Erweiterung des Landratsamtes soll bis 2021 realisiert werden

Landrat plant weiter Anbau am Kreishaus

Hersfeld-Rotenburg. Auch nach dem Scheitern von ersten Plänen für einen Anbau am Landratsamt in Bad Hersfeld hält Landrat Dr. Michael Koch an einer Erweiterung des bisherigen Gebäudes am Standort in der Friedloser Straße in Bad Hersfeld bis 2021 fest.

„Es geht nicht um das Ob, sondern nur um das Wie“, sagte Koch unserer Zeitung.

Das ursprünglich geplante multifunktionale Bürogebäude, das die Helaba-Tochter OFB für einen Festpreis von 21 Millionen Euro errichten wollte, war wegen rechtlicher Bedenken Anfang März gestoppt worden (wir berichteten). „Natürlich bin ich enttäuscht von der OFB“, sagte Koch. Man habe der Landesbanktochter einen Vertrauensvorschuss gegeben und nun Zeit verloren. Dennoch seien die Vorarbeiten nicht vergeblich gewesen. Es gebe eine Projektstudie und den politischen Willen, den Anbau am Landratsamt umzusetzen, erklärte Koch.

Gleichzeitig erteilte er Überlegungen, Teile des Landratsamtes in anderen, leer stehenden Immobilien in Bad Hersfeld – wie etwa im ehemaligen Zuse-Gebäude oder im früheren Herkulesmarkt – unterzubringen, erneut eine klare Absage. Abgesehen von energetischen Bedenken und anderen rechtlichen Vorgaben gehe es ihm um das „Zusammenwachsen“ der bislang an mehreren Standorten verstreuten Kreismitarbeiter.

Dies sei auch der Wille der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz. „Wenn wir in das Zuse-Gebäude ziehen würden, könnten wir ja auch gleich im Hubertusweg bleiben“, sagte Koch. Dort ist bislang ein Teil des Landratsamtes untergebracht. Die Außenstellen in Rotenburg und Bebra blieben aber trotz des Anbaus in jedem Fall bestehen, betonte Koch.

Der Landrat will dem Kreistag nun neue Vorschläge für die Bauplanung vorlegen. Fest steht, dass die einzelnen Arbeiten dann ausgeschrieben werden müssen, was Zeit kostet. 

Hintergrund: Sorgen wegen des Vergaberechts

Wegen der enormen Preissteigerungen um bis zum 30 Prozent im Bausektor hatte Landrat Koch das ursprünglich Anbau-Vorhaben im März gestoppt. Die mit der Projektentwicklung beauftragte OFB sah sich nicht im Stande, den Fixpreis von 21 Millionen Euro zu halten. Geplant war, das Gebäude von der OFB zu mieten und eventuell später zu kaufen. Die Finanzierung sollte durch die Einsparung an Mieten bei anderen Kreisobjekten erbracht werden. Voraussetzung dafür war, dass ein universell nutzbares Bürogebäude und kein „Bestellbau“ für die Kreisverwaltung errichtet wird. Sonst wäre eine Ausschreibung nötig gewesen. Deshalb gab es vergaberechtliche Bedenken. 

Lösung für die Leitstelle muss her

Der Anbau am Landratsamt hat auch den Kreistag in seiner jüngsten Sitzung am Montag beschäftigt. Die SPD-Fraktion hatte eine Anfrage zum Ausbau der Rettungsleitstelle gestellt. Sie sollte nach den ursprünglichen Plänen aus dem Dachgeschoss der Kreisverwaltung in den jetzigen Kreistagssitzungssaal umziehen, um damit auch neue rechtliche und räumliche Vorgaben des Landes zu erfüllen. Ein solcher Umzug der Leitstelle in den Kreistagssitzungssaal wäre auch ohne den bisher geplanten Anbau bis zum September/Oktober 2019 möglich, heißt es in der Antwort der Kreisverwaltung. „Bis zur Fertigstellung eines anderen Erweiterungsbaus müssten die Kreistagssitzungen dann in anderen Sälen des Kreises stattfinden“, sagt Landrat Dr. Michael Koch und verweist beispielsweise auf das Audimax am Obersberg oder den Durstewitzsaal am HKZ in Rotenburg, wo bereits Kreistagssitzungen stattgefunden haben. Allerdings würde bei einem Umzug der Leitstelle der Kreistagssitzungssaal für eine Vielzahl von anderen Nutzungen durch die Kreisverwaltung, Parteien und Gremien fehlen, räumt Koch ein. Deshalb will er auch nach dem Scheitern der ursprünglichen Anbaupläne das Projekt vorantreiben, denn der Raumbedarf sei vorhanden. 

Unser Archivbild zeigt die beiden Leitstellen-Mitarbeiter Andreas Lehn und Lars Bartholmai (stehend) in der bisherigen Leitstelle des Kreises unter dem Dach des Landratsamtes.

„Ich möchte noch in meiner Amtszeit bis 2021 den Anbau errichten“, nennt Koch als zeitliche Vorgabe. Durch die dann notwendige europaweite Ausschreibung werde die Umsetzung des Bauvorhabens aber vermutlich mindestens ein Jahr länger dauern. Weitere Hürden seien die Finanzierung und die notwendigen Genehmigungen. Der SPD-Fraktionschef im Kreistag, Manfred Fehr aus Rotenburg, betont gegenüber unserer Zeitung, dass seine Fraktion noch keinen Beschluss über einen weiteren Anlauf für einen Erweiterungsbau gefasst habe. „Ich persönlich halte es aber für sinnvoll, wenn wir einen solchen Anbau in Eigenregie errichten“, sagte Fehr. Angesichts der derzeit immer noch niedrigen Zinsen sei dies besser, als Mieter bei einem anderen Bauherren zu werden. Auch Fehr zeigte sich „maßlos enttäuscht“ über den Ausstieg der OFB aus dem Vorhaben, weshalb der Kreis wichtige Zeit verloren habe. Für seine Fraktion sei aber vor allem wichtig, dass nun eine „vernünftige Lösung“ im Interesse der Kreismitarbeiter gefunden werden. Wichtig sei zudem, dass Landrat Koch versichert habe, dass die eigene Leitstelle im Kreis bleibe und nicht zentralisiert werde. Für eine Übergangszeit bis zur Fertigstellung eines Anbaus, werde man sicher „tragbare Lösungen“ finden, sagte Fehr. (kai)

Quelle: HNA

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