Zum Reformationstag am 31. Oktober 2017

Martin Luther im Interview: „Sie waren geduldig mit mir“

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Verzog keine Miene: Martin Luther wirkte im Gespräch mit Redaktionsleiter Lasse Deppe zunächst noch etwas hölzern, taute dann aber merklich auf.

Hersfeld-Rotenburg. Luther hier, Luther da. Ein Jahr lang konnte man dem großen deutschen Reformator kaum entgehen. Anlass war das 500. Jubiläum seines Thesenanschlags. Doch wie erging es Luther in den vergangenen Monaten selbst? Wir haben nachgefragt.

Herr Luther, erst mal vielen Dank, dass Sie sich nach langer Abstinenz mal wieder für ein Gespräch zur Verfügung stellen.

Luther: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Ein paar Erklärungen bin ich den Menschen wohl schuldig. Sie waren in den vergangenen Monaten geduldig mit mir.

Sie spielen auf Ihre vielen Termine im Jahr des Reformationsjubiläums an, oft gleich mehrere an einem Tag. Hand aufs Herz, wird jetzt gefeiert?

Luther: Das kann schon sein. Wissen Sie, mein Motto ist ja ‚Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang’. Ich werde ein paar Freunde einladen.

Sie sind ja nicht gerade dafür bekannt, tief ins Glas zu gucken.

Luther: Maß und Mitte, mein Herr. Ein Rausch ist zu ertragen, die Trunkenheit aber nicht. Ich halte mich aber durchaus an einen guten Rebensaft. Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott!

Wird denn auch unser Intendant Dieter Wedel mit am Tisch sitzen? Er hat Ihnen ja quasi ein neues persönliches Denkmal gesetzt.

Luther:Na ja, ein Denkmal mehr oder weniger, macht das noch was? Ich kann die ja jetzt schon nicht mehr zählen. Statuen, Bäume und ganze Parks gibt es doch eh schon von Brasilien bis Unternesselbach. Aber klar, Herr Wedel ist gerne eingeladen. Er hat sich wirklich viel Mühe gegeben.

Christian Nickel, Janina Stopper, Maximilian Pulst – welcher der drei Luther-Darsteller hat Ihnen denn nun am Besten gefallen.

Luther:Warum waren das eigentlich nur drei? Bei allem, was ich erlebt habe, hätte ich doch von einem ganzen Ensemble dargestellt werden müssen. Aber so rein optisch sehe ich mich doch eher von Christian Nickel repräsentiert. Ganz sicher nicht von Paulus Manker, diesem Grobian. Was hat der eigentlich für eine Wortwahl. Sonst mag ich ja Menschen, die Klartext reden, Ich sage da ja immer: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“

Jetzt muss Wedel viel Kritik einstecken. Ihre Lebensgeschichte war ihm mehr Geld wert, als er zur Verfügung hatte.

Luther:Wer Gutes tun will, muss es verschwenderisch tun. Ich finde, man sollte lieber Geld für ein vernünftiges Theaterstück ausgeben, als es in sinnlose Ablässe zu investieren.

Selbst im Bundestagswahlkampf haben Sie dieses Jahr eine Rolle gespielt. Ihr Konterfei war auf Wahlplakaten der rechtsextremen NPD zu sehen.

Luther:Stimmt, aber ich hoffe einfach mal, dass das im Reformationsjahr einfach untergegangen ist. Das ständige Vorhandensein macht eine Sache wertlos, Seltenes achtet man. Vielleicht war das Jahr zu meinen Ehren sowieso überfrachtet. Die Leute müssen es leid sein, mich zu sehen.

Was werden Sie denn mit der neu gewonnen Freizeit anfangen?

Luther: Ich könnte mir vorstellen, wandern zu gehen. Zwischen Worms und Eisenach soll es ganz hübsch sein, habe ich mir sagen lassen.

Wandern? Sie meinen wohl pilgern.

Luther:Nun hören Sie aber auf mit diesen Klischees. Meine Meinung dazu ist doch bekannt. Es mag meinetwegen laufen, wer nicht bleiben kann. Pilgern ist für mich nur Narrenwerk – so lange es um Ablässe geht. Die meisten suchen doch bloß Abwechslung in der Fremde und vernachlässigen dabei ihre Verantwortung zu Hause. Pilgern, um zu missionieren, das ist ok. Die Apostel und ihre Jünger saßen schließlich auch nicht auf Schlössern, Stiften und Klöstern, sondern zogen um in die Länder als die Pilgrim, und hatten weder Haus noch Hof, weder Raum noch Stätte, weder Küche noch Keller.

Und sonst?

Luther:Ich glaube zwar nicht, dass morgen die Welt untergeht – wäre schade um die nächsten 500 Jahre Reformation –, trotzdem werde ich wohl mal ein Apfelbäumchen pflanzen. Ich schmücke mich zwar ungern mit fremden Federn, aber die Idee dahinter ist ja nicht die schlechteste.

Quelle: HNA

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