Stadtumbau

Einsturzgefährdetes Haus Marktplatz 3 in Rotenburg: Hintere Gebäude fallen

Gestützte Front: Seit 2018 sind Sicherungsbalken an der Front des Hauses Marktplatz 3 angebracht.
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Gestützte Front: Seit 2018 sind Sicherungsbalken an der Front des Hauses Marktplatz 3 angebracht.

Das Haus Marktplatz 3 ist ein Kern-Element des Stadtumbaus in Rotenburg.

Rotenburg – Die Vorarbeiten und Absprachen mit der Denkmalpflege sind geleistet, im Februar sollen die hinteren Gebäude abgerissen werden. Die Sanierung des Hauses Marktplatz 3 in Rotenburg lässt kaum jemanden kalt. Für die einen ist sie ein sinnloses Millionengrab, für die anderen eine zwingende Investition, um den Kern der historischen Innenstadt zu erhalten. Auf jeden Fall ist die Sanierung ein zentrales Projekt des Stadtumbaus.

Rund 3,3 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, etwa 70 Prozent können über Zuschüsse finanziert werden. Ein Abriss, wie von einigen Bürgern vorgeschlagen, würde in diesem historischen Ensemble Marktplatz nicht genehmigt. Zuschüsse für einen Neubau gäbe es gleich gar nicht, bestätigt Torben Schäfer, Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER, die den Stadtumbau steuert. Einfach so stehen bleiben würde das Haus auf Dauer aber auch nicht. Das haben umfangreiche Untersuchungen gezeigt.

Seit 2018 wird das Haus durch Holzbalken gestützt. Bausünden der Vergangenheit sowie der lange Leerstand haben das Haus geschwächt. So haben frühere Eigentümer offenbar Fenster vergrößert und dazu auch an Balken sägen lassen, was die Statik verändert habe, erläutert Torben Schäfer.

Ein bauhistorisches Gutachten legt dar, dass das viergeschossige Wohnhaus 1653 errichtet wurde, also fast 200 Jahre nach dem großen Stadtbrand. Die einzelnen Geschosse wurden zwischenzeitlich während vier verschiedener Bauperioden erneuert, heißt es im Gutachten. Das vom Marktplatz aus nicht sichtbare Hintergebäude ist laut Gutachten noch fünf Jahre älter. Beide Gebäude sind später, aber noch im 17. Jahrhundert, durch ein Treppenhaus verbunden worden. Es gibt dort im hinteren Bereich einen Lichthof, der durch einen schmalen Gang auch vom Marktplatz her erreicht werden konnte.

Das hintere Gebäude wird Anfang Februar abgerissen. Das, so sagt Torben Schäfer, muss sehr vorsichtig und mit viel Handarbeit geschehen, damit die umliegenden Fachwerkhäuser nicht beschädigt werden. Was bleibt, ist ein großer Gewölbekeller, der aufgearbeitet künftig als Lagerraum genutzt werden soll. Erreichen kann man ihn später über einen Lift, der an der Rückseite des dann sanierten Hauses Marktplatz 3 installiert werden soll.

Das Gebäude wird künftig die Tourist-Information und die MER beherbergen. Am Lichthof soll ein kleines zweigeschossiges Willkommenszentrum für Gäste der Stadt entstehen, die sich dort über Rotenburg informieren können. Gewinnträchtig vermieten kann die Stadt Marktplatz 3 nicht, weil sonst die Zuschüsse zurückgezahlt werde müssen. In den vergangenen Monaten ist das Haus geräumt und umfassend untersucht worden.

Von Silke Schäfer-Marg

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