Opfer war laut dem Angeklagten wach

Mordprozess Bosserode: Mutter getötet – Sohn gesteht

Skulptur der Justitia mit Waage und verbundenen Augen
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Symbolbild Justiz

Der Angeklagte im Bosseröder Mordprozess hat am Donnerstag vor dem Landgericht gestanden, am 10. November 2020 seine 79-jährige Mutter mit einem Messer getötet zu haben.

Bosserode/Fulda - Die Aussage machte Verteidiger Artak Gaspar stellvertretend für seinen Mandanten. Im Gegensatz zur Anklage der Staatsanwaltschaft, laut der die Mutter bei Beginn des Angriffs geschlafen hatte, war sie laut Gaspar wach. Es habe zuvor einen längeren Streit gegeben.

Der Angeklagte habe mit der Mutter besprochen, dass er am nächsten Morgen für einen Einkauf ihr Auto benutzen könne. Solche Zusagen habe sie in der Vergangenheit schon häufiger nicht eingehalten. Deswegen sei er nachts gegen 2.30 Uhr zu der schlafenden 79-Jährigen gegangen, in deren Haus der gesundheitlich stark angeschlagene Arbeitslose wohnte. Als er das Licht anmachte, sei die Frau aufgewacht.

„Um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen“ habe er dann zunächst seine Mutter gefragt, ob er ihr die Quittungen für einen Baumarkteinkauf schon gegeben habe. Seine Mutter habe ihm dann tatsächlich das Auto verwehrt und gesagt, er solle lieber mit seiner Schwester fahren, „damit er keinen Blödsinn macht“. Die Mutter habe ihrem Sohn zahlreiche Vorwürfe gemacht. Der griff daraufhin zu dem Fleischermesser, das in der benachbarten Küche in einer Schublade gelegen habe. Mit dem gezückten Messer wollte er erreichen, dass seine Mutter ein Gespräch mit der Schwester von vor vier Jahren zugab, in dem beide schlecht über ihn gesprochen haben sollen. Von der Mutter sei ein „Dauerfeuer von Beleidigungen und Erniedrigungen“ gekommen. Wenn sie „ein nettes Wort gesagt hätte, würden wir hier wahrscheinlich gar nicht sitzen“, so der Anwalt.

Sein Mandant sei der Mutter sprachlich und von der Intelligenz her nicht gewachsen gewesen und habe nur gewollt, dass sie aufhört, zu reden. Dazu habe er ihr die Hand auf den Mund gedrückt. Ab diesem Zeitpunkt würden die Erinnerungen des Bosseröders schemenhaft, sagte Artak Gaspar. Er habe sie aufs Bett gedrückt und dann den ersten von 17 Messerstichen gesetzt. Der Vorgang sei eine „schreckliche Tat“. Es sei das erste Mal, dass der Sohn es gewagt hatte, sich wirklich gegen seine Mutter aufzulehnen.

Bei Staatsanwaltschaft und Nebenklage herrschte am Ende Kopfschütteln. Nachfragen zur Aussage können an einem der nächsten Verhandlungstage gestellt werden. (Christopher Ziermann)

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