"Özil versucht, sich vom Täter zum Opfer zu machen"

Bebraer Politiker nach Özil-Vorwurf: Bierhoff und Grindel sind schlimmer

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Die Debatte um sie nimmt kein Ende: Der zurückgetretene Nationalspieler Mesut Özil (links) und der Bebraer SPD-Politiker Bernd Holzhauer.

Seinen Rücktritt aus der DFB-Elf begründete Mesut Özil auch mit der "Ziegenficker"-Beleidigung von Bernd Holzhauer aus Bebra. Der SPD-Politiker wehrt sich nun. Andere fordern seinen Parteiausschluss.

Glaubt man Bernd Holzhauer, macht es ihm nichts aus, dass gerade die halbe Welt über ihn und Mesut Özil spricht. Der SPD-Politiker aus Bebra hatte den deutschen Fußball-Nationalspieler und dessen Kollegen Ilkay Gündogan wegen deren Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan als "Ziegenficker" bezeichnet. Seinen Rücktritt aus der DFB-Elf begründete der deutsch-türkische Weltstar Özil auch mit Holzhauers Beleidigung. Doch der sagt erst einmal: "Die Debatte interessiert mich nicht."

Für seine Wortwahl hat sich der 62-Jährige längst entschuldigt. Von seinem Amt als Erster Stadtrat ist er zurückgetreten. Nun fordert die "Bild"-Zeitung jedoch seinen Parteiausschluss. Der Kampf der Genossen gegen Rassismus sei nur glaubwürdig, wenn ein solches Verfahren zumindest angestrebt werde. Das wird es jedoch nicht geben: "Ein Ausschluss ist kein Thema für uns", sagt Gerhard Schneider-Rose vom Stadtverband. Allerdings gibt es auch andere Stimmen an der Basis. Eine Politikerin, die nicht genannt werden will, sieht keine Erfolgsaussichten für ein solches Verfahren: "Wir kriegen ja nicht mal Thilo Sarrazin raus."

Der Inhalt des Videos stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex.

Holzhauer würde sich am liebsten gar nicht mehr zu dem Thema äußern, tut es dann aber doch. Er sei mit den Fingern einfach "zu schnell gewesen", als er im Mai seinen umstrittenen Satz bei Facepook postete. Özils dreiteilige Presseerklärung, in der dem Nordhessen Rassismus vorgeworfen wird, versteht er nicht: "Da macht sich ein Täter zum Opfer." Das Foto mit Erdogan sei nach wie vor ein Fehler. Die These, dass im DFB "Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund" das Sagen hätten, hält er für "stark übertrieben und am Thema vorbei." Und: "Was Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel gemacht haben, ist viel schlimmer als das, was ich geschrieben habe."

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat sich gerade verteidigt gegenüber Özils Vorwürfen und zugleich Fehler eingestanden - also wie einst Holzhauer, der mit seiner Reaktion aber deutlich schneller war. Bis heute kann er manche Urteile über ihn nicht verstehen. Jahrelang hat Bebras ehemaliger Vize-Bürgermeister Fußballmannschaften betreut - und zwar solche "mit 90 Prozent Ausländeranteil". Noch heute betreut er zwei Flüchtlingsfamilien. 

Und trotzdem hat er nach seinem Facebook-Post und der Entschuldigung zahlreiche Hass-Mails bekommen. Holzhauer hat trotzdem keine Anzeige erstattet. Lieber verweist er darauf, dass unter den kritischen Reaktionen keine einzige aus Bebra gewesen sei. Den Vater des ebenfalls aus der Stadt kommenden Nationalspielers Shkodran Mustafi hat er vor wenigen Tagen auf der Straße getroffen. Menschen, die ihn kennen, so Holzhauers Botschaft, würden ihn verstehen. Die "Bild"-Zeitung dagegen, die nun seinen Kopf fordert, habe nicht ein einziges Mal mit ihm geredet.

Holzhauer hat auch mit Türken gesprochen. Am Ende sei man stets gut auseinander gegangen. Zu der These, dass Özils Rücktritt ein fatales Zeichen für die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft sei, sagt er: "Ausgeschlossen fühlen sich nur die, die nicht integriert sind."

Was würde er Mesut Özil sagen, wenn er ihn einmal treffen würde - und nicht seinen Berater Erkut Sögüt, der die Rücktrittserklärung ganz offensichtlich formuliert hat: "Ich würde mich noch einmal entschuldigen und sagen: Wenn du meine Hilfe brauchst, kannst du bei mir anrufen." Es sieht nicht aus, dass es so weit kommen würde.

Quelle: HNA

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