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Kultur- und Tourismusverein hat Bornscheuer-Bauwerk saniert

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Von: Christopher Ziermann

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Große Freude bei Katharina Bornscheuer: Die Vogeltränke an der B 83, die vor über 60 Jahren auf Initiative ihres Vaters entstand, wurde von den Ehrenamtlichen des Kultur- und Tourismusvereins (rechts im Bild) wieder auf Vordermann gebracht.
Große Freude bei Katharina Bornscheuer: Die Vogeltränke an der B 83, die vor über 60 Jahren auf Initiative ihres Vaters entstand, wurde von den Ehrenamtlichen des Kultur- und Tourismusvereins (rechts im Bild) wieder auf Vordermann gebracht. © Gudrun Schankweiler-Ziermann

Das Andenken an einen verdienstvollen Rotenburger lebt wieder: Die Vogeltränke an der B 83 zwischen Negerdörfchen und Heienbach-Kreisel ist saniert worden.

Rotenburg – Und das nach vielen Jahren des Dahinvegetierens. Initiiert worden war das Bauwerk vor über 60 Jahren vom Rotenburger Lehrer, Künstler und Vogelschützer Hermann Otto Bornscheuer. Seine Tochter Katharina, die heute 69 Jahre alt ist, hatte sich viele Jahre darum bemüht, dass die Vogeltränke wieder hergerichtet wird. Dafür hat nun der Kultur- und Tourismusverein gesorgt.

Erstmals hatte Bornscheuer mit der Vereinsvorsitzenden Kerstin Schulz bereits 2015 Kontakt, als ihr der heruntergekommene Zustand des Bauwerks bei einem Besuch in der alten Heimat auffiel. Nun klappte es endlich. Im Sommer brachten die Ehrenamtlichen des Vereins die Vogeltränke auf Vordermann.

Mit der Vogeltränke einen Teil von Bornscheuers Vermächtnis sichern

„Ich habe einen Freudenschrei ausgestoßen, als Frau Schulz mich angerufen und erzählt hat, dass es losgeht“, sagt die Frau, die in Rotenburg aufgewachsen ist und mittlerweile in Frankfurt lebt. Ihr Vater starb bereits mit 57 Jahren an einem Herzinfarkt, da war sie gerade mal 13 Jahre alt und ihr kleiner Bruder Hans-Hermann elf. Umso wichtiger war ihr, dass man mit der Vogeltränke noch einen Teil seines Vermächtnisses sehen konnte.

Hermann Otto Bornscheuer war ab 1946 bis zu seinem Tod 1966 Lehrer für Kunst und Biologie an der Jakob-Grimm-Schule. Dort verband er seine beiden großen Leidenschaften mit dem Beruflichen – und die Kunst und die Natur fanden auch bei der Vogeltränke zusammen, wo Bornscheuer für Idee, Entwurf und Bauleitung verantwortlich war.

Hermann Otto Bornscheuer Initiator der Vogeltränke
Hermann Otto Bornscheuer Initiator der Vogeltränke © Katharina Bornscheuer

Er war staatlich anerkannter Vogelschutzwart in der Fuldastadt. Zu seinem Engagement gehörten auch der Bau von Nistkästen, Vogelberingung, Wildtierrettung, Wegreinigungen und Anpflanzungen, berichtet seine Tochter.

Der Lebensraum der Vögel verschwindet durch Straßenarbeiten

Bevor 1960 die B 83 zwischen Rotenburg und Lispenhausen erneuert wurde, befanden sich am Rotenburger Ortsausgang natürliche, von kleinen Quellen gespeiste Wasserstellen und Tümpel, die „für einen nicht erwarteten Artenreichtum unter der Vogelwelt“ sorgten, wie unsere Zeitung damals berichtete. Der Lehrer erkannte, dass der Lebensraum der Vögel durch die Straßenarbeiten verschwinden würde.

Eine Friedenstaube ziert nun wieder das Bauwerk.
Eine Friedenstaube ziert nun wieder das Bauwerk. © Lea-Sophie Mollus

Seine Bedenken und Anregungen wurden von Stadt, Kreisverwaltung und dem Hessischen Straßenbauamt ernst genommen. Die Erdpenhäuser Firma Göbel baute mit Cornberger Sandstein die Wasserstelle für die Vögel. „In unserer so hastvollen Zeit mutet dieser Vorgang wie eine Oase der Besinnung an, (...) den Gefiederten etwas wiederzugeben, was man ihnen an anderer Stelle genommen hat“, frohlockte unsere Zeitung. Und die „Gefiederten“ nahmen den ihnen zugedachten Ort auch an, war zu lesen.

500 Euro aus Vereinsmitteln

Irgendwann allerdings versiegte der Wasserfluss. „Das Wasser wurde abgegraben, als oberhalb die Häuser gebaut worden“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Friedhelm Wollenhaupt. Und irgendwann wurde der Ort, der auf städtischem Gebiet liegt, auch nicht mehr richtig gepflegt. „Die Stadt kann nicht alles machen. Wir haben uns der Sache gern angenommen“, sagt Wollenhaupt. Bis dato sei das Bauwerk heruntergekommen und verdreckt gewesen.

Zahlreiche Steine waren herausgebrochen. „Das war kein schöner Anblick. Also haben wir neue Steine geholt, eingemauert und neu verfugt und verputzt“, berichtet Wollenhaupt. Rund 500 Euro aus Vereinsmitteln waren nötig, und die Unterstützung von Bekannten und Verwandten der Vereinsmitglieder, die das richtige Werkzeug wie Steinschneider mitbrachten.

Friedenstaube wurde während Strandfest gestohlen

Um das Werk abzurunden, spendierte Sabine Marotzke vom Rotenburger Atelier Sir William noch steinerne Vögel. Ausgerechnet die Friedenstaube samt Weltkugel wurde während der Strandfest-Tage gleich gestohlen, obwohl sie mit Beton und Eisenstangen befestigt war. Nun ist aber wieder eine Taube samt Weltkugel da.

Die Vogeltränke füllt sich mit Wasser, wenn es regnet. „Vielleicht kommen ja dann auch mal lebende Vögel dort hin“, hofft Wollenhaupt. (Christopher Ziermann)

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