Opfer mussten doch in den Zeugenstand

Fulda/Nentershausen. Im Prozess gegen einen 23-Jährigen aus Nentershausen, dem vorgeworfen wird, über einen Zeitraum von acht Jahren zehn Jungen im Alter von acht bis 15 Jahren sexuell missbraucht zu haben, hat das Landgericht Fulda nun doch sechs der  Opfer in den Zeugenstand gebeten.

Vor dem angekündigten Geständnis des Angeklagten am ersten Verhandlungstag hatte Staatsanwaltschaft Stephan Müller-Odenwald in Aussicht gestellt, dass man je nach Art und Umfang des Geständnisses möglicherweise davon absehen könne, die Opfer zu hören.

Die zweite Strafkammer lud sechs der laut Anklage insgesamt zehn Opfer nach der Aussage des Angeklagten dann aber doch am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch zur Zeugenaussage ein. Diese Entscheidung wollte der Vorsitzende Richter Simon Trost nicht kommentieren.

In Justizkreisen wurde bestätigt, dass der Angeklagte ein Geständnis abgelegt habe. Beobachter werten die Entscheidung der Kammer, doch Zeugen zu hören, allerdings als Indiz dafür, dass das Geständnis möglicherweise doch nicht so umfassend war wie zunächst angekündigt.

In jedem Fall sind bei jedem der angeklagten 42 Fälle sexuellen Missbrauchs von 2003 bis 2008 die Details zu klären. Schon Kleinigkeiten können die Art der Strafbarkeit der angeklagten Taten verändern. In jedem der Fälle wurden nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Jungen aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten Opfer. Angeklagt sind sowohl Fälle, in denen der Angeklagte Jungen dazu brachte, sexuelle Handlungen an ihm oder an sich selbst vorzunehmen, als auch Fälle, in denen der heute 23-Jährige Handlungen an den Jungen vornahm.

Die Zeugenvernehmung am Mittwoch geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Darauf hatten sich das Gericht, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung bereits am ersten Verhandlungstag geeinigt. Es gilt als möglich, dass auch die übrigen vier Jungen, deren Vernehmung bislang nicht vorgesehen war, noch in den Zeugenstand gebeten werden.

Der Angeklagte war Anfang Dezember 2011 in Untersuchungshaft gekommen, befindet sich aber seit März 2012 wieder auf freiem Fuß. Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. (vn)

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Quelle: HNA

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