Serie: Da steckt Kali drin

Kali lässt den Kaffee wachsen: Mineraldünger aus K+S-Werk Werra nach Südamerika exportiert

Im Lagerschuppen: Der Produktionsleiter des Kaliumchloridbetriebes Unterbreizbach, Dr. Reinhard Noack (links), und Produktions- und Technikleiter Dr. Frank Schrumpf begutachten das in Unterbreizbach hergestellte 60er Kali, das nach Brasilien exportiert wird. Fotos: Eisenberg

Unterbreizbach. Brasilien ist Hauptabnehmer des Düngemittels 60er Kali, das im Standort Unterbreizbach des K+S-Werks Werra hergestellt wird. 

Das Sprichwort „Das Auge isst mit“, gilt im übertragenen Sinne offenbar auch für Dünger.

„Die Landwirte in Brasilien sind Kali-Dünger mit einer rötlichen Farbe gewohnt“, erzählt Dr. Frank Schrumpf, Leiter von Produktion und Technik über Tage des K+S-Standorts Unterbreizbach. Das südamerikanische Land sei Hauptabnehmer des sogenannten 60er Kalis, das in der thüringischen Fabrik des K+S-Verbundwerks Werra hergestellt wird. Seinen Kalidünger habe Brasilien traditionell aus Russland bezogen, ein natürlicher Eisenoxid-Anteil in der Lagerstätte sorge dort für die rote Farbe, erklärt Schrumpf. Um auf dem brasilianischen Markt Akzeptanz zu finden, wird dem eigentlich weißen 60er MOP gran pink – so die Handelsbezeichnung für den Dünger mit 60 Prozent Kaliumchlorid – bei der Produktion in Unterbreizbach das rote Eisenoxid nachträglich beigemischt. „Auf die Düngewirkung hat das aber keinen Einfluss“, verdeutlicht der Produktionsleiter.

Entscheidend sei zwar die Mineralienzusammensetzung und nicht die Optik, dennoch werte offenbar auch die heimische Landwirtschaft eine gleichbleibende Farbe als Zeichen gleichbleibender Qualität. Das ebenfalls in Unterbreizbach produzierte Kornkali, welches hauptsächlich für den europäischen Markt bestimmt ist, werde deshalb farblich dem Kornkali aus Neuhof angepasst. In dem Werk im Landkreis Fulda, das den Großteil dieses Düngemittels herstellt, sorgt ein natürlicher Tonanteil für einen Grauton.

Nährstofflieferant: Das 60er Kali vom K+S-Standort Unterbreizbach.

60er und Kornkali – die Düngemittel, auf die der Standort Unterbreizbach spezialisiert ist – seien in relativ großen Mengen auf dem Markt, erklärt Schrumpf. Dank eines hohen Wertstoffgehalts von bis zu 25 Prozent Kalium im Rohsalz und einer schlanken Produktion könne der Standort auf dem Weltmarkt konkurrieren. Das in der Kaligrube gewonnene Rohsalz wird in den Fabrikanlagen zunächst in drei bis fünf Millimeter große Körner zerkleinert. In der Kalten Vorzersetzung, einer Art „Vorwäsche“, wird zunächst Magnesiumchlorid vom Rohsalz abgetrennt. Die anschließenden Produktionsprozesse beruhen auf der Eigenschaft von Kaliumchlorid, sich bei steigender Temperatur besser in Flüssigkeit zu lösen. Die Kaliumminerale gehen dabei in eine heiße Salzlösung über, während sich das Steinsalz nicht auflöst. Filter, Zentrifugen, Kühler und Trockner sorgen in einem mehrstufigen Verfahren dafür, dass das Steinsalz abgetrennt wird und das Kali auskristallisiert.

Granulierpressen verhelfen dem Produkt zu seiner körnigen Form. Über Förderbänder gelangt das fertige 60er Kali meist direkt in Schüttgutwaggons der Bahn oder wird in einem Schuppen zwischengelagert.

Im Schiff um die halbe Welt

Fast die gesamte Produktion verlässt das Werk auf der Schiene“, betont der Leiter des Kaliumchloridbetriebes Unterbreizbach, Dr. Reinhard Noack. 2,4 Millionen Tonnen Rohsalz verarbeiten die 260 Mitarbeiter des Standorts jährlich zu 766 000 Tonnen verkaufsfertigen Produkten. Über Gerstungen und Bebra rollen die Waggons zum Kali-Kai am Hamburger Hafen. 20 Tage auf See Dort wird der Dünger auf Schiffe umgeschlagen und tritt die etwa 20-tägige Seereise nach Brasilien an. 

Die Reise beginnt: Auf dem Werksgelände wird der Kalidünger in Schüttgut-Eisenbahnwaggons verladen.

Das 200-Millionen-Einwohnerland gilt als größter Produzent von Soja – das auch in den Futtertrögen in deutschen Rinder- und Schweineställen landet –, Zuckerrohr sowie Kaffee und ist bedeutender Exporteur von Rindfleisch und Geflügel. Raps, Mais und Rüben Die Reise des Kornkalis fällt hingegen deutlich kürzer aus: Der kombinierte Kalium- und Magnesiumdünger werde vor allem nach Deutschland, Frankreich und Osteuropa verkauft, um dort Feldfrüchte wie Zuckerrüben, Raps und Mais zu düngen, erklärt Produktionsleiter Dr. Frank Schrumpf. Für den Obstbau sei Kornkali wegen seines Chloridanteils hingegen nicht geeignet. 

Lösung sorgt für freie Straßen

Nicht nur der hohe Wertstoffgehalt des Rohsalzes, sondern auch die besondere geologische Beschaffenheit sorgt dafür, dass der K+S-Standort Unterbreizbach ohne Abraumhalde auskommt. Durch vulkanische Aktivitäten wurde die eigentlich flache Kali-Lagerstätte am Fuße der Rhön aufgeworfen. Beim Abbau bleiben deshalb bis zu 60 Meter hohe, mehrere 100 Meter lange und bis zu 80 Meter breite Hohlräume – sogenannte Kuppen – zurück. Durch Rohrleitungen werden die festen Rückstandsalze mit einer gesättigten Magnesiumchlorid-Trägerlösung wieder in diese unterirdischen Hohlräume zurückgeleitet. Salzabwässer aus Unterbreizbach werden an anderen Werksstandorten im Produktionsprozess genutzt – bislang am Standort Wintershall, künftig in der neuen KKF-Anlage am Standort Hattorf. Magnesiumchloridlösung aus der Unterbreizbacher Kalifabrik kommt zudem auch beim Winterdienst zum Einsatz. Sie beschleunigt den Tauvorgang und sorgt dafür, dass das Streusalz nicht von der Straße getragen wird. Während Streusalz bei minus 18 Grad Celsius seine Wirkung verliere, sorge die Lösung bei extremen Minustemperaturen für freie Straßen, erklärt Dr. Frank Schrumpf. (jce)

Unsere Serie: Mit rund 4400 Beschäftigten ist das K+S-Werk Werra der größte Arbeitgeber in der Region, steht wegen seiner salzhaltigen Abwässer aber auch in der Kritik. Wofür die dort gewonnen Rohstoffe verwendet werden, wissen wohl nur die Wenigsten. In unserer Serie stellen wir Produkte vor, in denen Kali steckt. 

Quelle: HNA

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