Montagsinterview  über „Hair“, Hitze und Hochzeit

Musical-Darstellerin Bettina Mönch: „Im Herzen bin ich ein Hippie“

„Sheila“ mit blondem „Hair“: Für ihre Rolle im Hippie-Musical muss Bettina Mönch eine Perücke tragen, was den Auftritt noch schweißtreibender macht. Foto: Ludger Konopka

Bad Hersfeld. Musical-Star Bettina Mönch ist zurück in der Stiftsruine. Nach ihrem umjubelten Auftritt als „Sally Bowles“ in „Cabaret“ spielt sie jetzt die „Sheila“ in „Hair“. 

Alena Nennstiel und Kai A. Struthoff trafen Bettina Mönch auf dem Linggplatz zum Interview.

Frau Mönch, Sie sind vom Alter her bestenfalls ein Enkelkind der Hippiezeit. Trotzdem spielen Sie die Sheila mit viel Herzblut. Wie versetzt man sich in diese Zeit zurück?

Bettina Mönch: Das fiel mir gar nicht schwer. Als Zwölfjährige habe ich den Film „Hair“ gesehen und totales Hippie-Fieber bekommen. Ich bin über ein Jahr nur in Hippie-Klamotten rumgelaufen, kenne den Film und die Musik in- und auswendig, war schon immer ein „Hair“-Fan. Früher war aber nicht die im Film eher brave Sheila, sondern die wilde Jeanie meine Lieblingsfigur.

Wären Sie selbst früher auch ein Hippie gewesen?

Mönch: Vermutlich eher Hippie-light. Ich bin kein Aussteigertyp. Aber die Idee des friedlichen Protests und die Antikriegsbewegung sind mir sehr sympathisch. Im Herzen wäre ich auf jeden Fall ein Hippie gewesen.

Vielen jüngeren Zuschauern fällt es schwer, einen Zugang zu der damaligen Zeit zu finden. Trifft das Musical heute noch den Nerv von jungen Leuten?

Mönch: Ich glaube schon, weil gerade jetzt die politische Lage überall auf der Welt so angespannt ist. Es brodelt unter der Oberfläche. Auch über Umweltschutz wird viel diskutiert. Unsere Welt, wie wir mit ihr umgehen, ist daher schon ein großes Thema auch für die junge Generation.

Umweltweltschutz ist ein gutes Stichwort. An diesen sehr heißen Tagen, an denen manche von der Klimakatastrophe reden, müssen Sie mit einer langen, blonden Perücke tanzen und singen. Wie halten Sie das durch?

Mönch: Es ist sehr hart und man ist manchmal kurz vorm Ohnmächtig-Werden. Schon bei kühlem Wetter ist dieses Stück ein Kraftakt. Ich habe schon viele Rollen gespielt, aber „Hair“ ist am anstrengendsten. Das Stück braucht viel Energie, man muss wirklich alles geben.

Die Arbeit als Musical-Darsteller gleicht ja Leistungssport. Wie halten Sie sich fit?

Mönch: Natürlich muss ich mich fit halten in meinem Beruf, wobei das Spielen selbst – gerade bei „Hair“ – ja auch eine sportliche Leistung ist. Ich bin kein Fitnessstudio-Typ. Auch wälze ich keine Nährwertabellen. Ich ernähre mich gesund, übertreibe es aber nicht. Ein Eisbecher muss schon auch mal drin sein.

Der Körper spielt bei „Hair“ eine wichtige Rolle. In der wohl eindringlichsten Szene steht das Ensemble nackt auf der Bühne, Sie danach sogar ganz allein nur mit Ihrer Gitarre. Ist diese völlige Nacktheit nötig?

Mönch: Hair wird sehr oft mit Nacktszene inszeniert, meist aber am Ende des ersten Aktes in „Where do I go“ mit viel Gegenlicht und irgendwie rein esoterisch. Ich finde: Wenn nackt, dann richtig. Und vor allem: Mit Aussage! Unsere Nacktszene ist bei der Demonstration gegen die Polizei. Das ist ein starkes Bild, die nackten Menschen gegen bewaffnete Polizisten. Eindringlicher kann man gewaltfreien Protest nicht zeigen. Wir alle stehen hinter dieser Szene und sind davon überzeugt.

Musical und Schauspiel sind zwei unterschiedliche Stilformen des Theaters. Es gibt wenig Berührung zwischen den Darstellern. Sehen Sie sich eher als Schauspielerin oder als Tänzerin und Sängerin?

Mönch: Ich sehe mich als Musicaldarstellerin mit Schwerpunkt Gesang und Schauspiel. Tänzerin bin ich nicht so sehr, sondern eher Sängerin und Schauspielerin. Anders als etwa in England mischen sich beide Theaterwelten aber in Deutschland leider kaum.

Würden Sie gern beispielsweise die Johanna von Orleans spielen?

Mönch: Ich mag Sprechtheater sehr gern und traue mir das auch zu. Aber es ist sehr schwer, ins Schauspiel zu wechseln, wenn man das Label Musical auf seinem Namen hat. Da gibt es schon viele Vorurteile. Das ist schade!

La Dolce Vita auf dem Liggplatz: Musical-Star Bettina Mönch stieg für unser Foto bereitwillig insWasser – eine willkommene Abkühlung an diesen heißen Tagen.

Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie sich gern mit Gender-Themen beschäftigen. Sie spielen auch immer sehr starke Frauen. Lesen Sie immer noch die „Emma“?

Mönch: (lacht): Ja, das tue ich tatsächlich. Und ja, ich mag starke Frauenrollen.

Können Sie sich denn Ihre Rollen aussuchen?

Mönch: Ich habe das große Glück, dass die richtigen Rollen zur richtigen Zeit an mich herangetragen werden – eine Luxuslage in diesem Job. Bislang musste ich zum Glück nur wenig absagen und die Rollen werden immer interessanter. Für brave kleine Prinzessinnen war ich noch nie der Typ – allein schon durch meine Körpergröße.

Sie sprechen Ihre Größe von 1,78 an. Wegen Ihrer langen Beine werden Sie zuweilen mit Ute Lemper verglichen. Träumen Sie auch von einer Karriere am Broadway?

Mönch: Ich verehre Ute Lemper seit meiner Jugend, und sie war besonders im Studium eine Art Idol für mich. Am Broadway zu spielen ist im Musical natürlich der Ritterschlag schlechthin, aber nicht um jeden Preis, denn die Arbeitsbedingungen dort sind sehr hart. Und hier gibt es so großartiges Theater – ich glaube, „Hair“ ist auch am Broadway nicht besser als hier.

Sie werden im Herbst heiraten, Ihren Regisseur und langjährigen Lebensgefährten Gil Mehmert. Wird das eine Flower-Power-Hochzeit?

Mönch: Damit habe ich mich viel beschäftigt und viele Brautmagazine gelesen. Die Boho-Hochzeit im Hippie-Stil ist im Moment sehr angesagt. Wir werden aber klassisch-modern in einem wunderschönen Wasserschloss in Nordrhein-Westfalen heiraten.

Werden wir Sie im kommenden Jahr in Bad Hersfeld wiedersehen?

Mönch: Ich wünsche es mir sehr, denn ich liebe Bad Hersfeld. Die Stiftsruine als Kulisse ist einmalig und qualitativ sind die Produktionen hier Königsklasse! Besser geht es einfach nicht.

Zur Person

Bettina Mönch wurde 1981 in München geboren. Ihre Ausbildung absolvierte sie am Konservatorium in Wien in den Bereichen Musical, Operette und Chanson. Bereits während ihrer Ausbildung war sie an der Wiener Kammeroper engagiert, es folgte die Rolle der Amneris in Elton Johns AIDA. 2007 gewann sie den Bundesgesangswettbewerb im Bereich Musical. 

Bereits 2015 stand sie bei der Erfolgsproduktion Cabaret in der Rolle der Sally Bowles auf der Bühne der Bad Hersfelder Festspiele. Bettina Mönch ist eine der vielseitigsten und gefragtesten Musicaldarstellerinnen im deutschsprachigen Raum. Nach Ende der Bad Hersfelder Festspiele wird sie in „Kiss me Kate“ in der Oper Bonn zu sehen sein. Zusammen mit ihrem Lebensgefärten, dem Regisseur Gil Mehmert, lebt sie in ihrer Wahlheimat Wien. Ende diesen Jahres treten die beiden vor den Traualtar. (an)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Bad Hersfelder FestspieleBad Hersfeld
Kommentare zu diesem Artikel