Alte Schätzchen

Schrauber-Serie: Über ein Käfer Cabrio und die Liebe auf den ersten Blick

Ralf Hilmes und seine Nichte Carla Radomsky winken aus dem Käfer Cabrio, dass der Bürgermeister von Nentershausen und begeisterte Schrauber seit 1994 besitzt.
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Ralf Hilmes und seine Nichte Carla Radomsky unternehmen gern mal eine Spritztour mit dem Käfer, wenn die Lehramtsstudentin aus Nürnberg zu Besuch in Nentershausen ist. Dabei sind sie vor ein paar Jahren auch schon mal ungeplant durch Schnee gefahren – auf dem Weg zum Inselsberg.

In unserer Serie stellen wir talentierte Schrauber aus Hersfeld-Rotenburg und ihre Oldtimer vor. Heute: Ralf Hilmes aus Nentershausen mit seinem Käfer Cabrio aus dem Jahr 1979.

Nentershausen – „Mit meinem Käfer Cabrio habe ich schon Silberne Hochzeit gefeiert, mit meiner Frau Ute noch nicht“, erzählt Ralf Hilmes und lacht. Sein Herz hängt an beiden. Das wird aus jedem seiner Sätze deutlich.

Im Jahr 1994 hat er den Käfer gekauft. „Ich wollte unbedingt ein offenes Fahrzeug und habe sogar auch mal nach einem Trabant-Cabrio Ausschau gehalten“, berichtet der Nentershäuser Bürgermeister. Dann entdeckte er in Obermelsungen den Käfer einer Ärztin. Der Lack des Wagens war noch gut in Schuss, obwohl sie ihn ganzjährig gefahren war. „Ich habe das Auto gesehen und es sofort gekauft“, erzählt der 55-Jährige. Und seine Frau Ute Griesche fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Das war für meinen Mann Liebe auf den ersten Blick.“ Der Preis damals: 14 500 DM. Baujahr 1979. Es ist eines der letzten Käfer Cabrios, die in Deutschland produziert wurden.

Schrauber-Serie: Für Ralf Hilmes war sein Käfer Cabrio Liebe auf den ersten Blick

Der Schrauber Ralf Hilmes nutzt seinen geliebten Käfer Cabrio zu vielen Gelegenheiten, hat aber auch eine ganze Menge Arbeit mit dem Oldtimer.
Der Schrauber Ralf Hilmes nutzt seinen geliebten Käfer Cabrio zu vielen Gelegenheiten, hat aber auch eine ganze Menge Arbeit mit dem Oldtimer.
Der Schrauber Ralf Hilmes nutzt seinen geliebten Käfer Cabrio zu vielen Gelegenheiten, hat aber auch eine ganze Menge Arbeit mit dem Oldtimer.
Der Schrauber Ralf Hilmes nutzt seinen geliebten Käfer Cabrio zu vielen Gelegenheiten, hat aber auch eine ganze Menge Arbeit mit dem Oldtimer.
Schrauber-Serie: Für Ralf Hilmes war sein Käfer Cabrio Liebe auf den ersten Blick

„Ich bin handwerklich begabt und deshalb mache ich bei meinem Käfer auch alles selber“, berichtet Hilmes. Dazu gehören Schweißarbeiten genauso wie das Tüfteln an der Elektrik. Ersatzteile gibt es noch ohne Ende. Stolz ist der 55-Jährige auch auf das Windschott, dass er aus einem Rollo gefertigt hat. Die Trennwand hinter den Sitzen lenkt die in das Fahrzeug strömenden Luftwirbel um und hält sie so von den Fahrzeuginsassen auf den Vordersitzen fern.

„Selbst, wenn wir mal mit Rückenwind Tempo 160 fahren, merken wir kaum etwas von den Luftwirbeln“, erzählt der Bastler, der von April bis Oktober mit offenem Faltdach fährt – natürlich möglichst nur, wenn es nicht regnet. „Sonst kann der Rost zum Problem werden.“

Macht als begabter Schrauber alles selbst: Auch den Motor hat Ralf Hilmes 2002 schon mal ausgebaut.

Der Käfer ist aber nicht nur ein Schmuckstück, mit dem Ralf Hilmes über Land gondelt – gern auch mal nach Wiesbaden oder Gotha. Der Käfer ist auch ein „Arbeitstier“. Dank dazu gekaufter Anhängerkupplung kann der Nentershäuser einen Fahrradträger anbringen. Mit einem Anhänger, Baujahr 61, der selbst schon ein Oldtimer ist, transportiert Hilmes Hecken- oder Baumschnitt, Holz oder Dämmplatten aus dem Baumarkt. „Mein Vater Wilhelm war Schreiner. Die Achse haben wir gekauft. Den Holzaufbau des Hängers hat er selbst gebaut. Das Besondere ist die große Ladefläche.“

Für so manchen ist ein Käfer Cabrio mit Anhänger ein unerträglicher Stilbruch. Ralf Hilmes stört das nicht. „Der Anhänger leistet mir gute Dienste.“

Hilmes: Wenn er stehen bleibt, bin ich selbst schuld

Die dreifarbige Katze der Familie wird liebevoll „Die Dicke“ genannt. Für seinen Käfer Cabrio hat Hilmes aber keinen Kosenamen. Das ginge ihm dann doch zu weit. Trotzdem spürt man in jedem Satz seine Liebe zu dem besonderen Gefährt. „Es ist ein ganz treuer, verlässlicher Freund.“ In 26 Jahren ist der Wagen nur zwei mal bockig stehen geblieben. „Und da war ich selbst schuld, weil ich Defekte nicht behoben hatte, die ich aber schon kannte“, nimmt der Nentershäuser alle Schuld auf sich. „Das Auto ist eben ein Volkswagen. Es läuft und läuft“, kommentiert Ehefrau Ute. 5000 Kilometer fährt Hilmes pro Jahr mit dem Traum auf vier Rädern. Und immer wieder stehen alte und junge Menschen am Wegesrand, die einfach nur den Daumen heben.

Begeistert ist der Tüftler auch von der Ausstattung des Oldtimers: der Uhr, dem Scheibenwischer, der auf Intervall zu stellen geht, und der Zusatzbelüftung für die Frontscheibe. Nachträglich eingebaut hat er die Stereoanlage mit guten Boxen.

Ute Griesche und Ralf Hilmes nutzten den Oldtimer auch, um schöne Hochzeitsfotos zu schießen.

„Mit dem Käfer ist die Fahrt das Schöne. Der Weg ist das Ziel“, sagt Lehramtsstudentin Carla Radomsky, die gern mit ihrem Onkel eine Spritztour unternimmt. Auch selbst darf die 21-Jährige den Käfer mal fahren.

Sogar mit geschlossenen Augen erkennt man, dass ein Käfer um die Ecke saust. Das klingt wie Musik in den Ohren der Liebhaber. „Dieser besondere Sound des Boxer-Motors, die Natur, die hautnah an einem vorbeirauscht, das ist ein Gefühl von Freiheit, da kann ich entspannen“, erzählt Ralf Hilmes. Eine Fahrt mit dem Oldie ist für ihn anspruchsvoll, aber nicht anstrengend. Und dann gerät er noch mal richtig ins Schwärmen: „Um so einen Käfer zu fahren, muss man Idealist sein. Fahrzeug und Fahrer müssen eine Einheit bilden.“ (Von René Dupont)

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