängste haben, spielt sicher auch eine Rolle: „Ziegen haben ein viel gewinnenderes Wesen als Schafe“, erklärt Tatjana Wandel. Daher bleibt es auch nie nur bei einem kurzen Kontrollbesuch am Zaun. Mindestens eine Stunde täglich beschäftigt sich das Team mit den Tieren.

Bis zur Winterpause im Dezember werden Nora, Milla, Pünktchen, Bella, Hannes, Chewbacca, Yoda, Senta, Hazel, Luzi, Urselchen und Minnie noch viele Male umziehen. Etwa 14 Tage bleiben die Tiere auf einer Wiese, dann geht es zu Fuß weiter zur nächsten Station der Kalkmagerkulisse Sontra-Morschen. Insgesamt sieben dieser Biotope mit jeweils bis zu einem Hektar Fläche werden von der Nabu Gruppe Solz betreut. Der Verein bekommt für die Beweidung ein Entgelt vom Amt für den Ländlichen Raum des Landkreises. Das deckt etwa die Kosten für Futter, Tierarzt und Weidezäune. Um Gewinn geht es den Naturschützer nicht.

„Es ist toll, wie sich die Flächen entwickelt haben“, sagt Tatjana Wandel, „manche waren sehr verwuchert.“ Das wollen die Naturschützer auch gern interessierten Besuchern zeigen. Auch für Schulklassen seien Nora und ihre Herde sicher ein spannendes Ausflugsziel.

Kontakt: Tatjana Wandel, Mail: tatjana.wandel@gmx.de.

Kommentare