Am 8. März ist Weltfrauentag: Viel erreicht – und noch viel zu tun

Montagsinterview mit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Ute Boersch

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Ute Boersch ist Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.

Hersfeld-Rotenburg. Der 8. März ist Weltfrauentag. Seit 1911 fordern Frauen an diesem Tag ihre Rechte ein. Über den Frauentag, die Gleichstellung der Geschlechter und die Förderung für Mädchen und Jungs haben wir mit Ute Boersch, der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Hersfeld-Rotenburg gesprochen.

Frau Boersch, brauchen wir noch einen internationalen Frauentag? 

Ute Boersch: Ja, unbedingt! 1911 war der erste Frauentag. Damals ging es um das Frauenwahlrecht. Seitdem hat sich schon viel getan: Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz 1949, 1980 die Gleichstellung am Arbeitsplatz, Vergewaltigung in der Ehe wurde 1997 strafbar – im Verlauf der Jahre hat es viele gesetzliche Meilensteine gegeben. All diese Veränderungen sind aber nicht einfach so gekommen, sondern von Frauen hart erkämpft worden. Deshalb ist es wichtig, das nicht zu vergessen und weiter für die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern einzutreten.

Wie steht’s heute mit der Gleichstellung der Geschlechter? 

Boersch: Formal: Ja – tatsächlich: Nein! Auch wenn sich eine Menge verändert hat. Jungen Frauen und Mädchen wird vermittelt: Ihr habt alle die gleichen Chancen. Ihr könnt alles erreichen. Aber so ist es nicht. Es gibt immer noch Strukturen und Rollenzuweisungen, die das sehr erschweren. Wir haben immer noch eine Lohndifferenz. Frauen arbeiten immer noch in schlechter bezahlten Berufen oder haben Brüche in ihrem Erwerbsleben. Es wird aber auch immer noch nicht gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt. Die unentgeltliche Care-Arbeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen geleistet. Junge Frauen fordern heute mehr Lohngerechtigkeit und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Spätestens wenn die Kinder kommen, verlaufen Erwerbsbiografien von Frauen und Männern sehr unterschiedlich. Dann gibt es zumindest einen Knick, häufig auch das Ende der Karriere. Die Folge ist auch: Altersarmut ist weiblich. Frauen finden wir zudem nach wie vor selten in Aufsichtsräten und Vorständen, auch wenn es seit 2016 gesetzliche Vorgaben gibt. Also: Wir haben immer noch einiges zu tun.

Warum ist ein gleichberechtigter Umgang zwischen Frauen und Männern so schwer? 

Boersch: Das frage ich mich auch manchmal! Die Rollenbilder sind immer noch, trotz aller Bemühungen, sehr fest gefügt. Ich habe auch den Eindruck, dass sie wieder traditioneller werden. Es gibt häufig ein Machtgefälle, und Gleichberechtigung ist schwierig, wenn es unterschiedliche Machtverhältnisse gibt. Manchmal fühlen Männer sich auch bedroht von selbstbewussten, starken Frauen und deren Forderungen. Zudem sollten mehr Gender-Aspekte in die frühkindliche Erziehung gebracht werden, in Kindertagesstätte und Schule. Ich wünsche mir, dass da die Rollenbilder stärker hinterfragt werden. (zac)

Das vollständige Interview und mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Zeitung und im E-Paper.

Quelle: HNA

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