Kulturzug: Ausverkauftes Altes Rathaus zum Jahresrückblick mit Bernd Gieseking

Die Krise braucht Helden

Bebra. Beim Jahresrückblick mit Bernd Gieseking ist der Kulturzug in Bebra garantiert nicht auf dem Abstellgleis. Alle Plätze im Alten Rathaus waren ausverkauft.

Das Schlagwort im vergangenen Jahr war Krise. Ob Klimakrise, Schneekrise, Salzkrise: „Wir sind Krise“. Nein, Gieseking nicht. Ihm geht es gut, versicherte er grinsend. Immerhin hat er Geld von der Heizkostenvorauszahlung zurückbekommen. Sparsam ist auch die Konversation in seiner ostwestfälischen Stammkneipe, der Fischlounge, wo die zwei Worte: „Und?“ – „Muss!“ schon mal eine dreistündige detaillierte Konversation ersetzen können.

Ob Politiker oder Medien – alle lieferten im vergangenen Jahr genügend Vorlagen, damit der Jahresrückblick vergnüglich und bissig werden konnte. Unsere Welt braucht wieder Helden, findet Gieseking und schlägt Norbert Röttgen vor. Dieser hatte schon im Frühjahr gesagt, dass er Westerwelle für irreparabel beschädigt hält. Röttgen behielt Recht und hat sich trotzdem entschuldigt. Das ist wahrlich groß und heldenhaft!

Gieseking selbst entschuldigte sich bei Roland Koch. Seit er das Buch von Sarrazin liest, findet er Roland Koch richtig gut. Welches Buch heutzutage jemand lese, das sage doch mehr über ihn aus, als das Auto, das er fährt.

Roland Koch hat sich aus der Politik verabschiedet. Das findet Gieseking bitter. Jetzt bleiben ihm nur noch die anderen, wie Brüderle. Nach dem sogenannten Atomkompromiss hat der gesagt: „Sieger gibt’s nur eins: Deutschland!“ Da kennt Gieseking viele deutsche Muslime, die besser sprechen. „Den Brüderle holt auch noch mal der Sarrazin!“

Seit 17 Jahren blickt Gieseking nun satirisch zurück, seit zwölf Jahren kommt er auch in den Kulturzug Bebra. Und der fährt dann richtig ab...

Von Sylvia Hubele

Quelle: HNA

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