Mietverhältnis für ehemaligen Waldgasthof beendet

Landkreis schließt Flüchtlingsunterkunft Immensee

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Steht zum Verkauf: Nachdem der Landkreis sich als Mieter Ende August zurückzieht, könnte der ehemalige Waldgasthof Immensee wieder zum Ausflugsziel werden. Für das Anwesen wird ein Investor gesucht.  

Ronshausen. Die Gemeinschaftsunterkunft (GU) Immensee in Ronshausen wird Ende August geschlossen. Das teilt die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz mit.

Grund ist, dass das für bis zu 40 Flüchtlinge ausgelegte Haus schon seit Längerem nicht mehr ausreichend belegt werden kann.

„Die Zuweisung von Flüchtlingen in den Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist schon seit zwei Jahren rückläufig – und da wir unser Soll zuvor sogar übererfüllt hatten und es ein Plus in der Aufnahmequote gab, werden weniger Unterkünfte benötigt“, erklärt Künholz. Im ersten Quartal des Jahres habe die Zuweisung bei 40 Personen für den gesamten Landkreis gelegen. „Wir sind gehalten, bei den von uns angemieteten Objekten auf eine angemessene Auslastung zu achten“, erklärt die Sozialdezernentin. Deshalb werde das Mietverhältnis nun beendet – in der GU Immensee waren zuletzt nur noch 13 Bewohner untergebracht.

Immensee war im Frühjahr 2014 als GU angemietet worden, als der Landkreis händeringend nach Unterkünften suchte. Da das Haus mit seiner Gastronomie bis dato ein beliebtes Ausflugslokal gewesen war, hatte es zunächst größere Proteste gegen die neue Nutzung gegeben. Später sei die Hilfsbereitschaft in Ronshausen – wo in der GU aufgrund der baulichen Gegebenheiten sinnvoller Weise überwiegend Familien in den Wohnungen untergebracht waren – allerdings von unschätzbarem Wert gewesen, sagt Künholz. Die Integration zum Beispiel in Fußballverein, Kita oder Grundschule habe nahezu reibungslos geklappt.

„Uns ist bewusst, dass ein Umzug für die Betroffenen immer ein harter Schnitt ist – gerade wenn die Bewohner gut in die örtliche Gemeinschaft eingebunden sind. Deshalb versuchen wir nach Möglichkeit Wohnungen vor Ort zu finden, um Schul- oder Kita-Wechsel zu vermeiden“, berichtet Künholz. Unterkünfte würden nicht wahllos, sondern möglichst sozial verträglich geschlossen. Das Immensee-Anwesen steht nun zum Verkauf. 

Waldgasthof wieder Ausflugsziel werden

Die Vögel zwitschern, das Grün sprießt üppig und blühende Blumen geben der Landschaft bunte Farbtupfer – wer die Zufahrt zur Gemeinschaftsunterkunft in Ronshausen hinauf fährt, stellt schnell fest, dass es sich hierbei um ein ganz besonderes Anwesen handelt. Seit gut 30 Jahren ist es Eigentum von Elfriede Saalborn und ihrem Lebensgefährten Josef Stöckl, die das Haus in den 90er Jahren auch für zehn Jahre selbst als Hotel und Restaurant-Café geführt haben. Nun soll es verkauft werden. 

„Wir waren schon damals eine beliebte Zuflucht für Vereine, Senioren auf Reisen und Wanderer“, berichtet das Paar, das selbst in Lispenhausen wohnt. Da sei es nahe liegend gewesen, als der Landkreis Anfang 2014 händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge suchte, zu helfen und das Haus hierfür zur Verfügung zu stellen. „Nachdem der Landkreis das Gebäude nun nicht mehr länger benötigt, soll es jetzt für neue Menschen eine Heimat werden – für eine Familie etwa, die das Anwesen übernimmt und an diesem idyllischen Ort zum Beispiel ein schönes Caféhaus in Verbindung mit Ferienwohnungen aufbaut“, sagt Elfriede Saalborn. 

Vier Wohnungen und ein Appartement – alle mit eigenen Balkons – seien in dem großen Haus sofort bezugsfertig. Und auch auf der Sonnenterrasse mit Blick über den Ronshäuser See könnten sich so bald wieder feiernde Gäste und Wanderer tummeln. Vorausgesetzt es findet sich ein Investor. Schon im September könnte er das Objekt, das rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, übernehmen. Das 1966 erbaute Haus ist bis 2009 komplett umgebaut und erweitert worden – vom Dach über zwei neue, energieeffiziente Heizungsanlagen, bis zu ausgetauschten Fenstern gebe es keinerlei Investitionsstau, bekräftigt Stöckl. Ein Vorzeigeobjekt Auch als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge sei das Haus ein Vorzeigeobjekt gewesen. „Es waren ja überwiegend Familien hier untergebracht – und wann wir auch herkamen, es herrschte immer Ordnung“, berichtet Stöckl. „Wir waren auch selbst oft hier – mit zwei Familien – einer aus Eritrea und einer aus Syrien – haben sich Freundschaften entwickelt, und auch mit dem Landkreis haben wir immer gut zusammengearbeitet“, sagt Saalborn.Der Immensee sei ein Kleinod – mitten in Waldhessen in schönster Natur mit tollen Wander- und Radfahrmöglichkeiten direkt vor der Haustür – so etwas sei nur noch selten zu finden, ist sich das Paar sicher. Aus Altersgründen müsse man es nun leider abgeben: „Wenn wir beide noch 50 wären, dann würden wir die Idylle hier nie verkaufen wollen.“  Zum Haus gehört ein riesiges Grundstück – 10 000 Quadratmeter inklusive Privatwald. „Sollte ein Großinvestor Interesse haben, so wäre auch problemlos Platz für eine Erweiterung der Anlage“, sagt Stöckl. 

Die Gemeinschaftsunterkunft Immensee in Ronshausen könnte wieder eine touristische Attraktion werden: Nachdem der Landkreis als Mieter Ende August aussteigt, könnte der ehemalige Waldgasthof Immensee wieder zum Ausflugsziel werden. Die Eigentümer Elfriede Saalborn und ihr Lebensgefährte Josef Stöckl wollen das Anwesen verkaufen. Ein Investor wird gesucht. 

Die Nähe zur Autobahn 4, alle nötigen Anschlüsse für einen Gastronomiebetrieb sowie eine eigene Zufahrt seien weitere Pluspunkte. Über alle Vorzüge des Anwesens können sich Interessenten beim Immobilienbüro der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg kundig machen. „Der Ronshäuser See mit dem ehemaligen Waldgasthof und seinen Waldwegen drumherum ist nach wie vor ein Schmuckstück“, sagt Ronshausens Bürgermeister Markus Becker. Deswegen sei es wichtig, das Gebäude direkt im Anschluss an die jetzige Nutzung als touristischen Magneten wieder aufleben zu lassen. „Es wäre sehr schade, wenn dieses tolle Anwesen ungenutzt bliebe und wir in einigen Jahren dort eine verfallende Ruine vorfinden würden“, sagt Becker. Die Gemeinde selbst könne sich zwar finanziell nicht direkt engagieren, werde aber allen potenziellen Investoren mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wer kommt, wird von uns unterstützt“, verspricht der Bürgermeister.

Quelle: HNA

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