Bürgermeister-Kandidaten

Munterer Schlagabtausch beim Wahlforum in Ludwigsau

Volles Podium, volle Zuschauerreihen: Beim traditionellen HZ-Forum vor der Bürgermeisterwahl in Ludwigsau trafen am Donnerstag Tino Hölzer, Daniel Stange, Frank Rößing, Wilfried Hagemann und Martin Grebe aufeinander (von links). Moderiert wurde die muntere Frage- und Vorstellungsrunde von HZ-Redaktionsleiter Kai Struthoff (Vierter von links).  Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Tann. Fünf Kandidaten, fünf Charaktere, fünfhundert Zuschauer: Die Bewerber für das Bürgermeisteramt in Ludwigsau diskutierten am Donnerstag beim Wahlforum der Hersfelder-Zeitung.

Tino Hölzer, Daniel Stange, Frank Rößing, Wilfried Hagemann und Martin Grebe: Sie alle wollen Bürgermeister ihrer Heimatgemeinde Ludwigsau werden. 

Am Donnerstagabend trafen sie beim Wahlforum der Hersfelder Zeitung in der mit rund 500 interessierten Zuhörern mehr als voll besetzten Besengrundhalle in Tann zum ersten Mal direkt aufeinander. Amtsinhaber Thomas Baumann steht nach knapp 24 Jahren nicht zur Wiederwahl.

Konzentrierter Blick: Mehr als voll war die Besengrundhalle in Tann mit rund 500 interessierten Gästen.

Die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Bewerber wurden schon in der kurzen Vorstellungsrunde zu Beginn der Veranstaltung deutlich – während sich der eine bewusst dynamisch-locker und hemdsärmlig gab, blieb der andere eher souverän-gelassen und zurückhaltender. Was bei den Ludwigsauern nun besser ankam, wird sich dann spätestens am Wahlsonntag, 8. April, herausstellen.

Alle Kandidaten verzichten auf die Unterstützung einer Partei

Inhaltlich zeigten sich bei den Kandidaten einige Übereinstimungen, etwa beim Thema Unabhängigkeit. Sie alle treten ohne Unterstützung einer Partei oder Fraktion an und versprachen, sich frei von Parteiinteressen zum Wohle der Bürger engagieren zu wollen. 

„Parteipolitisches Taktieren gehört hier nicht hin“, sagte Wilfried Hagemann, dessen SPD-Mitgliedschaft ruht. Martin Grebe bekannte, „mit Politik bisher nie etwas am Hut gehabt“ zu haben und Tino Hölzer ist es egal, ob eine Idee vom „roten, grünen oder blauen Eichhörnchen“ kommt. 

Frank Rößing ist Ideologisierung egal welcher Form zuwider und Daniel Stange will seinen sozialdemokratischen Hintergrund nicht verschweigen, verzichtet im Sinne der Unabhängigkeit aber ebenfalls bewusst auf die Hilfe einer Fraktion.

Munterer Schlagabtausch bei den Themen Gewerbegebiet und Immobilien

Gegensätzliche Ansichten wurden beispielsweise beim Gewerbegebiet Mecklar-Meckbach oder beim Umgang mit älteren Immobilien in den Ortskernen deutlich, sodass sich zur Freude des Publikums ein zumindest teilweise munterer Schlagabtausch entwickelte.

Launig moderiert wurde die Traditionsveranstaltung in der heißen Phase des Wahlkampfs von HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff. Unter den Gästen befand sich neben Thomas Baumann auch Landrat Dr. Michael Koch.

Für den Shuttleservice zur auf dem Berg gelegenen Halle hatte dankenswerter Weise die Feuerwehr gesorgt.

Einige waren sich am Ende die Kandidaten jedenfalls in einem: Sie alle appellierten an die Ludwigsauer, am 8. April zur Wahl zu gehen. Wilfried Hagemann äußerte dabei sogar die kühne Hoffnung, „den Drops“ vielleicht sogar an diesem Tag, also ohne Stichwahl, „lutschen“ zu können. Was bei fünf Kandidaten jedoch schwierig werden dürfte.

Tunnelbau: Pfiffiger Vorschlag oder Schnapsidee? 

Der Vorstoß von Martin Grebe, den Unternehmenspark Bad Hersfeld-Ludwigsau – besser bekannt als Gewerbegebiet Mecklar-Meckbach – mit einem Tunnel direkt an die A 4 in Friedewald anzuschließen, stieß bei den anderen Kandidaten auf Skepsis. Und auch im Publikum ging ein Raunen durch den Saal, als es um den Tunnel ging, der für eine bessere Anbindung und damit erfolgreichere Vermarktung sorgen soll. 

Denn, so Grebe, es gebe eben nur drei Standortfaktoren: Lage, Lage, Lage. „Agieren statt immer nur reagieren“ ist Grebes Motto. Bei der Finanzierung könne man ebenfalls querdenken, erklärte der Rohrbacher mit Blick auf eine Maut .... 

„Es gibt Ideen, und es gibt Schnapsideen“, meinte dazu Frank Rößing, der zudem von einem „bunten Seifenblasenpotpourrie“ sprach. 

Tino Hölzer wollte zum Thema Tunnel eigentlich nichts sagen, äußerte sich dann aber doch: Die Autobahnanbindung sei ein nachvollziehbarer Faktor, allerdings gewinne man lediglich drei bis vier Kilometer und aktuell gebe es sowieso nur noch zwei so große Gewerbeflächen in der Region. 

Wilfried Hagemann plädierte dafür, Kosten und Nutzen abzuwägen und gab sich optimistisch für die Vermaktung auch ohne Tunnnel. „Es bedarf weiterhin intensiver Gespräche und wir dürfen uns nicht nur auf die Wirtschaftsförderung verlassen“, so der 57-Jährige. 

Daniel Stange wäre ein Bahnanschluss lieber, wie der ausgebildete Lokführer augenzwinkernd verriet. Er will die Vermarktung zur Chefsache machen und hofft ähnlich wie Hölzer, dass die Zeit für Ludwigsau spielt, da es eben nur noch zwei solcher Gebiete gebe.

Straßenbeiträge: Ja oder nein?

Das derzeit in vielen Kommunen und auch im Landtag diskutierte Thema Straßenbeiträge betrachten die Kandidaten differenziert. Frank Rößing hält die Beiträge für extrem ungerecht, weil es Härtefälle produziere. Er plädiert dafür, die Satzung abzuschaffen und die Straßeninstandhaltung auf andere Weise zu refinanzieren. 

Dass diese Freiheit momentan gar nicht gegeben sei, führte Wilfried Hagemann an. Die wiederkehrenden Beiträge hält allerdings auch er für „Humbug“. Die jetzige Form sei nicht mehr zeitgemäß, man müsse in dieser Sache neue Wege gehen. 

Martin Grebe hat den Straßenbau im Blick und meint, dass nicht alle Straßen asphaltiert werden müssten. Schotter oder Pflaster hätten dann auch Vorteile bei der jetzt teuren Instandhaltung. 

Tino Hölzer gab eine Empfehlung für die Landtagswahl: Das Thema sei bei allen auf der Tagesordnung, außer bei den Grünen. Und Daniel Stange betonte als letzter in der Runde nur: „Ich bin für die Abschaffung“, unklar bleibt, wer dann bezahlt.

Der Beste als Bürgermeister, weil ...

Folgende Argumente, warum sie der beste Mann für den Job wären, hatten die Kandidaten: 

• Daniel Stange ist überzeugt, dass nur wer selbst ehrenamtlich engagiert ist, auch ein solches Engagement einfordern kann. „Und egal wie es kommt, ich will die Leute bei der Stange halten.“ 

• „Weil ich die Werte ehrlich, echt und sachorientiert nicht nur im Programm stehen habe, sondern auch lebe und umsetze“, so Frank Rößing. „Ich komme als Unternehmer und Querdenker von außen.“ 

• Martin Grebe will Bürgernähe nicht nur versprechen, sondern auch praktizieren und mehr Bürgerbeteiligung in der Politik verankern. „Ich habe einen offenen Wahlkampf geführt und die Themen publiziert, die mich beschäftigen.“ 

• „Ich gehe als Teamplayer und nicht als One-Man-Show an den Start“, betonte Tino Hölzer. „Ich nehme mir vor, Mensch zu bleiben, ich habe einen Plan und einiges zu bieten.“ 

• Wilfried Hagemann blieb in der Fußballersprache. Er will wegen des Transferverbots nun Führungsspieler werden und stehe ab dem ersten Tag zu einhundert Prozent zur Verfügung. (nm)

Fotos vom Wahlforum in Ludwigsau

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