"Sind kein Bremsklotz“

Rotenburger Steinweg: Hauseigentümer wehren sich und suchen das Gespräch

Schöne Meile, leere Geschäfte: Der Rotenburger Steinweg bewegt die Gemüter. Jetzt kommen Gespräche zwischen Hauseigentümern und der Stadtentwicklungsgesellschaft MER in Gang. Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Der Steinweg in Rotenburg bewegt: Nach der Pressekonferenz des MER-Aufsichtsrats in der vergangenen Woche, gibt es jetzt Gespräche zwischen der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg (MER) und einzelnen Hauseigentümern.

Der Aufsichtsrat hatte beklagt, dass die Eigentümer auf Anschreiben nicht reagiert hätten – wir berichteten.

Zwei konstruktive Gespräche seien bereits geführt worden, nach Pfingsten stehe das dritte Gespräch, auch gemeinsam mit Bürgermeister Christian Grunwald, an, erklärte MER-Geschäftsführer Torben Schäfer. Der Bürgermeister ist auch MER-Aufsichtsratsvorsitzender.

Renate und Horst Henkel gehören zu den Hauseigentümern mit Leerstand im Steinweg und fühlen sich durch die Aussagen des Aufsichtsrats an den Pranger gestellt. Sie seien durchaus gesprächsbereit, erklärten sie gegenüber unserer Zeitung. Und sie spielen den Ball zurück. Horst Henkel berichtet, er habe mit dem MER-Geschäftsführer gesprochen und ihn aufgefordert ein Angebot zu unterbreiten: Wenn der Preis stimme, würde die Familie das Fachwerkgebäude verkaufen. Der habe versprochen, das Thema dem Aufsichtsrat vorzulegen und sich zu melden. Doch habe man nichts mehr gehört seit dem vergangenen Winter. „Fakt ist, uns wurde kein Angebot gemacht.“

Renate und Horst Henkel: Sie wehren sich gegen den Vorwurf, nicht zur Mitarbeit bereit zu sein. Foto: Schäfer-Marg

Torben Schäfer spricht in dem Zusammenhang von einem Missverständnis: Er habe sich melden wollen, wenn der Aufsichtsrat Kaufverhandlungen führen wollte. Das sei aber nicht geschehen. Er verweist erneut darauf, dass es bis zur Pressekonferenz keinerlei Reaktionen auf das jüngste Anschreiben vor wenigen Wochen gegeben hatte.

Horst Henkel hat inzwischen einen Gesprächstermin mit dem Bürgermeister und mit Torben Schäfer vereinbart. Henkels stellen klar: „Wir sind nicht der Bremsklotz.“

Kritik an Grundsteuer

Als bremsend für Neuansiedlungen wertet das Ehepaar, dem mehrere Häuser in der Stadt gehören, vielmehr die hohe Grundsteuer, die im Zuge des Schutzschirms erhoben wurde. Dass die Zeit der kleinen Geschäfte grundsätzlich vorbei ist, glaubt Renate Henkel nicht. Das sehe man auch in anderen touristisch geprägten Städten. „Es kommt darauf an, was man den Kunden anbietet.“

Dieter Adam, der ebenfalls zu den Hauseigentümern gehört, hat inzwischen mit dem MER-Geschäftsführer gesprochen und schlägt vor, dass alle Eigentümer der Häuser am Steinweg an einen Tisch sollten. Ihm geht zum Beispiel der Plan von Bürgermeister Christian Grunwald, den Steinweg zwischen Brotgasse und Kreuzung Neustadtstraße für den Autoverkehr zu sperren, nicht weit genug: Der Steinweg sollte komplett für den Autoverkehr gesperrt werden. Gerade im oberen Bereich habe man so genug Fläche für eine Umgestaltung zur Flaniermeile mit offenem Wasserlauf.

MER-Geschäftsführer Schäfer ist froh, dass Bewegung in das Thema gekommen ist: „Im Grunde arbeiten wir alle am selben Ziel, nämlich den Steinweg wiederzubeleben.“ Vorschläge sollten aber realistisch und schnell umsetzbar sein.

Der Aufsichtsrat hatte zuletzt vorgeschlagen, den Steinweg mit ansprechender Möblierung, Spielgeräten und einem offenen Wasserlauf so umzugestalten, dass er zum Verweilen einlädt. Wenn sich dann noch Gastronomie ansiedeln würde, wäre das ein schöner Nebeneffekt. 

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