Geburtstag am Sonntag

Wochenendporträt: Anna Reich ist seit 100 Jahren Optimistin

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Froh, sie zu haben: Anna Reich mit ihrem Sohn Helmut Reich und Monika Mühlhausen, Pflegedirektorin des Altenhilfezentrums Ersrode, in dem die 100-Jährige seit 2014 lebt. Beide wissen besonders zu schätzen, dass sie im hohen Alter noch aktiv und selbstbestimmt ist.

Ersrode. Anna Reich wird am Sonntag 100 Jahre alt. Ihren Geburtstag feiert sie im Altenhilfezentrum Ersrode, das seit drei Jahren ihre Heimat ist.

Während des zweiten Weltkriegs hat sie ihre beiden Söhne allein aufgezogen, nebenbei gearbeitet und dafür gesorgt, dass stets alles zum Überleben Notwendige im Haus war. Im Familienstammbaum folgen nach ihr inzwischen drei weitere Generationen.

Am 24. September 1917 wird Anna Reich in Witten an der Ruhr geboren. Ursprünglich stammen die Eltern der 100-Jährigen aus Morschen, ziehen jedoch vor ihrer Geburt ins Ruhrgebiet. Mit neunzehn Jahren heiratet sie den sechs Jahre älteren Helmut Reich, der ebenfalls aus Witten stammt. Nach der Hochzeit zieht es die frischgebackenen Eheleute ins nahegelegene Bochum. Dort kommen auch die beiden Söhne zur Welt. Der Ältere, Helmut, wird im Jahr 1939 kurz vor Kriegsbeginn geboren, sein jüngerer Bruder Wolfgang fünf Jahre später.

Auch alleine stark geblieben

Während des zweiten Weltkriegs und lange danach war Anna Reich mit den beiden kleinen Kindern auf sich alleine gestellt. „Sie nähte für eine große Firma“, weiß ihr Sohn. Abends habe sie stundenlang zuhause weiter verarbeitet, was sie am Arbeitsplatz vorgenäht hatte. Mit dem Zug sei sie zu Bauern ins Münsterland und Sauerland gefahren, um dort das Genähte gegen Nahrungsmittel zu tauschen. So habe sie ihre Söhne mit dem Nötigsten versorgt. Obwohl die Familie großes Glück hatte, und ihr Wohnhaus unversehrt blieb, erinnert sich Helmut Reich daran, dass seine Mutter mit den beiden Kindern oft in Kellern und Luftschutzbunkern Zuflucht suchte.

Bis 1949 war der Vater der Familie nach langen Jahren an der Front in russischer Gefangenschaft in Sibirien. Die Ungewissheit darüber, ob er überhaupt noch am Leben war, plagte die Familie. Helmut Reich erzählt von dem Tag, als sie den Vater endlich im Auffanglager Friedland abholten. „Das muss ein unbeschreibliches Glücksgefühl für meine Mutter gewesen sein.“

Im Jahr 1968 ging die Familie wieder zurück nach Witten. Sohn Helmut zog es später in die Nähe der hessischen Verwandtschaft nach Alheim. Aus gesundheitlichen Gründen folgte ihm 2014 auch Anna Reich, sie lebt seither im Altenhilfezentrum Ersrode.

Trotz der damals schwierigen Umstände erinnert sich der 78-Jährige an das muntere Wesen seiner Mutter: „Sie ist Optimistin, sieht immer die positive Seite an allem.“ „Diese Eigenschaften sind ihr bis ins hohe Alter erhalten geblieben“, weiß Monika Mühlhausen, Pflegedirektorin des Altenhilfezentrums. „Sie ist eine bewundernswerte Frau und mit 100 Jahren noch selbstbestimmt, das zeugt von ihrer Charakterstärke.“ Man merke ihr an, dass ihre Stimme zurecht immer Gewicht gehabt habe. Helmut Reich ist davon überzeugt, dass Anna Reichs ungetrübt positive Art einen maßgeblichen Teil dazu beigetragen hat, dass sie heute ihren einhundertsten Geburtstag feiern darf. Auch dabei gilt das Motto, mit dem sie schon immer sich und ihr Umfeld zu motivieren gewusst hat: „Alles wird gut werden.“ (soh)

Quelle: HNA

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