„Ein wunderschönes Hobby“

Die Wochen kurz vor Ostern sind für Kaninchenzüchter besonders spannend

Sie sind natürlich nicht von ihm: Der Zwergwidder gelb von Züchter Harald Ernst aus Meckbach interessiert sich überhaupt nicht für die gefärbten Ostereier. Eine gute Figur für den Fotografen macht er trotzdem.

Hersfeld-Rotenburg. Es ist die spannendste Zeit für sie im Jahr: Im Frühjahr und vor Ostern bekommen die Kaninchen ihre Jungen. „Das hält uns ganz schön auf Trab“, sagt Harald Ernst, Vorsitzender des Kreisverbands der Kaninchenzüchter.

80 bis 90, so schätzt er, gehen im Kreis Hersfeld-Rotenburg dem Hobby nach. „Einem wunderschönen Hobby“, schieben er und Kreis-Pressereferent Volker Weppler nach, „das einen aber 365 Tage im Jahr auf Trab hält. Es geht schließlich um Lebewesen.“

Morgens ein erster Kontrollgang in die Ställe, schildert Ernst den Tagesablauf: „Alles in Ordnung? Ist ein Tier krank? Hat eine Häsin geworfen?“ Wasser für alle – Weppler: „Jetzt, als es so kalt war, mussten wir mehrmals am Tag das Wasser in den Trinknäpfen auftauen“ – und abends Fütterung. Denn Kaninchen gelten als nachtaktive Tiere.

Stolz auf den Salander: Das weiße Tier gehört Züchter Harald Ernst aus Meckbach. Rechts sein Züchterfreund Volker Weppler aus Ronshausen.

Immerhin ist die Nahrung so komprimiert, dass nicht wie in früheren Zeiten drei Mahlzeiten pro Tag notwendig sind. Am Wochenende werden die Ställe gereinigt und desinfiziert. Ernst und Weppler schätzen den Zeitaufwand pro Tag auf eine bis drei Stunden – „so genau weiß man das nie vorher“.

Früher nicht nur Zeitvertreib

In der Nachkriegszeit galt die Zucht nicht nur als Hobby: Das Kaninchen war schlicht Fleischlieferant. „Da ging es darum: Wird es groß, wird es ein guter Braten?“, weiß Weppler. Längst haben sich die Schwerpunkte jedoch verschoben: Züchter versuchen, mit ihren Jungtieren so nah wie möglich an einen festgeschriebenen Zuchtstandard zu kommen und fiebern der zweiten spannenden Zeit im Jahr, dem Herbst, entgegen.

Dann präsentieren die Vereine auf Kreis-, Landes- und Bundesschauen ihre Tiere. 99 anerkannte Rassen gibt es, die sich nach Größe, Farbe und Haarstruktur unterscheiden. Kommt es auf letztere an, sieht der Züchter sehr schnell, ob ein Jungtier dem Zuchtideal möglichst nahe kommt und zur Schau taugt. „Bei einfarbigen Tieren stellt sich das erst später heraus“, erklärt Weppler. Er lobt die Kommunen und den Landkreis: „Sie stellen regelmäßig ihre Hallen für die großen Schauen zur Verfügung.“

Die Zahl der Züchter im Kreis ist relativ konstant, allerdings kommen die wenigsten Neulinge dazu, ohne sich das Hobby bei Eltern oder Großeltern abgeschaut zu haben. „Viele fangen schon als Kinder damit an, die wir natürlich erstmal unterstützen müssen“, sagt Volker Weppler. „Junge Erwachsene verabschieden sich dann von dem Hobby, wenn sie studieren oder eine Ausbildung beginnen – das geht ja nicht anders. Aber oft kommen sie zurück, wenn sie ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben.“

Und ohnehin gibt es, da sind sich Ernst und Weppler einig, „nichts Sagenhafteres gerade für einen jungen Menschen, als zu sehen, wie ein Tier geboren wird und wie es wächst. Da kann man mit der Natur arbeiten.“

Schon gewusst?

Warum bringt der Hase die Ostereier?

Der Hase als Ostersymbol – das ist ein Brauch, der vor 100 Jahren in weiten Teilen Deutschlands noch gar nicht bekannt war. Im Westfälischen galt der Fuchs als Eierlieferant, in Thüringen der Storch, in Oberbayern der Hahn. Mittlerweile hat der Hase sich durchgesetzt. Er ist das erste Tier, das im Frühjahr seine Jungen bekommt und wurde wahrscheinlich daher zum Auferstehungssymbol. Das Osterfest wird am ersten Sonntag des Frühliungsvollmonds gefeiert – der Hase gilt als Mondtier. Der griechischen Liebesgöttin Aphrodite und der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostera wurde er als heiliges Tier zugeordnet, im alten Byzanz galt er gar als Symbol für Christus. 

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