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Mit dem Rad durch Deutschland: „Schönste Etappe war der Fulda-Radweg“

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Abenteuer auf zwei Rädern: Deutschlands bekannteste Reiseblogger Brigitte „Biggi“ Bauer und Florian Westermann sind mit dem Fahrrad vom südlichsten Punkt Deutschlands zum nördlichsten gefahren. Dabei sind sie auf dem Fulda-Radweg auch an Rotenburg, Melsungen und Hann. Münden vorbeigekommen.
Abenteuer auf zwei Rädern: Deutschlands bekannteste Reiseblogger Brigitte „Biggi“ Bauer und Florian Westermann sind mit dem Fahrrad vom südlichsten Punkt Deutschlands zum nördlichsten gefahren. Dabei sind sie auf dem Fulda-Radweg auch an Rotenburg, Melsungen und Hann. Münden vorbeigekommen. © Florian Westermann/NH

Mit dem Rad vom südlichsten Punkt Deutschlands bis zum nördlichsten: Zwei professionelle Reiseblogger haben dieses Abenteuer bewältigt und Eindrücke gesammelt.

Rotenburg/Melsungen/Hann. Münden – 1700 Kilometer, 5000 Höhenmeter, 26 Etappen, quer durch Deutschland – und das alles auf dem Fahrrad: Das haben die „Phototravellers“ (deutsch: Foto-Reisende) Biggi Bauer und Florian Westermann hinter sich. Auf ihrem gleichnamigen Blog nehmen sie nach eigenen Angaben monatlich über 800 000 Menschen mit auf ihre Abenteuer und sind damit die meistgelesenen Reiseblogger Deutschlands.

Als „schönste Städte am Fulda-Radweg“ sind ihnen Rotenburg und Hann. Münden im Gedächtnis geblieben. Und wenn das jemand beurteilen kann, dann wohl die beiden Profis. Sie haben auf ihrer Radtour nicht nur zahlreiche deutsche Städte kennengelernt, sondern waren schon auf der halben Welt unterwegs. Das erfährt man in ihrem Blog, den sie 2010 gestartet und mit dem sie sich 2018 selbstständig gemacht haben. Mit Berichten im Internet über ihre Reisen verdienen sie somit ihr Geld.

Normalerweise nicht auf zwei Rädern unterwegs

Auf zwei Rädern sind die 37-Jährige und der 42-Jährige sonst aber eigentlich nicht unterwegs – zumindest nicht so weit, ging es doch vom südlichsten Punkt des Landes, dem Haldenwanger Eck bei Oberstdorf im Allgäu, zum nördlichsten, dem Lister Ellenbogen auf der Nordseeinsel Sylt. Dabei sind Bauer und Westermann auf dem Fulda-Radweg auch in Rotenburg, Melsungen und Hann. Münden vorbeikommen – und waren überrascht und begeistert.

Auf der Grafik sind Start und Ziel sowie die Städte am Fulda-Radweg markiert.
Mit dem Rad quer durch Deutschland. © HNA Grafik

Nicht etwa mit E-Bikes, sondern mit reiner Muskelkraft unterwegs, mussten die beiden feststellen, „dass Deutschland doch mehr Hügel hat als gedacht“. Bis die Strecke erstmals richtig flach wurde, sind drei Wochen vergangen. Teilweise habe es Etappen gegeben, bei denen es 20 Kilometer lang nur bergauf ging. Und das, obwohl sich die Reiseblogger auf das Nötigste – darunter drei T-Shirts, zwei Hosen, ein Pullover, drei Paar Socken, etwas Werkzeug und natürlich die Foto-Ausrüstung – beschränkt hatten, mit jeweils knapp 15 Kilo Gepäck.

Eine Nacht in Melsungen und Hann. Münden, in Rotenburg nur auf Durchreise

Bei Wind und Wetter waren sie jeden Tag durchschnittlich 60 bis 70 Kilometer unterwegs – ganz ohne platten Reifen, dafür aber mit schmerzendem Hintern ab dem zweiten Tag. Zwar beschreiben sich beide als sportlich, diese Belastung waren ihre Körper dann aber doch nicht gewohnt. Muskelkater hatten Bauer und Westermann aber erstaunlicherweise nicht.

Übernachtet haben sie meist in kleinen Hotels, die sie kurzfristig einen Abend zuvor gebucht haben. Obwohl die Tour durchgeplant war, „wusste man vorher nie, wann man tatsächlich wo ankommt“, sagt Bauer. Auch in Melsungen und Hann. Münden haben die Reiseblogger eine Nacht verbracht. In Rotenburg hingegen waren sie nur auf Durchreise. Dabei hat es dem Paar dort so gut gefallen.

Rotenburg: „eine der schönsten Städte in Hessen“

Als eine der schönsten Städte in Hessen haben Bauer und Westermann Rotenburg an der Fulda erlebt. Als sie mit ihren Fahrrädern in die Stadt reingefahren sind, war der Überraschungseffekt groß: „Wir wurden von den Fachwerkhäusern regelrecht erschlagen“, meinen sie im positiven Sinn. Auch der Schlosspark mit dem Brunnen und dem Froschkönig hat ihnen gut gefallen.

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihnen aber der Platz beim Zirbes-Brunnen, das Ensemble an beeindruckenden Fachwerkhäusern und der Blick von der Alten Fuldabrücke in die Stadt. Und nicht zu vergessen: „Der leckere Crumble mit einer Kugel Eis in dem blauen Café und den supernetten Ladys“, sagt Bauer und meint das „The blue Cup & Cake Café“ an der Brückenstraße.

Melsungen: eine positiv „krasse Stadt“

Als „krasse Stadt“ betiteln Bauer und Westermann Melsungen. Und auch das meinen sie durchaus positiv. Zum einen, weil sie von der Architektur der Stadt beeindruckt waren, zum anderen wegen der Bartenwetzer-Tradition, die dort beheimatet ist. „In die Geschichte mussten wir uns erst mal reinlesen, davon haben wir noch nie gehört“, sagt Baum. Die Geschichte geht bis ins Mittelalter zurück und der Bartenwetzer, also ein Holzfäller mit seiner Axt, gilt als Symbolfigur der Melsunger.

„Abgefahrenes Highlight“: die Fahrrad-Seilbahn auf dem Fulda-Radweg bei Malsfeld.
„Abgefahrenes Highlight“: die Fahrrad-Seilbahn auf dem Fulda-Radweg bei Malsfeld. © Privat

Direkt an der „krassen Steinbrücke“, die dieser Tradition ihren Namen verdankt, hat eine zufällige Begegnung den Besuch der nordhessischen Kleinstadt für die Reiseblogger zu etwas Besonderem gemacht: Eine Schwanenfamilie mit vier Jungen kreuzte dort ihren Weg. Etwas, das den beiden auch etwa drei Wochen nach Ende ihrer Tour noch im Gedächtnis geblieben ist.

Hann. Münden: das „mittelalterliche Manhattan“

Auch in Südniedersachsen hat eine zufällige Begegnung den Tour-Stop der Münchner versüßt. Direkt am Weserstein sind sie auf einen älteren Mann getroffen, der ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs war und die beiden direkt angesprochen hat. „Ihr müsst euch hier unbedingt küssen“, sagte der Mann laut Bauer. Nach seiner Interpretation dieses Brauchs würde die Reise dann positiv weitergehen – „es hat funktioniert“, sagt die 37-Jährige.

In Hann. Münden sind Westermann vor allem die „riesigen Häuser“ aufgefallen, weshalb er die Stadt auch als „mittelalterliches Manhattan“ bezeichnet. Für den 42-Jährigen war es bereits der zweite Besuch in der Dreiflüssestadt, weil beide Besuche aber von grauem Himmel überdeckt waren, wohl nicht der letzte: „Ich habe mit der Stadt noch eine Rechnung offen.“

Fazit: Sie würden es immer wieder machen

So eine Tour würden Bauer und Westermann immer wieder machen, wie sie sagen – beim nächsten Mal aber mit einer veränderten Route, um Neues zu sehen. Die schönste der 26 Etappen? „Der Fulda-Radweg von Bad Hersfeld bis Melsungen“, sind sich die Reiseblogger einig. Also die Etappe, auf der auch Rotenburg liegt. Vor allem die Fahrrad-Seilbahn bei Malsfeld, mit der man sich selbst über die Fulda zieht, war ein „abgefahrenes Highlight“: „Man kurbelt sich da echt einen Ast ab“, sagt Bauer.

Auch die Münchener, die schon einiges von der Welt gesehen haben, waren überrascht, wie vielfältig Deutschland sein kann. „Es war interessant, wie sich im Laufe der Reise die Landschaft verändert hat“, sagt Bauer. Und nicht nur das: „Plötzlich sagen die Leute ‘Moin’.“ Als das Ziel auf Sylt erreicht war, war das für die 37-Jährige ein sehr emotionaler Moment, wie sie sagt. Schließlich liegen 1700 Kilometer, 5000 Höhenmeter, 26 Etappen, quer durch Deutschland – und das alles auf dem Fahrrad – hinter ihr. (Lea-Sophie Mollus)

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