Bebras Bahnhofsgebäude: Starts mit Extrabreit, Kunze und DJs

Matthias Bähr: „Der Lokschuppen soll der Star sein“

+
Matthias Bähr will in den Lokschuppen locken.

Matthias Bähr vermarktet seit zwei Monaten den frisch sanierten Lokschuppen am Bahnhof in Bebra. Der gebürtige Bebraner will die Location zu einer Top-Adresse entwickeln.

Dabei Bär setzt er auf namhafte Künstler. Wir haben mit ihm über seine Pläne gesprochen.

Herr Bähr, haben Sie eine spezielle Verbindung zum Lokschuppen?

Ja. Als Kind habe ich in Bebra gelebt. Mein Vater hat dort bei der Bahn gearbeitet. Und ich bin jeden Morgen mit der Bahn aus Bebra zur Schule nach Rotenburg gefahren. Ich habe meistens auf den Lokschuppen geschaut, während ich auf den Zug gewartet habe. Deswegen kann ich mein Glück kaum fassen, den Lokschuppen nun vermarkten zu dürfen. Die Aufgabe fühlt sich für mich an wie ein emotionaler Hauptgewinn. Ich bin trotz meiner langjährigen Berufserfahrung sehr aufgeregt.

Was macht den Lokschuppen als Veranstaltungsort besonders?

Der Lokschuppen ist ein historischer Bau, der unter Denkmalschutz steht. In Deutschland gibt es zwar mehrere Locations dieser Art, aber: Die Stadt Bebra hat viel Geld investiert, um den Ort zu erhalten. In Berlin gibt es ähnliche Objekte – diese sind aber mehr oder weniger unsaniert und deswegen in oft schlimmen Zustand. Häufig, weil die Zuständigkeiten oder die Zukunft unklar sind. Die Stadt Bebra hat hier klare Vorstellungen und somit ein sehr seltenes Projekt geschaffen.

In Weiterode gibt es Ellis Saal, in Bad Hersfeld das Buchcafé. Droht da nicht Konkurrenz oder ein Überangebot?

Absolut nicht. Der Lokschuppen ist mit keinem Veranstaltungsort in der Region zu vergleichen. Nicht nur aufgrund seiner historischen Bauart. 660 Personen finden bei uns Platz. Ich will mit dem Lokschuppen eine große Location für tolle Künstler in Nordhessen etablieren – weit entfernt von Kassel und Fulda. In einem Radius von 50 Kilometern um Bebra leben 500 000 Menschen. Natürlich befinden wir uns in einem ländlichen Gebiet. Aber die Region ist dicht besiedelt. Die Menschen um Bebra müssen zum Lokschuppen nicht weit fahren. Das ist ein großer Vorteil. Außerdem können Besucher super mit dem Zug anreisen. Der Lokschuppen befindet sich ja direkt am Bahnhof.

Wie wollen Sie die potenziellen Gäste locken?

Die Stadt Bebra und ich setzen auf Qualität. Wir wollen nur mit bekannten und sehr talentierten Künstlern zusammenarbeiten. Ende November tritt die berühmte Rockband Extrabreit bei uns auf. Im Dezember wird der Liedermacher und Schriftsteller Heinz-Rudolf Kunze auf der Bühne stehen. Und wir planen eine besondere DJ-Reihe.

Auf der Liste stehen jede Menge bekannte Namen aus Berlin.

Ich habe über 35 Jahre in der Hauptstadt gelebt. Ich will Berlin und Bebra kulturell miteinander verbinden. Immerhin beginnen beide Städtenamen mit dem gleichen Buchstaben. Die Hauptstadt ist vor allem bekannt für ihre weltweit gefeierten DJs. Unser Plan lautet: Einmal pro Monat soll im Lokschuppen ein Berliner Top-DJ auflegen. Für die ersten fünf Monate konnten wir Housemeister, Dr. Motte, Marusha, Westbam und Dapayk & Vars gewinnen. Das ist die weltweite Crème de la Crème. Wir stehen auch mit DJ Tomekk in Kontakt.

Warum wollen Top-Musiker in Bebra spielen?

Klar, Dr. Motte – immerhin Gründer der Loveparade – wacht nicht morgens auf, blickt auf eine Landkarte und sagt sich: „Hm, in Bebra möchte ich auch mal auflegen.“ Da ich so lange in Berlin gelebt habe, kenne ich sehr viele Leute. Wir brauchen gute Kontakte und ein gutes Konzept.

Wohin soll die kulturelle Reise gehen?

Wir wollen jedem etwas bieten: Rock, Pop, Jazz, Comedy, Lesungen und Partys. Hauptsache die Qualität stimmt. Wir wollen eine starke Marke entwickeln. Meine Idee lautet: Der Lokschuppen soll letztendlich der Star sein.

Also soll die Location die Besucher anziehen?

In Berlin gibt es einen sehr beliebten Club. Das SO36. Dort passen nur 500 Leute rein. Aber den Laden gibt es seit Ende der 70er, er ist eine Legende. Stars wie Nena und die Toten Hosen treten im SO36 auf, weil sie einfach Lust auf das Ambiente haben. Wenn Besucher und Künstler einen Club lieben, muss er etwas Besonderes haben. Dieser Status ist unser Ziel.

Ist im Lokschuppen nur Platz für große Namen?

Auch lokale Vereine sollen ihn nutzen – beispielsweise für Jubiläumsfeiern. Und wir wollen neue Menschen und Veranstalter nach Bebra im Sinne der Stadtentwicklung locken. Firmen sollen den Lokschuppen für Präsentationen und Kongresse entdecken. Davon wird die ganze Stadt und nicht zuletzt die Region profitieren.

Zur Person:

Matthias Bähr (57) ist in Bebra geboren und aufgewachsen, an der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg machte er Abitur. 1982 zog es ihn ins „Millionendorf“ Westberlin, wo er eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann machte, bevor er sich für Marketing entschied. Er arbeitete in den Jahren um die Wende zunächst bei der von Steve Jobs gegründeten Firma Next Computer und machte sich dann selbstständig. Ab 2002 baute er die Bootsmesse Berlin wieder auf und begleitete sie, zuletzt als Berater, bis 2017. Bähr lebt seit drei Jahren mit seiner Jugendliebe in Rotenburg und hat zwei Kinder.

Start mit Extrabreit und Heinz-Rudolf Kunze

Mit einem attraktiven Auftaktprogramm soll sich der sanierte Lokschuppen in Bebra auf die Karte der gefragten Eventlocations setzen. 

- Freitag, 22. November: „Fury in the Slaughterhouse“-Gitarrist Thorsten Wingenfelder unterhält mit seinem Soloprogramm. Beginn: 20 Uhr. 

- Samstag, 23. November: Kultband, Könige der Neuen Deutschen Welle, Deutschrocker: Die Musiker von Extrabreit kommen in den Lokschuppen. Beginn: 20 Uhr. 

- Samstag, 14. Dezember: Der „rockende Dichter und Denker“ Heinz-Rudolf Kunze präsentiert sein neues Soloprogramm „Wie der Name schon sagt!“. Der Abend mit dem Liedermacher und Rock-Poeten beginnt um 20 Uhr. 

- Samstag, 21. Dezember: „Christmas Lok-Rock“, ein Weihnachtskonzert, das rockt. Dafür sorgen sollen etwa Hannes Bauer, Gitarrist von Udo Lindenbergs Panik Orchester, sowie Prinzen-Sänger Tobias Künzel mit seinem Soul-Rock-Projekt Ruff as Stone. Beginn: 20 Uhr. 

- An jedem ersten Samstag im Monat sind Berliner DJs zu Besuch im Bebraer Lokschuppen. Beginn ist jeweils um 21 Uhr. Den Start machen Namen, die elektronische Musik auf ihrem Weg zum Massenphänomen begleitet haben: Am 2. November legt der DJ Housemeister auf, es folgen Loveparade-Erfinder Dr. Motte, sowie die Ikonen Marusha und Westbam.

Der Vorverkauf für die Veranstaltungen startet voraussichtlich spätestens am Montag. (jfw/cig)

Quelle: HNA

Kommentare