Ehemalige Erholungsstätte des Kreises Hersfeld-Rotenburg

Hotelpläne für Anlage in Meeschendorf: „Existenzbedrohendes Projekt“

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Sieht ihr Campingplatz-Konzept bedroht: Katherin Kleingarn in Meeschendorf auf Fehmarn. Im Hintergrund die Gebäude der ehemaligen Ferienstätte des Landkreises – dort soll ein Familienhotel entstehen.

Lange wurde über die Zukunft der ehemaligen Erholungsstätte des Kreises in Meeschendorf auf Fehmarn diskutiert – zunächst in Hersfeld-Rotenburg, dann auf der Ostseeinsel selbst.

Am heutigen Dienstag könnte nun eine Entscheidung fallen: Der fehmarnsche Bau- und Umweltausschuss soll am Abend die Pläne des österreichischen Unternehmens Jufa billigen, das auf dem viel beschworenen Filetstück am Südoststrand mit rund einem Hektar Fläche ein Familienhotel bauen will.

Für Katherin Kleingarn, Betreiberin des benachbarten Campingplatzes, wäre das eine Katastrophe: Sie befürchtet, dass ihre Gäste sich im Schatten des Hotels nicht mehr wohlfühlen. „Das ist definitiv ein existenzbedrohendes Projekt für uns“, sagt die 37-Jährige, die den Betrieb mit 400 Stellplätzen auf acht Hektar vor drei Jahren von ihrem Vater – ein gebürtiger Meeschendorfer – übernommen hat. Sie kritisiert vor allem die Größe der geplanten Gebäude und wirft Jufa Hotels eine Art Salamitaktik vor: Groß anfangen, um dann ein bisschen nachzugeben und so die nötige Akzeptanz zu erreichen.

Mit einem ersten Entwurf hatte das Unternehmen aus Österreich im Oktober grundsätzlich grünes Licht für einen Hotelbau bekommen – mit einer Auflage: „Es hieß halbe Höhe, halbe Länge“, sagt Kleingarn. „Mich wundert, dass diese klaren Ansagen jetzt nicht eingefordert werden.“ Für die heutige Sitzung hat Jufa die Pläne angepasst: Aus einem 90 Meter langen, viergeschossigen Bau sind drei Häuser in Hufeisenform geworden (wir berichteten). Dafür sei das Hotel allerdings in die Höhe geschossen, kritisiert Kleingarn.

Diese Skizze der Hotelplanung hat eine Architektin im Auftrag von Campingplatzbetreiberin Katherin Kleingarn erstellt.

Das gilt zumindest für das Haupthaus: Wurde beim Langbau mit einer durchgehenden Höhe von 15 Metern geplant, liegt der Dachfirst des höchsten Gebäudes nun bei 15,4 Metern – allerdings mit einem ortstypischen Satteldach statt wie zuvor geplant mit einem Flachdach. Dafür erreichen die beiden anderen Häuser nur noch eine Höhe von 13,7 Metern. „Mich stört die massive Bauweise“, sagt die Campingplatzbetreiberin. Zusammengenommen seien die Hotelbauten nun länger als der erste Entwurf (die Länge nebeneinander: 73 Meter) und „wahnsinnig hoch im Vergleich mit dem Bestand“. Der Komplex habe eine erdrückende Wirkung im naturbelassenen Gebiet um Meeschendorf. Für ihren Platz mit dem Konzept „Camping in und mit der Natur“ sei das besonders problematisch. Der Investor betreibe viele kleinere Hotels mit 40 Zimmern in Österreich. „So unwirtschaftlich kann das nicht sein“, sagt Katherin Kleingarn, die betont: „Ich bin nicht grundsätzlich gegen das Hotel. Es ist gut, dass in Meeschendorf etwas passiert.“ Konkurrenz durch das neue Angebot in der Nachbarschaft befürchtet die 37-Jährige nicht: „Das sind unterschiedliche Arten, Urlaub zu machen.“ Allerdings gehe der Neubau auf ihre Kosten: Bereits 30 Prozent – also ein gutes Dutzend – der Dauercamper an der Grundstücksgrenze zur ehemaligen Kreisferienanlage hätten ihren Stellplatz gekündigt.

Diese Visualisierung stammt von Jufa Hotels.

„Ich hatte nach der ersten Sitzung mit den vielen Hausaufgaben mehr erwartet“, sagt Katherin Kleingarn. Es gehe nicht um ein paar Meter, die Gebäude seien viel zu hoch. Zwei Vollgeschosse ohne Aufbau wären für sie beim neuen Hotelbau ein Kompromiss, mit dem sich leben ließe – oder es bleibe einfach alles, wie es ist.

Das sagen Jufa-Hotels und Fehmarns Bürgermeister:

Jufa Hotels will sich laut Sprecher Martin Seger-Omann erst nach der Ausschusssitzung äußern – und verweist bis dahin auf die Stadt Fehmarn als Ansprechpartner, mit der sich das Unternehmen eng abstimme. 

„Die Entscheidung fällt die Politik, da will ich auch gar nicht vorgreifen“, sagt Bürgermeister Jörg Weber (SPD) über die Hotelplanung. Grundsätzlich gelte: „Wir brauchen Hotelbetten auf Fehmarn. Und ein Familienhotel ist umso besser.“ Das österreichische Unternehmen habe auf Kritik reagiert. So liege nun auch eine Schattenwurfstudie für 19 Uhr vor. Es seien deutliche Nachbesserungen durch Jufa Hotels zu erkennen, heißt es auch aus dem Bauamt auf Fehmarn. 

Der Wegfall der Ferienanlage in Meeschendorf sei durch die Medien gegangen und hätte die Anlieger alarmiert, so Weber. Diese seien daraufhin immer wieder informiert worden. „Wir wollten sie mit ins Boot holen. Das mussten wir nicht machen.“ Die Beteiligung sei ein Entgegenkommen. Erst vergangene Woche habe es Gespräche gegeben. Mit ausführlichen Videokonferenzen sei die heutige Ausschusssitzung vorbereitet worden. Jörg Weber war als „stiller Beobachter“ dabei: Es gab noch offene Fragen. (cig)

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Quelle: HNA

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