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Meeschendorf: Kreis Hersfeld-Rotenburg verschafft Hotelgruppe Jufa mehr Zeit

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Von: Clemens Herwig

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Unser Bild zeigt die ehemalige Ferienanlage des Kreises Hersfeld-Rotenburg am Strand in Meeschendorf auf der Insel Fehmarn.
In der Ferienanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf wächst statt des geplanten Familienhotels in Toplage derzeit höchstens das Gras in die Höhe. Die ehemalige Ferienstätte liegt seit zwei Jahren brach. Daran wird sich vorerst nichts ändern. Unser Foto zeigt die Anlage im August 2021 mit Blick von der Strandpromenade. © Thomas Lohr

Der Kreis Hersfeld-Rotenburg und die Hotelgruppe Jufa bleiben bei der Entwicklung des Geländes der ehemaligen Ferienstätte in Meeschendorf auf Fehmarn zunächst Partner.

Hersfeld-Rotenburg/Fehmarn – Der Kreisausschuss hat die Rücktrittsfrist vom Erbpachtvertrag für das Unternehmen aus Österreich um gut eineinhalb Jahre bis zum Herbst 2023 verlängert. Jufa Hotels soll so mehr Zeit für neue Pläne verschafft werden.

Das ursprünglich von den Österreichern vorgesehene Familienhotel auf dem Kreisgelände war im April 2021 an einem Bürgerentscheid auf der Ostseeinsel gescheitert.

Die Hotelgruppe hätte sich bis zum 15. Januar aus dem Vertrag mit dem Landkreis zurückziehen können – ohne negative Auswirkungen wie etwa einer Strafzahlung, so Landrat Torsten Warnecke (SPD) auf Nachfrage. Stattdessen habe das Unternehmen um eine Fristverlängerung gebeten, was der Kreisausschuss einstimmig befürwortet hat. „Wir haben ein großes Interesse daran, mit Jufa weiter zusammenzuarbeiten“, sagt Warnecke. Das Unternehmen halte trotz aller Widerstände am Standort fest, habe bereits Zeit und Geld in die Planung investiert und wolle das erneut tun.

Jufa Hotels: Haben noch keine Lösung für den Standort

Die Entscheidung erleichtert haben dürfte die derzeit recht komfortable Lage für den Landkreis: Hersfeld-Rotenburg streicht jährlich den Erbbauzins von rund 70 000 Euro ein – unabhängig davon, was auf dem Gelände passiert. Vor dem Erbpachtvertrag mit Jufa Hotels, der auf 75 Jahre angesetzt ist, hatte die Kreisanlage in zehn Jahren ein Defizit in Höhe von 650 000 Euro und einen Investitionsbedarf von mindestens drei Millionen Euro angesammelt. Der Versuch, den Kreisbesitz für 2,18 Millionen Euro zu verkaufen, war im Juni 2018 am Widerstand im Kreistag gescheitert.

Wie es auf dem Gelände weitergeht, bleibt offen: „Es ist gemeinsam mit dem Landkreis gelungen, Zeit zu schaffen, um eine Lösung für den Standort zu finden“, sagt Jufa-Sprecher Martin Seger-Omann. Diese gebe es derzeit noch nicht – sie dürfte aber kleiner ausfallen, als das abgelehnte Familienhotel. Auch die Frage, ob eine vorübergehende Reaktivierung der bestehenden Ferienanlage, die seit Anfang 2020 brach liegt, vorstellbar ist, kann Jufa noch nicht beantworten. Die Hotelgruppe hat, wie viele in der Branche, stark mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Aufmerksamkeit gelte daher derzeit vor allem den „aktiven Standorten“, so Seger-Omann.

Viele Hürden, aber auch ermutigende Signale aus Fehmarn

Bis auf die verlängerte Rücktrittsfrist bleibe der Erbpachtvertrag zwischen dem Landkreis und Jufa Hotels vorerst unverändert, sagt Landrat Warnecke. Dabei dürfte es nicht bleiben: Vorgesehen ist in der Vereinbarung beispielsweise, dass bis zum 30. Juni 2024 ein Familienhotel fertiggestellt wird.

Dafür gibt es gleich mehrere Hürden: Nach dem Bürgerentscheid darf sich Fehmarns Politik zwei Jahre nicht mit einer Hotelplanung auf dem Gelände befassen. Zudem gilt mittlerweile in einem 150 Meter breiten Streifen an der Küste ein uneingeschränktes Bauverbot für neue Hotels, was auch den Platz auf dem Kreisgrundstück einschränkt. Und: Das Land Schleswig-Holstein hat im Nachgang des Bürgerentscheids einer für einen Hotelbau nötigen Änderung des Flächennutzungsplans nicht zugestimmt. Vorgesehen ist weiterhin ein Ferienlager.

Trotzdem sendet das Rathaus auf der Ostseeinsel ermutigende Signale: „Der politische Wille auf Fehmarn war, das Hotel zu bauen. Ich behaupte, das ist immer noch so“, sagt Bürgermeister Jörg Weber. Die Stadtvertretung hatte die Jufa-Pläne mitgetragen: Hotelbetten würden auf Fehmarn gebraucht. (Clemens Herwig)

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